Sacharow-Menschenrechtspreis geht an ukrainischen Regisseur Oleg Senzow | Aktuell Europa | DW | 25.10.2018
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Auszeichnung des EU-Parlaments

Sacharow-Menschenrechtspreis geht an ukrainischen Regisseur Oleg Senzow

Der ukrainische Filmemacher Oleg Senzow wird mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit des EU-Parlaments ausgezeichnet. Der Regisseur befindet sich derzeit in russischer Haft.

Das teilte das EU-Parlament in Straßburg mit. Senzow war bereits im Vorfeld als Favorit gehandelt worden. Der 42-Jährige wurde 2014 wegen seines Engagements gegen die russische Besetzung der Krim in Russland inhaftiert und 2015 wegen "Planung terroristischer Handlungen" zu 20 Jahren Haft verurteilt. Amnesty International bezeichnete das Gerichtsverfahren als "unfaires Verfahren vor einem Militärgericht".

Frankreich EU-Menschenrechtspreis an Oleg Senzow (picture-alliance/AP Photo/J.-F. Badias)

EU-Parlamentspräsident Antonio Taiani

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani sagte, man wolle mit der Auszeichnung das Senzows Mut und Entschlossenheit würdigen und sein Anliegen unterstützen. Das Parlament fordere seine sofortige Freilassung.

Der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Hroisman bedankte sich bei den Abgeordneten des Parlaments für die Wahl Senzows als Preisträger. Der Preis sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Freilassung Senzows, schrieb er auf Twitter. Der EVP-Abgeordnete Michael Gahler (CDU) sagte, die Menschenrechtsverletzungen durch Russland seien ausschlaggebend für die Wahl des Filmemachers gewesen. Senzow trete mit seinem Protest das Erbe Andrej Sacharows an.

Teilnahme an Protesten gegen die Krim-Annexion

Der in Simferopol auf der Krim geborene Senzow studierte in Kiew und anschließend in Moskau. 2012 wurde sein erster Spielfilm "Gamer" in Rotterdam ausgezeichnet. Seit November 2013 engagierte er sich bei den Protesten auf dem Maidan-Platz in Kiew, die im Februar 2014 zum Sturz des damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch führten.

Anschließend nahm er an Protestkundgebungen gegen die Annexion der Krim durch Russland teil. Zwei Monate nach der Annexion, im Mai 2014, wurde der Regisseur in seiner Wohnung festgenommen und in einem Hochsicherheitsgefängnis in Moskau inhaftiert. Die russischen Behörden warfen ihm vor, Brandanschläge organisiert zu haben. Senzow wies dies zurück und berichtete von Versuchen der russischen Ermittler, ihn mit Folter zu einem Geständnis zu zwingen. Im August 2015 wurde er wegen der angeblichen Planung von Anschlägen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die EU, der Europarat, die USA, Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen forderten die Freilassung des Regisseurs.

Russland Oleh Senzow, ukrainischer Regisseur in Haft, Hungerstreik (picture-alliance/AP Photo/Russian Federal Penitentiary Service)

Durch seinen Hungerstreik war Senzow stark abgemagert

"Senzow ist zu einem Symbol für die rund 70 Staatsbürger der Ukraine geworden, die von der russischen Besatzungsmacht auf der Halbinsel Krim unrechtmäßig verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden", erklärte das EU-Parlament. Seit Mai 2018 befand er sich im Hungerstreik, den er nach Angaben der Gefängnisleitung Anfang dieses Monats beendet hat. 

Verleihung im Dezember

Senzow war einer von drei Finalisten für den Preis. Die anderen beiden waren der marokkanische Bürgerrechtler Nasser Zefzafi sowie eine Gruppe nichtstaatlicher Organisationen, die sich der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer verschrieben haben.

Die feierliche Verleihung des Preises findet am 12. Dezember in Straßburg statt. Der mit 50.000 Euro dotierte Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird an herausragende Kämpfer für die Menschenrechte vergeben. Er erinnert an den sowjetischen Physiker und Dissidenten Andrej Sacharow (1921-1989). Erster Preisträger war 1988 Nelson Mandela. Im vergangenen Jahr gewann ihn die demokratische Opposition in Venezuela.

cvo/mak (dpa, epd, EU-Parlament)