Rettungstaucher: Besser trocken und versorgt in Dunkelheit überleben als ein Risiko eingehen | Wissen & Umwelt | DW | 06.07.2018
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Wissen & Umwelt

Rettungstaucher: Besser trocken und versorgt in Dunkelheit überleben als ein Risiko eingehen

Der britische Rettungstaucher Gary Mitchell kennt die Höhle, in der die thailändischen Jugendlichen nach starken Regenfällen gefangen sind. Im DW-Interview erklärt er, warum eine Rettung so lange dauert.

Deutsche Welle: Warum ist ein Rettungsversuch so gefährlich?

Jeder Versuch, einen Nicht-Taucher tauchend durch diese langen Höhlen zu bringen, ist eine wirklich ernsthafte Angelegenheit. Es gibt mehrere Stellen auf dem Weg, wo man an der Oberfläche Luft holen kann, aber die Gesamtlänge der überfluteten Passage ist etwa einen Kilometer lang. Es ist also ein riesiges Unterfangen für jeden, auch für wirklich erfahrene Taucher. Und die Jungs und ihr Trainer sind wahrscheinlich zuvor noch nie getaucht.

Was können die thailändischen Behörden tun ?

Wir wissen, dass die thailändischen Kollegen nicht viel Erfahrung im Höhlentauchen haben. Es ist eine Sportart, die weltweit nicht so sehr verbreitet ist. Es gibt einfach nicht so viele Höhlentaucher. Die Behörden sind wirklich gut ausgerüstet und haben auch eine hervorragende technische Ausstattung. Aber die ist eben nicht speziell fürs Höhlentauchen.

Die thailändischen Marinetaucher, sogenannte Navy Seals, arbeiten mit den Rettungsdiensten zusammen. Sie sind aber hauptsächlich an das Tauchen im Meer gewöhnt. Das Terrain in einer Höhle ist etwas ganz anders. Die Sicht beträgt nur etwa einen Fuß (30 Zentimeter). Alles spielt sich auf engstem Raum ab, und es gibt alle möglichen unterirdischen Hindernisse. Auch damit muss man klar kommen. 

Wie schwierig wäre ein Rettungstauchgang?

Wir wissen von unserem eigenen Rettungsteam, dass es ein anspruchsvoller Tauchgang wird. Es sind lange überflutete Passagen. Man muss etwa anderthalb Stunden tauchen. Zwischendurch muss man Pausen einlegen, die Luftflaschen wechseln und so weiter.

Infografik Rettungsaktion in Thailand Höhle DE

Was ist das größte Risiko?

In den Bereichen der Passage, die völlig überflutet sind, kann man nicht einfach mal an die Wasseroberfläche kommen. Zwar gibt es Bereiche mit Lufteinschlüssen, aber insgesamt ist von den etwa zwei Kilometern Strecke, die die Kinder zurücklegen müssen, etwa ein Kilometer geflutet. Die Kinder konnten zunächst  in größere, trockene Bereiche gebracht, gewärmt, gepflegt und getröstet werden. Und wir wissen, dass die thailändischen Behörden nach weiteren Möglichkeiten suchen, um zu helfen.

Wie schnell könnte man die Kinder herausholen - realistisch betrachtet?

Wenn es vier Monate lang weiter regnet, ist es nicht sehr wahrscheinlich, mit den Kindern aus der Höhle hinaustauchen zu können. Die Strömungen unter der Erde sind stellenweise sehr stark. Intensive Regenfälle haben unseren Jungs die Arbeit mehrere Tage lang erschwert. Deshalb konnten sie lange nicht tiefer in die Höhle vordringen.

Natürlich können und werden wir das Leben der Kinder nicht riskieren, nur um sie schnell herauszuholen. Dann ist es besser, sie erst einmal warm und gut versorgt in der Höhle zu lassen, anstatt sie zu gefährden. Das ist im Moment fast der sicherste Ort für sie.

Gary Mitchell ist stellvertretender Vorsitzender des British Cave Rescue Council, der an den Such- und Rettungsaktionen in Thailand beteiligt ist.

Das Interview führte Max Zander

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