Süß, süßer, Eisbärchen | Deutschland | DW | 17.03.2019
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Eisbären-Nachwuchs im Berliner Tierpark

Süß, süßer, Eisbärchen

"Ohhhh, ist der süüüß", "Nee, ist der nieeedlich" - das könnten die beiden meistgebrauchten Ausdrücke im Berliner Tierpark an diesem Wochenende gewesen sein. Denn nach langer Zeit zeigt sich wieder Eisbären-Nachwuchs.

Dreieinhalb Monate nach seiner Geburt hat das kleine Eisbär-Mädchen am Wochenende erstmals das Außengehege im Berliner Tierpark betreten und sich der Öffentlichkeit präsentiert. Mit dabei ist stets Tonja, die Mutter des Minibären. 2017 hatte sie bereits zwei Babys zur Welt gebracht. Eines starb direkt nach der Geburt, eines wenige Wochen danach. Kein Wunder, dass die neunjährige Tonja ihren Nachwuchs nicht aus den Augen lässt.

Die Sterblichkeitsrate bei Eisbärenbabys ist auch in der freien Natur recht hoch. Nur rund 15 Prozent der kleinen Eisbären überleben ihre ersten zwei Lebensjahre. Umso schöner wäre es, wenn es das am 1. Dezember 2018 geborene Wollknäuel bis ins Erwachsenenalter schafft und vielleicht selber mal für Nachwuchs sorgen kann. Aber bis dahin hat es noch viel Zeit.  

Jetzt geht es erstmal darum, mit Mama-Bär zu kuscheln - und sie zu ärgern. Denn das tapsige Bärchen ist nicht nur recht lebhaft. Es soll zeitweilig auch frech sein. Zur Ordnung rufen kann man es nicht - denn es hat keinen Namen. Die Entscheidung, wer die Patenschaft für den Mini-Eisbär übernimmt, soll erst Anfang April fallen. Bis dahin bleibt Kuschelwuschel namenlos - aber keinesfalls antriebslos.

Der Frech-Bär streckt immerhin den Besuchern auch mal die Zunge raus, wenn er hinfällt. Naja gut, vielleicht sieht es auch nur so aus. Er soll aber so lebhaft sein, dass bei seiner zweiten Tierarztuntersuchung am vergangenen Dienstag an Messen und Wiegen nicht zu denken war. Geschätzt wiegt der Mini-Bär 15 Kilogramm. Mit seinen Krallen und Zähnen kann er Menschen schon jetzt gefährlich werden.

Bisher scheint das Eisbär-Mädchen aber eher sich selbst gefährlich zu werden - wenn man sieht, wie waghalsig es sein Außengelände erkundet. Der Eisbär-Vater ist bei der Erkundung nicht dabei. Er heißt Wolodja und wohnt wieder im Zoo Rheenen in den Niederlanden. Den Tierpark-Besuchern wird es wohl egal sein, wollen doch alle nur den Nachwuchs sehen. 

Massen von Besuchern und Medienvertretern beobachten seit diesem Wochenende jeden Schritt des kleinen Eisbären im Freien. Die Aufmerksamkeit erinnert ein wenig an den Rummel, den Eisbär-Baby Knut 2006 in Berlin erzeugt hat. Ja, das ist schon über zwölf Jahre her. Wie doch die Zeit vergeht. Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen Namenlos und Knut. Während Namenlos von seiner Mutter aufgezogen wird, wurde Knut damals von seiner Mutter verstoßen und musste per Hand aufgezogen werden, der Hand von Tierpfleger Thomas Dörflein.

Das Traumpaar Knut und Dörflein erlangte damals weltweite Bekanntheit. Leider nahm die Geschichte kein gutes Ende. Während Eisbären in der Natur 25 bis 30 Jahre alt werden, starb Knut im Alter von vier Jahren am 22. März 2011 vor den Augen der Zoobesucher. Er dreht sich mehrfach im Kreis, fiel ins Wasser und ertrank. Ursache war eine Hirnerkrankung. 

Sein Tierpfleger Thomas Dorflein starb bereits zweieinhalb Jahre zuvor an einem Herzinfarkt. Zumindest leben die beiden in zahllosen Fotos und Andenken weiter. Dass das namenlose Eisbär-Mädchen eine ebenso große Berühmtheit wird wie Knut, ist durch durch die fehlende Handaufzucht aber unwahrscheinlich. Das war aber auch nie das Ziel des Tierparks Berlin. 

"Wir wollten keinen zweiten Knut, keine Handaufzucht", betont Tierpark-Direktor Andreas Kniereim. Darum griff das Tierpark-Personal auch bei den zwei verstorbenen Babys von Mutter Tonja nicht ein. Der noch namenlose weiße Zwerg überlebte die erste riskante Zeit ohne Hilfe von Pflegern oder Tierärzten. Und ohne sie lernte er auch schwimmen. Aber das ist nichts besonderes, denn Eisbären können quasi von Natur aus schwimmen. Einen schönen Namen und ein langes Leben wünschen wir dem Kuschelbärchen - zumindest letzteres auch seinen Artgenossen in freier Wildbahn, deren Lebensraum durch Menschenhand immer kleiner wird.