Ryanair wegen Kursmanipulation verklagt | Aktuell Welt | DW | 07.11.2018
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Personalführung

Ryanair wegen Kursmanipulation verklagt

Das rabiate Regime, das der irische Billigflieger gegen seine eigenen Mitarbeiter führt, ist seit den europaweiten Streiks kein Geheimnis mehr. Und genau darin sehen Anleger in USA ein strafwürdiges Vergehen.

Ryanair und sein Chef Michael O'Leary müssen sich in den USA möglicherweise vor Gericht verantworten. Ein Pensionsfonds aus Alabama reichte in New York Beschwerde wegen Kursmanipulation ein. Er wirft der größten europäischen Fluggesellschaft vor, ihre Beziehungen zum Personal geschönt dargestellt und damit die Investoren getäuscht zu haben. Die Wahrheit sei ans Licht gekommen, als das Unternehmen unter dem Druck der Belegschaft im vergangenen Jahr erstmals Gewerkschaften zugelassen habe und in diesem Sommer bestreikt worden sei.

Die Konflikte mit Piloten und anderen Angestellten hätten zu deutlichen Kursverlusten am Aktienmarkt geführt hätten, heißt es in der Beschwerdeschrift weiter. "Unerkannt von Investoren war der Gewinn des Unternehmens in der Vergangenheit auf einem verdeckten und nicht nachhaltigen Fundament der Ausbeutung der Mitarbeiter und Fluktuation begründet." Ryanair hatte am 1. Oktober seine Prognose gesenkt und dies mit Arbeitskämpfen begründet. Der Aktienkurs gab daraufhin deutlich nach.

"Klage zum Scheitern verurteilt"

O'Leary, der das Unternehmen seit 1994 führt, will die Streitigkeiten noch vor Weihnachten beilegen. Offiziell wies der irische Billigflieger alle Anschuldigungen zurück. In einer Stellungnahme kündigte Ryanair an, sich energisch gegen die "zum Scheitern verurteilte" Klage zur Wehr zu setzen.

Der Pensionsfonds fordert Schadenersatz für erlittene Kursverluste und will das Verfahren als Sammelklage vorantreiben, der sich andere Investoren anschließen könnten. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob das Gericht den Rechtsstreit überhaupt zulässt.

Belgien Ryanair Streik & Protest | Mitarbeiter in Brüssel (Reuters/F. Lenoir)

Ein streikender Ryanair-Mitarbeiter in Brüssel (Archiv)

Nach Foto-Protest gefeuert

Ebenfalls am Mittwoch hat Ryanair sechs in Portugal stationierte Crew-Mitglieder wegen eines gestellten Fotos entlassen. Das Bild, das im Oktober in sozialen Medien kursierte und für Schlagzeilen gesorgt hatte, zeigt die Frauen und Männer in Uniformen, die während eines Sturms im Flughafen von Málaga auf dem Boden liegen. Zuvor hatte Ryanair Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht, die zeigen, dass die Crew sich nur kurz auf den Boden gelegt hatte.

Das Foto sei eine Art Protest gewesen, weil 24 Flugbegleiter und Piloten gezwungen gewesen seien, einen Großteil der Nacht in einem Raum mit nur acht Stühlen zu verbringen, sagte die Chefin der portugiesischen Gewerkschaft SNPVAC, Luicana Passo.

Ryanair sprach von einem "irreparablen Vertrauensverlust". Die Crew habe der Airline geschadet.

rb/qu (dpa, rtr)