RKI-Experte: Deutschland droht exponentielles Wachstum | Aktuell Deutschland | DW | 16.03.2021
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Corona-Pandemie

RKI-Experte: Deutschland droht exponentielles Wachstum

Die Zahl der Neuinfektionen ist erneut gestiegen. Dem Robert Koch-Institut (RKI) bereitet diese Entwicklung Sorge. RKI-Epidemiologe Dirk Brockmann sieht das Infektionsgeschehen wieder in einem exponentiellem Wachstum.

Dirk Brockmann

Dirk Brockmann, Epidemiologe beim Robert Koch-Institut (Archivbild)

Bei der Entwicklung der Fallzahlen und Inzidenzen gebe es derzeit im Wesentlichen einen Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, sagt Dirk Brockmann, Experte des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. "Wir sind genau in der Flanke der dritten Welle. Da gibt es gar nichts mehr zu diskutieren." In diese Flanke herein sei gelockert worden und das habe dieses exponentielle Wachstum beschleunigt, das es bereits durch die neue britische Virusvariante B117 gegeben habe. Deutschland gehe nun "voll in das exponentielle Wachstum" rein, betonte Brockmann im ARD-Fernsehen. "Das ist irrational gewesen, hier zu lockern. Das befeuert nur dieses exponentielle Wachstum," kritisierte der Epidemiologe die Beschlüsse der Politik.

Beratungen über weitere Impfstrategie verschoben

Um die Zahl der Neuinfektionen schneller und deutlicher zu senken, wollten sich Vertreter von Bund und Ländern eigentlich am Mittwoch zu einer Konferenz zum Thema Impfen zusammenschalten. Doch die Konferenz wird nach Angaben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf Freitag verschoben. Demnach soll zunächst die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zum weiteren Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca abgewartet werden.

Deutschland Impfgipfel im Bundeskanzleramt

Ohne Impfstoff keine Schalte mit Merkel und Ministerpräsidenten (Archivbild)

Der Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs war am Montag in Deutschland und zahlreichen weiteren europäischen Ländern ausgesetzt worden. Grund dafür sind einzelne Fälle von Thrombosen der Hirnvenen nach Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers. Um die auch schon vorher schleppende Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, sollte es der Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder auch um die stärkere Einbeziehung der Hausärzte gehen. In den Praxen sollte dabei insbesondere der Impfstoff von Astrazeneca zum Einsatz kommen, da dieser dort auch gelagert werden kann.

Inzidenz von 59 auf knapp 84 gestiegen 

Laut RKI ist die Zahl der aktuell gemeldeten Corona-Neuinfektionen mit 5480 binnen einer Woche um mehr als 1000 gestiegen. Am Dienstag vor genau einer Woche wurden 4252 Neuinfektionen gemeldet und somit 1228 weniger. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 238 weitere Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag nach Angaben des Institutes bundesweit bei 83,7.

Vor etwa vier Wochen, am 16. Februar, hatte die Inzidenz noch bei 59 gelegen. Die Zahl der neuen Ansteckungen in Deutschland war im Januar und Februar über Wochen deutlich zurückgegangen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.581.329 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit dem Virus gestorben sind, stieg auf 73.656.

bri/kle (ard, rtr, dpa)