Russland weist viele Diplomaten aus - Fall Skripal spitzt sich zu | Aktuell Welt | DW | 29.03.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Gift-Affäre

Russland weist viele Diplomaten aus - Fall Skripal spitzt sich zu

Nach der Ausweisung seiner Diplomaten aus rund 25 Staaten hatte Russland nicht sofort mit Gegenmaßnahmen reagiert. Nun aber schlägt Moskau zurück, "angemessen" wie es heißt. Besonders massiv trifft es die USA.

Russland weist im Streit um den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal Dutzende westliche Diplomaten aus. Allein aus den USA müssen 60 Diplomaten binnen einer Woche Russland verlassen. Das amerikanische Generalkonsulat in St. Petersburg (Artikelbild) wird geschlossen, wie Außenminister Sergej Lawrow ankündigte. Auch Diplomaten anderer Länder werden des Landes verwiesen, wie die Agenturen Tass und Interfax melden.

Der Schritt ist Moskaus Antwort auf die Entscheidung von rund 25 Staaten sowie der NATO, mehr als 140 russische Diplomaten auszuweisen. Auch Deutschland hat vier russische Vertreter zu unerwünschten Personen erklärt. Auf deutsche Diplomaten ging Lawrow aber zunächst nicht konkret ein.

Giftanschlag brachte Streit ins Rollen

Anlass des Zwists sind die Vorwürfe nach dem Giftangriff Anfang März auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter Yulia in Südengland. Die beiden waren am 4. März in der Kleinstadt Salisbury bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Großbritannien macht Russland dafür verantwortlich, weil angeblich der zu Sowjetzeiten entwickelte chemische Kampfstoff Nowitschok eingesetzt wurde. Moskau weist die Anschuldigungen zurück.

Angesichts wachsender Spannungen zwischen Russland und der westlichen Welt warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor einer Art neuem Kalten Krieg. Vorsichtsmaßnahmen ähnlich wie damals müssten wieder ergriffen werden. Es müssten neue Kontrollen aufgebaut werden, damit "die Dinge nicht außer Kontrolle geraten", mahnte der UN-Generalsekretär.

Die USA hatten besonders scharf auf die britischen Vorwürfe gegen Russland reagiert. 60 russische Diplomaten wurden ausgewiesen und das Konsulat in Seattle wurde geschlossen. Lawrow sagte nun, der US-Botschafter in Moskau sei einbestellt worden. Das Außenministerium teilte mit, 58 der 60 ausgewiesenen US-Vertreter kämen aus der Botschaft in Moskau, zwei weitere seien aus dem Generalskonsulat in der Uralmetropole Jekaterinburg. Sie müssen Russland bis zum 5. April verlassen.

Das war´s fürs Erste

Aus den anderen Ländern, die sich an dem Vorgehen gegen Russland beteiligt hätten, müssten zudem ebenso viele Diplomaten das Land verlassen wie russische Vertreter ausgewiesen wurden. "Fürs Erste ist das alles", sagte Lawrow. Die deutsche Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den verfügten Ausweisungen.

Der Streit zwischen Moskau und dem Westen schaukelt sich seit Tagen hoch. Doch das Vorgehen gegen Moskau ist nicht ganz unumstritten. Russland verweist darauf, dass London keine konkreten Beweise gegen Moskau vorgelegt habe. Mehrere EU-Staaten, darunter Österreich, Luxemburg und Griechenland, haben sich nicht an der Aktion beteiligt und argumentieren ebenfalls mit der unklaren Beweislage.

Mehr Klarheit könnte möglicherweise eine Befragung der vergifteten Yulia Skripal bringen, sollte sie bald wieder vernehmungsfähig sein. Eine Mitteilung des Krankenhauses in Salisbury nährt diesbezüglich Hoffnungen. Die 33-Jährige sei nicht mehr in einem kritischen Zustand, sie spreche gut auf die Behandlung an, hieß es. Weniger zuversichtlich äußerten sich die Ärzte bislang mit Blick auf ihren Vater, Sergej Skripal. Der Zustand des jetzt 66-jährigen habe sich nicht verändert, er bleibe "kritisch aber stabil".

haz/jv (rtr, dpa, afp)