Südafrika empört über Trump-Tweet zur Landreform | Aktuell Welt | DW | 23.08.2018
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Diplomatie

Südafrika empört über Trump-Tweet zur Landreform

Erst zeigt Trumps Lieblingssender Fox News einen Beitrag über die südafrikanische Landreform. Dann twittert der US-Präsident über die "massenhafte Tötung" weißer Farmer - und zettelt einen Streit mit Pretoria an.

Südafrikas Regierung hat US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, Rassenkonflikte in dem Land anfzuheizen. In einer scharf formulierten Mitteilung auf Twitter reagierte Pretoria auf eine Äußerung Trumps, in der dieser weiße südafrikanische Farmer einseitig als Opfer von Enteignungen und tödlicher Gewalt bezeichnet hatte. "Südafrika verurteilt diese beschränkte Auffassung, die einzig darauf abzielt, unsere Nation zu spalten und uns an unsere koloniale Vergangenheit zu erinnern", hieß es in einer Mitteilung der südafrikanischen Regierung.

Die Landreform werde vorsichtig und auf eine verträgliche Weise beschleunigt, die "unsere Nation nicht spaltet". Außenministerin Lindiwe Sisulu kündigte an, mit ihrem US-Kollegen Mike Pompeo über den Tweet zu sprechen.

Verhängnisvoller Tweet nach Fox-Bericht

Trump hatte in der Nacht zu Donnerstag in einem Tweet die "massenhafte Tötung" von Südafrikas weißen Farmern kritisiert und erklärt, er habe seinen Außenminister Mike Pompeo beauftragt, die geplanten "Land- und Farmenteignungen in Südafrika aufmerksam mitzuverfolgen".

Kurz zuvor war auf Trumps Lieblingssender Fox News ein Bericht über Enteignungen von weißen Landwirten gelaufen. Moderator Tucker Carlson bezeichnete die mehrheitlich schwarze Regierung Südafrikas darin als "rassistisch".

Die Ungleichverteilung von Land ist in Südafrika ein heikles Thema mit gesellschaftlicher Sprengkraft. Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Apartheid besitzen weiße Südafrikaner 72 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung macht aber nur acht Prozent aus. Schwarze besitzen lediglich vier Prozent des Farmlandes.

Umstrittene Landreform

Die Regierung von Präsident Cyril Ramaphosa hatte Anfang August angekündigt, Verfassungsänderungen zur Beschleunigung einer entschädigungslosen Enteignung weißer Farmer zugunsten ärmerer schwarzer Bürger voranzutreiben. Die Pläne müssen vom Parlament noch abgesegnet werden. Über die Frage ist im Land eine erhitzte Debatte entbrannt.

Südafrika - neuer Präsident Cyril Ramaphosa (Getty Images/AFP/M. Hutchings)

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa

Weiße Nationalisten begrüßten Trumps Ankündigung. Sie sehen durch die geplanten Landreformen die Ernährungssicherheit und Stabilität des Landes in Gefahr. Sie verweisen darauf, dass seit Ende der Apartheid 1994 Hunderte weiße Bauern bei brutalen Raubüberfällen durch schwarze Täter umkamen. Die Farmer selbst vermuten rassistische Motive und sprechen von Hassverbrechen gegen Weiße.

Bislang hat der ANC versucht, die ungleiche Landverteilung auf freiwilliger Basis zu ändern. Dabei wurde weißen Farmern ihr Land abgekauft, das dann an schwarze Landwirte weitergegeben wurde. Allerdings änderte dies wenig an den Verhältnissen und viele Südafrikaner glauben, der Prozess müsse beschleunigt werden. Die Landreform ist für den ANC schon seit Amtsantritt ihres früheren Präsidenten Nelson Mandela 1994 ein zentrales Ziel.

rk/qu (kna, dpa, afp, rtr)

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