Ryanair streicht wegen Streiks weitere 250 Flüge | Wirtschaft | DW | 08.08.2018
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Luftfahrt

Ryanair streicht wegen Streiks weitere 250 Flüge

Mitten in der Ferienzeit legen die Ryanair-Piloten auch in Deutschland am Freitag die Arbeit nieder. Der Billigflieger muss weitere 250 Flüge absagen. Auch die niederländischen Piloten wollen am Freitag nicht fliegen.

Von den Flugausfällen ist laut Angaben von Ryanair Marketing-Chef Kenny Jacobs fast das komplette Programm betroffen, dass die Fluggesellschaft an diesem Tag mit in Deutschland stationierten Maschinen bestreiten würde. Einzig Piloten am Flughafen Basis Baden-Baden sollen starten. 

Niederländische Piloten schließen sich Streiks an

Am Mittwochabend hatten sich auch noch die niederländischen Piloten des Billigfliegers den Streiks ihrer Kollegen in Deutschland und anderen europäischen Ländern angeschlossen . "Dieser europäische Pilotenstreik sollte ein Weckruf für das Ryanair-Management sein", erklärte die niederländische Pilotengewerkschaft VNV. Zuvor hatte die Gewerkschaft mitgeteilt, dass Ryanair in den Niederlanden ein Verbot etwaiger Arbeitskampfmaßnahmen anstrebe. Ryanair wolle vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken, "um Streiks seiner Piloten in der Sommersaison zu verhindern". Die VNV bezeichnete dies als "Angriff auf das niederländische Streikrecht".

Durch die 24 stündige Arbeitsniederlegung der niederländischen Piloten wird der Billigflieger weitere Flüge streichen müssen. Wegen der gleichzeitig stattfindenden Streiks in Belgien, Irland und Schweden hatte Ryanair schon zuvor für Freitag 400 von 2400 Flügen in Europa gestrichen, wie Marketing-Chef Jacobs sagte. "Dieser Streik ist völlig unnötig", kritisierte er. Eine Streikankündigung erst 48 Stunden vor den ersten Ausständen sei unfair gegenüber den Kunden. 

Insgesamt seien in Deutschland 42.000 Kunden betroffen, in Europa insgesamt rund 55.000, hieß es weiter. Zahlen, in die der Streik in den Niederlanden noch nicht eingerechnet war. Ryanair entschuldigte sich bei den Passagieren für die Störungen. Die Manager sagten, dass sie zu "sinnvollen Verhandlungen" mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bereit seien. Das Unternehmen versprach, betroffene Kunden per SMS und E-Mail zu informieren und ihnen eine kostenlose Umbuchung anzubieten. Rund ein Drittel der deutschen Kunden werde aber auch am Freitag fliegen können, weil ihr Flugzeug aus einem nicht bestreikten Land komme.

Zuvor hatte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für den 10. August zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Gestreikt werde von Freitagmorgen (3:01 Uhr) bis Samstagmorgen (2:59 Uhr). Am Freitag streiken auch die Ryanair-Piloten in Belgien, Irland und Schweden.

Die Forderungen

Die Piloten fordern bessere Arbeitsbedingungen, für das Cockpitpersonal in Deutschland strebt die Gewerkschaft einen Tarifvertrag an. Von Seiten des Unternehmens sei aber "kein konstruktiver Wille" zu spüren, Tarifverhandlungen zu führen, sagte Gewerkschaftspräsident Martin Locher. Daher trage Ryanair die Verantwortung für die Eskalation des Konflikts.

"Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen", erklärte der Gewerkschafter. 

Bei den Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ein Warnstreik der VC in Deutschland war im vergangenen Dezember ohne Flugausfälle geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten mobilisieren konnte.

Erst die Flugbegleiter, jetzt die Piloten

Die Vereinigung Cockpit, bereits kampferprobt in Konflikten mit der Lufthansa, verhandelt seit mehr als einem halben Jahr mit Ryanair. Nach den fehlenden Fortschritten bei den Verhandlungen hatten sich in einer Urabstimmung 96 Prozent der befragten Gewerkschaftsmitglieder für einen Arbeitskampf ausgesprochen.

Vor zwei Wochen hatten streikende Flugbegleiter in Spanien, Portugal und Belgien Ryanair gezwungen, innerhalb von zwei Tagen rund 600 Flüge mit zusammen etwa 100.000 betroffenen Passagieren abzusagen.

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Ryanair am Pranger

Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich aber europaweit untereinander.

bea/sti (dpa, rtr, afp)

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