Südossetien hat Sehnsucht nach Russland | Aktuell Asien | DW | 20.10.2015
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Aktuell Asien

Südossetien hat Sehnsucht nach Russland

Könnte Russland bald größer werden? Ja, wenn es nach dem Präsidenten der Region Südossetien geht. Er will ein Referendum über einen Anschluss an Moskau abhalten. Dabei werden Erinnerungen an die Annexion der Krim wach.

Der Präsident der selbsterklärten Republik Südossetien, Tibilow, bei Russlands Präsident Putin (Foto: Reuters)

Der Präsident der selbsterklärten Republik Südossetien, Tibilow, bei Russlands Präsident Putin (Archivbild)

Südossetien will die Bevölkerung über einen Beitritt zu Russland abstimmen lassen. Das kündigte der Anführer der selbsternannten Republik, Leonid Tibilow, an. Die Region im Südkaukasus hat eine wechselvolle Geschichte: Sie hatte sich in den Wirren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ebenso wie Abchasien von Georgien abgespalten. 1992 hatte es in einer Volksabstimmung eine Mehrheit für einen Anschluss an Russland gegeben - bei einem Referendum 2006 stimmte dann aber eine Mehrheit für eine Unabhängigkeit.

Zwei Jahre später versuchte Georgien, die Region mit 50.000 Einwohnern zurückzuholen. Das scheiterte aber an einer Intervention Moskaus. Russland und einige weitere Länder erkennen Südossetien als eigenständigen Staat an. Andere Nationen wie die USA und Deutschland sehen in der Region jedoch weiter einen Teil von Georgien.

Im Jahr 2008 kämpfen Russland und Georgien um die Region (Archivbild: AFP / Getty)

Im Jahr 2008 kämpften Russland und Georgien um die Region (Archivbild)

Südossetien ist von Russland abhängig

Das Gebiet ist bereits jetzt vor allem finanziell mit Russland verbunden: So bezahlen die Menschen mit dem Rubel, aus Moskau fließt das meiste Geld in den Haushalt.

Republikchef Tibilow hat nach eigenen Angaben den Weg für ein Referendum am Montag in einem Treffen mit dem russischen Gesandten in Südossetien bereitet. Die Reaktion des Kreml-Vertreters sei positiv gewesen. "Wir sollten unsere historische Chance nutzen und uns mit dem brüderlichen Russland wieder vereinigen, um Sicherheit und Wohlstand unserer Republik und unseres Volkes für die kommenden Jahrhunderte zu sichern", warb Tibilow in einer Erklärung. Alle weiteren Schritte würden nun in Absprache mit dem Kreml angegangen.

Experten: Russland gegen Abstimmung

Georgien reagierte erbost auf die Pläne. Sie seien Teil von Russlands Politik der "schleichenden Annexion". Ein Referendum verstoße gegen internationales Recht, betonte Außenminister Gigi Gigiadse.

Zumindest öffentlich reagierte Moskau verhalten auf die Pläne. Ein Sprecher sagte, es sei seit Langem bekannt, dass viele Menschen in Südossetien für eine Integration in Russland seien. "Soweit wir es verstehen, hat Herr Tibilow darauf angespielt."

Ein Anschluss der Region an Russland würde Moskaus Beziehungen zum Westen wohl weiter verschlechtern. Bereits wegen der vom Westen als völkerrechtswidrig gewerteten Annexion der Krim nach einer Volksabstimmung sowie wegen der Luftangriffe in Syrien steht Russland international stark in der Kritik. Nach Ansicht von Experten hat der Kreml deshalb kein Interesse an einem südossetischen Referendum. Konstantin Kalachev, Leiter des Think Tanks "Politische Expertengruppe", sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Russland will seine Beziehungen zu Georgien nicht vollständig ruinieren."

Ba/jj (afp, rtr)