Russland will Studierende zurückholen | Europa | DW | 19.04.2018
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Brain Drain

Russland will Studierende zurückholen

Seit Jahren wandern hoch Qualifizierte und solche, die es werden wollen, aus Russland ab. Vor allem Richtung Westen. Nun versucht Moskau einmal mehr sie zurückzuholen. Das neue Argument: Russophobie.

Universität Oxford Campus des Keble College (Imago/J. Tack)

Das Keble College der britischen Elite-Universität Oxford

"Kommt wieder zurück nach Russland!" Mit dieser Botschaft wendet sich die Moskauer Behörde für im Ausland lebende Staatsbürger "Rossotrudnichestvo" an Zehntausende Staatsbürger im Westen. Der Aufruf richtet sich an Studierende besonders in Großbritannien, in den USA und anderen "unfreundlichen Staaten": Sie sollen ihr Studium in der Heimat fortsetzen.

Moskaus Initiative ist offenbar eine Folge der sich dramatisch verschlechterten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, vor allem nach der Skripal-Affäre. Die russischen Studenten würden in der Heimat herzlich willkommen geheißen, heißt es jetzt in Moskau. Rossotrudnichestvo beklagt wachsende "Russophobie" und anti-russische Haltungen in Europa und warnt vor möglichen Schikanen für russische Staatsbürger.

Genri Sardarian, Dekan in der Management- und Politik-Fakultät der Moskauer Diplomaten-Universität MGIMO, bestätigt: Seine Universität, und andere, würden die Benotungen, die die Studenten im Ausland erworben haben, akzeptieren, wenn sie ihr Studium in der Heimat fortsetzen. Nach Angaben des Erziehungsministeriums besuchten im Jahr 2014 rund 60.000 russische Staatsbürger ausländische Hochschulen. Wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage in Russland, dürfte die Zahl derzeit noch höher sein.

Screenshot Oxford Royale Academy- Hinweis für russische Studenten (ORA)

"Im Lichte der politischen Spannungen": Die Universität Oxford heißt russische Studierende explizit willkommen.

Während Moskau damit seine isolationistischen Tendenzen fördert, heißt die britische Botschaft in Moskau Russen in Großbritannien willkommen - ob als Urlauber, um Geschäfte zu machen oder um zu studieren. Auch die Universität Oxford richtet sich mit einem Schreiben an ihre russischen Studierenden: Trotz der diplomatischen Spannungen stehe das britische Bildungssystem russischen Studenten offen. Die Zulassungsbedingungen hätten sich nicht geändert.

Wirtschaft leidet und "Brain Drain"

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreml versucht, dem "Brain Drain", also dem Wegzug von Akademikern, entgegenzuwirken. Bislang führte sie dafür allerdings keine politischen Gründe an. Vor allem Wirtschaft und Wissenschaft leiden in Russland darunter.

Wie viele Wissenschaftler genau Russland den Rücken gekehrt haben, ist unbekannt. Schätzungen zufolge sollen es bis zu einer Million sein seit dem Zerfall der Sowjetunion. Viktor Kalinushkin von der Akademie der Wissenschaften in Moskau behauptete vor wenigen Jahren, dass russisch-sprechende Wissenschaftler zu 30 Prozent verantwortlich seien für die Entwicklung von Microsoft-Produkten. Die russische Regierung hat in den letzten 15 Jahren immer wieder Programme aufgelegt, um Studenten oder hoch qualifizierte Wissenschaftler zur Rückkehr nach Russland zu bewegen. Bislang mit mäßigem Erfolg.