Rundum nervöse Bayern | Sport | DW | 12.08.2019
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DFB-Pokal

Rundum nervöse Bayern

Wieder spielerische Mängel und ein langes Zittern: Titelverteidiger Bayern München hat im DFB-Pokal mit mehr Mühe als gedacht die erste Hürde genommen. Das Spiel machte deutlich, wie nötig weitere Transfers sind.

Es sollte ein Befreiungsschlag werden. Ein klarer Sieg in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal, mit vielen Toren gegen einen unterklassigen Verein, der die Kritiker verstummen lässt. Eine Galavorstellung gegen den Viertligisten Energie Cottbus war eigentlich eingeplant, der die jammernden Experten, die ständig nörgeln, die Bayern seien nicht konkurrenzfähig, der Kader mit 17 Feldspielern nicht breit genug, um auf die Aufgaben in drei Wettbewerben gewappnet zu sein, in die Schranken zu verweisen.

Eigentlich sollte mit einen hohen Sieg in der Lausitz ein klares Signal an die Nörgler, die die Transferpolitik der Münchner zerreißen, gesendet werden. Doch Glamour versprühte der 3:1-Arbeitssieg des Rekordmeisters nicht.

Kovac reagiert gereizt 

Es fing schon vor Spielbeginn an. Bayern-Trainer Niko Kovac wurde auf die fast perfekte Verpflichtung des kroatischen Vizeweltmeister Ivan Perisic angesprochen. Kovac kritisierte die negativen Kommentare zu dem Transfer: "Man macht hier einen Spieler schlecht. Jeder Spieler hat den gleichen Respekt verdient. Man kann nicht über eine B-, C- oder D-Lösung sprechen. Da müssen wir uns alle mal hinterfragen", sagte Kovac vor der Anpfiff der Partie.

Fußball Bundesliga Niko Kovac, Trainer FC Bayern München (Getty Images/Bongarts/A. Pretty)

Bayern-Trainer Niko Kovac wirkt zunehmend gereizt

Es ist klar: Eine Perisic-Leihe ist deutlich unglamouröser als ein Transfer von Leroy Sané und auch weniger perspektivisch als ein möglicher Wechel des marokkanischen Nationalspielers Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam. Aber es ist eine schnelle und finanziell überschaubare Lösung.

Die Münchner brauchen dringend Verstärkung

Die Münchner brauchen dringend Verstärkung für das Flügelspiel. Das zeigte das Spiel gegen Cottbus auch noch einmal eindrucksvoll. Viele klare Torchancen spielten sich die Bayern nicht heraus und dazu brachten die Lausitzer die großen Stars ein, zwei Mal in Verlegenheit.

So holte Cottbus Außenverteidiger Marcel Hoppe Kingsley Coman bei einem Gegenangriff doch tatsächlich ein und klärte dessen Angriffsversuch. Dazu einige schlampige Zuspiele, wenig Gefahr über Außen. Der gefährliche Schuss von Martin Broschinski, bei dem Bayern-Schlussmann Manuel Neuer sein ganzes Können aufbieten musste. Das Spiel der Bayern wirkte oft wenig durchdacht und zeitweise harmlos. Wie schon beim 0:2 im Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund fehlte vorne die Effizienz.

Fußball Spieler Ivan Perisic (Imago Images/Gribaudi)

Ivan Perisic ist im direkten Anflug nach München

Zumindest brachten die eingewechselten Leon Goretzka und Serge Gnabry einigen neuen Schwung ins Bayern-Spiel. Goretzka machte viele Meter, leitete das 2:0 ein und erzielte das 3:0 selbst. Gnabry bereitete das Tor von Goretzka vor. Aber der Blick auf die Ersatzbank der Münchner offenbarte, wie dünn der Kader zurzeit ist. Mit Kwasi Okyere Wriedt, Lukas Mai und Sarpreet Singh waren drei absolute No-Names mit nach Cottbus gereist.

Perisic ist eine schnelle und günstige Lösung

Neuzugang Perisic ist als Ergänzung oder Backup für Coman und Gnabry vorgesehen und kann auf beiden Seiten spielen. Weil die Routiniers Arjen Robben und Franck Ribéry den Verein verlassen hatten, wurde die Personaldecke gerade auf den Flügeln dünn.

"Er kennt die Bundesliga, er spricht Deutsch und er hat ein großes Vertrauensverhältnis zu Bayern-Trainer Niko Kovac, denn sie kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der kroatischen Nationalmannschaft", meinte der deutsche Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus in einer Kolumne von Sky und fand: "Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top."

Perisic wird dem Vernehmen nach für ein Jahr von Inter, wo er noch einen Vertrag bis 2022 hat, ausgeliehen. Danach sollen die Bayern die Möglichkeit haben, den Offensiv-Routinier fest zu verpflichten. Das Gesamtvolumen soll sich mit 25 Millionen Euro auf einem überschaubaren Niveau bewegen - vor allem im Vergleich zu den 150 Millionen Euro, die Manchester City Berichten zufolge zuletzt für einen Wechsel von Nationalspieler Sané verlangt hatte.

Fußball Leroy Sane von Manchester City verletzt (picture-allinace/AP/F. Augstein)

Ein Transfer von Leroy Sane ist aufgrund dessen Kreuzbandriss in weite ferne gerückt

Will Bayern auch Barcas Coutinho?

Perisic kennt die Bundesliga bereits aus seinen eineinhalb Jahren bei Borussia Dortmund von Juli 2011 bis Januar 2013 und der folgenden zweieinhalb Spielzeiten beim VfL Wolfsburg. Von dort ging er im August 2015 zu Inter, wo er vier Jahre lang Stammspieler und Leistungsträger war. Doch mit dem neuen Mailänder Trainer Antonio Conte änderte sich die Lage abrupt - und die Bayern können der große Profiteur sein. Conte hatte schon vor Wochen unterstrichen, für Perisic keine Verwendung mehr zu haben.

Einem spanischen Medienbericht zufolge verhandeln die Münchner zudem mit dem FC Barcelona über eine Leihe des Brasilianers Philippe Coutinho. Im Gespräch sei ein Leihgeschäft mit anschließender Kaufoption, meldete der katalanische Radiosender RAC1. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, hieß es.

UEFA Champions League 2019 | Philippe Coutinho, FC Barcelona (picture-alliance/empics/C. Mercer)

Auf dem Einkaufszettel der Bayern? Philippe Coutinho

Bis zum 2. September ist noch Zeit

Es ist klar, die Bayern müssen etwas tun. Die erste Elf ist gut besetzt. In der Abwehr hat man mit Lucas Hernández und Benjamin Pavard neue Qualität hinzubekommen, allerdings hat Mats Hummels den Verein verlassen und auch der Verbleib von Ex-Nationalspieler Jérome Boateng ist weiterhin offen. Das Mittelfeld mit Thiago, Weltmeister Corentin Tolisso, Coman und Goretza ist erstklassig, aber wehe einer verletzt sich und gerade Coman und Gnabry sind verletzungsanfällig. Speziell vorne wird es dünn. Für Top-Stürmer Robert Lewandowski gibt es annähernd keinen adäquaten Ersatz im Kader.  

"Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Kader stehen haben werden", sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Bis zum 2. September haben die Münchner noch Zeit, dann schließt das Transferfenster in der Bundesliga. Die Bayern müssen reagieren und sie werden reagieren, das hat das glanzlose Spiel gegen Cottbus gezeigt.

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