Renommierter Fotograf in China verschwunden | Aktuell Asien | DW | 28.11.2018
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Menschenrechte

Renommierter Fotograf in China verschwunden

Der bekannte chinesische Fotograf Lu Guang ist nach Angaben seiner Frau vor fast vier Wochen bei einer Reise in die Unruheprovinz Xinjiang verschwunden. Lu Guang soll Berichten zufolge festgenommen worden sein.

Lu Guang gilt als einer der bekanntesten Fotografen Chinas, lebt aber mit seiner Familie in New York. Er wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem World Press Photo Award und mit dem deutschen Henri-Nannen-Preis. Nach Angaben seiner Frau, Xu Xiaoli, war er als Tourist nach Xinjiang gereist, um sich mit Fotografen zu treffen und Seminare zu geben. Am Abend des 3. November sei der Kontakt zu ihrem Mann in der Provinzhauptstadt Urumqi abgebrochen, sagte Xu in New York. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.  Lu hatte demnach vor, am 5. November weiter in die Provinz Sichuan zu reisen, um einen Freund zu treffen. Dort kam er aber nie an.  

Sie habe erfahren, dass ihr Mann von der chinesischen Staatssicherheit festgenommen worden und in die Stadt Kashgar gebracht worden sei, schrieb Xu im Onlinedienst Twitter. Die Behörden in Lus Heimatstadt Yongkang in der Provinz Zhejiang hätten ihr diese Angaben bestätigt. "Ich bin äußerst besorgt und hoffe, dass er so bald wie möglich sicher nach Hause zurück kommt", so Xu.

Die Polizei in Yongkang sagte auf Anfrage von AFP, sie habe keine Informationen über den Fall. Eine Anfrage bei der Propagandabehörde in Xinjiang blieb unbeantwortet. 

Unterdrückung der Uiguren

Die Provinz Xinjiang im äußersten Nordwesten Chinas ist die Heimat der muslimischen Minderheit der Uiguren. Die Uiguren klagen seit Jahren gegen Unterdrückung, bei Unruhen gab es hunderte Tote. Peking begründet die harten Sicherheitsmaßnahmen in Xinjiang mit dem Kampf gegen Terrorismus und Unabhängigkeitsbestrebungen.

Nach Schätzungen der UNO werden bis zu eine Million Uiguren und andere turkstämmige Muslime in Internierungslagern festgehalten und politisch indoktriniert. Ausländische Journalisten werden in Xinjiang häufig von der Polizei verfolgt und festgenommen, um Berichte über die Lager und den Umgang mit den Uiguren zu verhindern.

Lu hat in seiner 25-jährigen Karriere vor allem die dunkle Seite des Wirtschaftswachstums und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen in China dokumentiert. Auf seinen Bildern hielt er Umweltverschmutzung, die Ausbeutung von Arbeitern, von Aids geplagte Dörfer und den illegalen Import von afrikanischem Holz fest.

"Das fotografische Gewissen Chinas"

Nach dem Verschwinden des chinesischen Fotografen Lu Guang haben Menschenrechtler seine sofortige Freilassung verlangt. "Wir sind in akuter Sorge um das Leben von Lu Guang", sagte Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Lu Guang ist das fotografische Gewissen Chinas", sagte Delius. Wegen seiner Arbeit sei er auch häufig bedroht worden.

Die GfbV befürchtete, dass die Verhaftung des Fotografen mit der dramatischen Verschlechterung der Menschenrechtslage in Xinjiang zusammenhängt. Journalisten werde es immer schwerer gemacht, in Xinjiang zu recherchieren und zu fotografieren. 
Xinjiang gilt wegen der Spannungen zwischen den Uiguren und den Han-Chinesen schon lange als Konfliktherd. Nach blutigen Unruhen 2009 und einer Reihe von Terroranschlägen greifen die Sicherheitskräfte hart durch. 

ni/fab (afp, rtr, dpa)

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