Südsudan: UN-Kommission fordert Anklage von Kriegsverbrechern | Aktuell Afrika | DW | 23.02.2018
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Bürgerkrieg

Südsudan: UN-Kommission fordert Anklage von Kriegsverbrechern

Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Die Hoffnungen nach der Gründung 2011 währten nicht lange, seit 2013 versinkt das Land im Bürgerkrieg. Eine UN-Kommission verlangt nun Konsequenzen für die Kriegsverbrechen.

Südsudan Riek Machar Salva Kiir (picture-alliance/AP/J. Patinkin)

Der südsudanesische Präsident Salva Kiir (r.) und sein früherer Stellvertreter Riek Machar

Im Konflikt im Südsudan haben laut den Vereinten Nationen die Streitkräfte Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen. Einer Kommission des UN-Menschenrechtsrats zufolge wurden Zivilisten die Augen ausgestochen oder die Kehlen aufgeschlitzt. Außerdem sei es massenweise zu Vergewaltigungen gekommen. Berichten zufolge gab es Gruppenvergewaltigungen und Vergewaltigungen von Kindern. Menschen seien demnach sogar gezwungen worden, eigene Familienmitglieder zu vergewaltigen.

58.000 Dokumente zu Grausamkeiten

Die UN-Kommission identifizierte mehr als 40 hochrangige Militäroffiziere und Politiker, die in den vergangenen zwei Jahren für die Grausamkeiten verantwortlich sein sollen. Es gebe ausreichend Beweise gegen drei Gouverneure von Bundesstaaten sowie gegen 33 Generäle und fünf Oberste, sagte Yasmin Sooka, Vorsitzende der UN-Kommission im Südsudan. Die Namen seien an den UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad al-Hussein weitergeleitet worden. Die Kommission forderte die Einsetzung eines Gerichtshofes unter Beteiligung der Afrikanischen Union.

In einem Bericht, der auf 58.000 Dokumenten und 230 Zeugenaussagen basiert, schildert die Kommission die Verbrechen im Südsudan. Der Bericht werde im Vorfeld der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats vorgelegt, die am Montag in Genf beginnt.

Vier Millionen Südsudanesen sind geflohen

Im ölreichen Südsudan herrscht seit vier Jahren ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern des Präsidenten Salva Kiir vom Volk der Dinka und den Truppen seines früheren Stellvertreters Riek Machar vom Volk der Nuer. Zehntausende sind in dem Krieg bislang getötet worden, etwa vier Millionen der zwölf Millionen Südsudanesen sind vor der Gewalt geflohen. Verantwortlich für die Kriegsverbrechen waren der Kommission zufolge Soldaten und Beamte beider Seiten.

Bei jüngsten Kämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen im Land wurden mindestens 30 Menschen getötet. 16 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Tonj, Simon Madut Aleu. Es hätten sich Angehörige zweier Dinka-Stämme gegenübergestanden. Wenige Tage zuvor hatte der Staatschef Kiir den Gouverneur abgesetzt und durch einen Politiker des anderen Stammes ersetzt.

Maschinengewehre in der Hand von Zivilisten

Immer wieder kommt es im Südsudan zu Kämpfen, auch gewaltsame Viehdiebstähle sind nicht ungewöhnlich. Nach Jahrzehnten verschiedener Konflikte sind Bewohner häufig mit Maschinenpistolen bewaffnet, wodurch Rivalitäten leicht eskalieren können. Bislang wurde kein hochrangiger Verdächtiger zur Rechenschaft gezogen - im Südsudan selbst gibt es keine intakte Justiz. Die Afrikanische Union hatte deshalb schon länger ein Sondertribunal angekündigt.

mb/uh (dpa, afp)

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