Rocklegende und Universalgenie: ″Iron Maiden″-Sänger Bruce Dickinson ist 60 | Musik | DW | 06.08.2018
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Musik

Rocklegende und Universalgenie: "Iron Maiden"-Sänger Bruce Dickinson ist 60

Bierbrauer, Fechter, Pilot, Autor und Historiker– aber primär ist er als Rocklegende und Frontmann von "Iron Maiden" weltbekannt: Bruce Dickinson. Zu seinem 60. Geburtstag schauen wir auf seine Erfolgsgeschichte.

Seine Stimme dreht auf wie eine Sirene und dringt in den Gehörgang wie eine Rasierklinge. Das macht die Musik von Bruce Dickinson einzigartig und hat maßgeblich zur Erfolgsgeschichte von "Iron Maiden" beigetragen. Bruce Dickinson ist seit 1981 Frontmann der Band, die zu den erfolgreichsten Heavy Metal Bands weltweit zählt. Obwohl er mit seiner Körpergröße von 1,70 Meter recht klein ist, zählt er zu den größten Rocklegenden und Allround-Talenten in der Musikgeschichte. 

Der Sänger wurde 1958 in der englischen Bergarbeiterstadt Worksop geboren. Schon während seiner Schulzeit ging er auf Tuchfühlung mit der Musik - als Sänger einer Schülerband. Später zog es ihn zum Studium ans Queen Mary College in London, um dort Geschichte zu studieren. Während seiner Studentenzeit sammelte Dickinson als Teil verschiedener Bands weitere Erfahrungen im Musik-Business - der große Erfolg blieb zunächst jedoch aus.

Erst Kneipen-Session, dann Welttournee

1978 wurde er bei einem Auftritt in einer Londoner Kneipe von Paul Samson entdeckt, dem Gitarristen und Kopf der Band "Samson". Von einem Tag auf den anderen legte Dickinson sein Studium auf Eis – dieses beendete er später jedoch noch erfolgreich – und nahm den Sängerposten bei "Samson" an.

Drei Jahre später kehrte er als 23-Jähriger "Samson" den Rücken. Der Grund war ein Angebot von Steve Harris - Bassist, Bandkopf und Gründer von "Iron Maiden". Dickionson sollte als neuer Sänger bei der Heavy Metal Band einsteigen. Damit trat er in die Fußstapfen von Paul Di'Anno, der "Iron Maiden" zuvor mit seinem rauen und kraftvollen Gesang geprägt hatte.

Die Band - Adrian Smith, Dave Murray, Steve Harris, Bruce Dickinson und Clive Burr - sitzt auf dem Reading Rock Festival in London 1982 auf Klappstühlen vor einem Zelt (picture-alliance/dpa)

Die Band - Adrian Smith, Dave Murray, Steve Harris, Bruce Dickinson und Clive Burr - auf dem Reading Rock Festival in London 1982

Stimme wie eine Sirene

Mit Bruce Dickinson änderte sich der Ton der Band gewaltig: Seine Stimme zeichnet sich einerseits durch eine tiefe Stimmlage und anderseits durch den ausgeprägten Einsatz des Kopfregisters aus. Live setzt der Rocker gerne auf Delayeffekte, eine verzögerte Wiedergabe von Tönen, die einen echoähnlichen Klang erzielen. Seine Stimme verschaffte ihm deutlichen Wiedererkennungswert und den Spitznamen "Air Raid Siren" (Fliegeralarmsirene).

Mit Dickinson folgten schnelle Erfolge und mit dem Album "The Number of the Beast" im Jahr 1982 der weltweite Durchbruch. Nicht selten thematisierte die Band in ihren Songs konkrete historische Ereignisse oder wählte literarische Werke als Vorlage für ihre Textzeilen.

Während einer Tournee-Pause der Band schrieb Dickinson den Soundtrack des Films "Nightmare on Elm Sreet 5 – Das Trauma". Daraufhin erhielt er ein Angebot für ein Soloalbum. Im August 1993 gab er schließlich seinen Ausstieg von "Iron Maiden" bekannt.

Konzert trotz Lebensgefahr

Von nun an feilte Dickinson als Solo-Künstler an seiner Musik. Im Dezember 1994 befand er sich auf dem Höhepunkt seiner Solo-Karriere, der in die Musikgeschichte eingegangen ist: Inmitten des Bosnienkrieges (1992-1995) reiste Dickinson für ein Konzert nach Sarajevo. Dass er sich durch diese Aktion in Lebensgefahr brachte, war dem Künstler mehr als bewusst. Doch sein starker Wille, den Menschen durch seine Musik Kraft zu schenken und ihnen Mut zu machen, überwog. In einer waghalsigen und dramatischen Aktion machte er sich auf den Weg nach Sarajevo. An Board eines LKW wurde der Sänger in die Stadt geschleust - ohne Schutzweste, ohne Helm, mitten durch das Kriegsgebiet.

Bruce Dickinson performt bei seinem Konzert in Sarajevo (Milomir Kovacevic- Strašni)

Das wahrscheinlich gefährlichste und gleichzeitig prägendste Konzert seiner Karriere

Der Beginn eines zweiten Lebens

Nicht einmal fünf Jahre später wendete sich 1999 das Blatt erneut: Bruce Dickinson kehrt zurück zu "Iron Maiden". Seither rockt er wieder als Frontmann der Band sämtliche Bühnen in aller Welt.

Viele erfolgreiche, rockige Jahre folgten. Bis zum Dezember 2014. Denn in diesem Winter erhielt der damals 56-Jährige eine einschneidende Diagnose: Krebs. Ausgerechnet in Hals und Zunge. Doch anstatt sich davon unterkriegen zu lassen, stürzte sich Dickinson mit Mut und Energie in die anstehende Therapie: Eine siebenwöchige Krebsbehandlung, die im Mai 2015 erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Krebs war besiegt. Für Dickinson der Anfang eines zweiten Lebens. 

Ungebremster Lebensmut und Experimentierfreude

Wie neu geboren und so quicklebendig wie nie zuvor kehrt Dickinson zurück - auf die Bühne, ins Cockpit, vor die Kamera, an den Degen. Denn neben der Musik ist Dickinson begeisterter Fechter, Bierbrauer seiner eigenen Marke "Trooper", Radiomoderator und Unternehmer. Eigentlich ein Universalgenie mit unzähligen Fassetten.

Sicherlich ist das auch seinem gesunden Lebensstil zu verdanken. In einem Fernsehinterview erzählte Dickinson, dass er mal ein paar Bier mit seiner Band trinken würde, jedoch während seiner gesamten Karriere noch nie Alkohol- oder Drogenexzessen zum Opfer gefallen sei. Im Gegensatz zu anderen Weltstars. Hinzu komme, dass er während seiner Erkrankung seinen Geschmackssinn verloren habe und alles zurückgekehrt sei, bis auf das Schmecken von Zucker. 

Sein neuer Lebensmut war nicht zu bremsen und so folgte im Herbst 2017 eine Autobiografie: "Bruce Dickinson: What does this button do?". Mit viel Selbstironie, teilweise voller Galgenhumor, gibt er tiefe Einblicke in seine Kindheit und Jugend, seine ersten Berührungen mit der Musik und auch in die schweren Zeiten seiner Krebserkrankung. 

Als Grund für seinen Lebensmut beschreibt er in einer Euromaxx-Reportage der Deutschen Welle: "Ich dachte nicht daran, ob ich irgendwann wieder singen könnte - was mich überraschte. Mir wurde klar, dass ich das Leben liebte - mehr als alles andere." Damit meinte er sicherlich nicht nur sein Berufsleben, sondern auch besonders sein Privatleben. Davon lässt der Musiker allerdings nicht viel an die Öffentlichkeit gelangen. Von 1983-1987 war er mit Jane Dickinson verheiratet, von 1990 bis heute mit Paddy Bowden, mit der er drei Kinder hat: Austin, Griffin und Kia Michelle Dickinson.

Jetzt, mit 60. Jahren, wirkt Bruce Dickinson jünger, agiler und frischer denn je. Mit seiner jugendlichen Art und Experimentierfreude zieht das Universalgenie nicht nur Heavy Metal Fans in seinen Bann. Ob er zu seinem Geburtstag mit einem selbstgebrauten Bier seiner Marke "Trooper" anstößt und ihm seine Bandkollegen ein Ständchen singen - darüber lässt sich nur spekulieren.

Video ansehen 04:11
Jetzt live
04:11 Min.

Iron Maidens Frontmann ganz privat

(mit screamforme.com, dpa, euromaxx, zeit.de, focus.de, sat1)

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