Ringen bleibt olympisch | Sport | DW | 08.09.2013
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Sport

Ringen bleibt olympisch

Die älteste olympische Sportart bleibt auch zukünftig im Olympiaprogramm. Nach dem vorläufigen Aus im Februar entscheidet das IOC nun für die Ringer - dank guter Lobbyarbeit und schneller Reformen.

Das olympische Schwergewicht Ringen ist dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit noch einmal entgangen. 208 Tage nach dem weltweit kritisierten vorläufigen Ausschluss wählten die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die älteste Kampfsportart der Welt auf ihrem Gipfel in Buenos Aires wieder ins Programm für die Sommerspiele 2020 und 2024. Die beiden Konkurrenz-Sportarten Squash und Baseball/Softball bleiben damit außen vor. Die Ringer setzten sich im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 49 Stimmen durch - und können aufatmen.

"Die Ringerinnen und Ringer auf der ganzen Welt sind erleichtert, dass ihr ganz persönlicher Traum von Olympia als stärkster Motivationsfaktor erhalten bleibt und feiern die Entscheidung begeistert", sagte Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB). "Unser Kampf hat sich gelohnt."

Weltweite Solidarität

Ein Kampf, der am 12. Februar begonnen hatte, nachdem die IOC-Exekutive die Traditionssportart, die nur im Jahr 1900 nicht zum olympischen Programm gehört hat, zunächst aus dem Kreis der Kernsportarten geworfen hatte. Der Grund waren damals eklatante Missstände im Weltverband FILA und die vermeintlich fehlende Attraktivität des Ringens für die Zuschauer. Was folgte, war ein weltweiter Aufschrei der Entrüstung und eine Welle der Solidarität. Unter anderem setzten sich sogar die politischen Gegner USA, Iran und Russland in einer seltenen Allianz für die Ringer ein. Ringer aus den USA und dem Iran warben in einem aufsehenerregenden Schaukampf im New Yorker Bahnhof Grand Central für ihre Sache. Der zweimalige Olympiasieger Armen Nasarjan aus Bulgarien trat in seiner Verzweiflung sogar in den Hungerstreik.

Ringen Schaukampf zwischen USA und Iran im New Yorker Bahnhof Grand Central Station (Foto: dpa)

Ungewöhnlicher Schaukampf: Iraner und US-Amerikaner kämpften gemeinsam für ihren Sport

Daneben schafften es die Ringer, schnell die geforderten Reformen einzuleiten: FILA-Präsident Raphael Martinetti aus der Schweiz wurde umgehend seines Amtes enthoben. Sein Nachfolger, der Serbe Nenad Lalovic, verordnete der FILA in Rekordzeit ein drastisches Reformprogramm. Er installierte eine Athleten-Kommission, vergab Führungspositionen an Frauen, änderte das komplizierte Regelwerk und machte die Sportart telegener. Sogar IOC-Vize Thomas Bach stand dem neuen Führungsteam mit seinem Rat zur Seite.

Reformen werden fortgesetzt

Nenad Lalovic, President der FILA (Foto: dpa)

FILA-Präsident Lalovic: "Wir machen weiter"

In Buenos Aires rechtfertigte der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge, der den Warnschuss gegen die Ringer forciert hatte, die Entscheidung der Exekutive auf Nachfrage aus dem Mitglieder-Plenum noch einmal entschieden. "Ringen wurde nicht ausgeschlossen, sondern mit zwei anderen Sportarten auf den Prüfstand gestellt", erklärte der Belgier. "Aus den Diskussionen habe ich erkannt, dass der Zustand im Ringer-Weltverband nicht optimal war. Wir mussten konsequent handeln."

"Wir haben Ringen zu der würdigen olympischen Sportart gemacht, die sie sein sollte", sagte Lalovic in der letzten Präsentation kurz vor der Wahl vor den IOC-Mitgliedern, die ihm danach noch einmal intensiv auf den Zahn fühlten. Lalovic musste sich mehr als eine halbe Stunde lang rechtfertigen. Die Reformen in der FILA will er nach dem Befreiungsschlag fortsetzen: "Wir werden weitermachen. Buenos Aires ist nur der erste Schritt."

Das sieht Manfred Werner genauso. "Nun geht es darum, die in den letzten Monaten angestoßenen Reformen auch konsequent umzusetzen. Der DRB sieht das Ganze als Weckruf", sagte der DRB-Boss: "Denn eine Sportart wie Ringen, die zwar von Anfang an olympisch war, heute aber nicht immer im Zentrum der Berichterstattung und eines breiten Publikumsinteresses steht, sollte sich nie mehr in einer falschen Sicherheit wiegen. Es geht darum, dauerhaft attraktiv und reformwillig zu sein, ohne den Kern der Sportart zu verwässern."

asz/sw (dpa, sid)

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