Rekordanstieg bei Corona-Neuinfektionen | Aktuell Deutschland | DW | 10.11.2021
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Corona-Pandemie

Rekordanstieg bei Corona-Neuinfektionen

Das Robert Koch-Institut verzeichnet fast 40.000 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Wissenschaftler fordern eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 39.676 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut RKI  bei 232,1. Sie hat damit den dritten Tag in Folge einen Höchstwert erreicht. Bereits am Montag (201,1) und Dienstag (213,7) hatte es Rekorde bei den tagesaktuell vom RKI berichteten Inzidenzen gegeben. Vor einer Woche hatte der Wert bei 146,6 (Vormonat: 66,1) gelegen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 236 Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 4,31 an (Montag: 3,93). Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 96.963.

Warnung vor 100.000 weiteren Corona-Toten 

Angesichts des deutlichen Anstiegs der Neuinfektionen erwartet der Virologe Christian Drosten einen sehr anstrengenden Winter und hält auch neue Kontaktbeschränkungen für denkbar. "Wir haben jetzt im Moment eine echte Notfallsituation", sagte der Leiter der Virologie in der Berliner Charité angesichts der Lage auf den Intensivstationen im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update". "Wir müssen jetzt sofort etwas machen." 

Deutschland Virologe Christian Drosten

Christian Drosten hält aktuelle Schutzmaßnahmen für unzureichend

Würde man jetzt nicht mit härteren Maßnahmen reagieren, sieht Drosten angesichts der Erfahrungen in England mit einer ähnlich hohen Impfquote, aber deutlich mehr natürlichen Ansteckungen und Toten auch auf Deutschland bis zu 100.000 weitere Todesfälle zukommen. Er betont: "Das ist eine konservative Schätzung."

Dabei müsse man auch Maßnahmen diskutieren, "die wir eigentlich hofften, hinter uns zu haben", sagte Drosten. "Wir müssen also jetzt die Infektionstätigkeit durch Kontaktmaßnahmen wahrscheinlich wieder kontrollieren - nicht wahrscheinlich, sondern sicher." Er schränkte allerdings auch ein, dass es juristisch schwer sein könnte, breite allgemeine Kontaktmaßnahmen durchzusetzen. Maßnahmen wie 3G - also Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete - oder selbst 2G reichten vermutlich nicht aus, um angesichts der Delta-Variante die Zahl der Infektionen genug zu senken. 

Wissenschaftler fordern Impfpflicht 

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert weitergehende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Nötig seien jetzt "Impfpflichten für Multiplikatoren", sagte Leopoldina-Präsident Gerald Haug dem "Spiegel". Dies seien nicht nur Pflegerinnen und Pfleger, sondern auch Lehrpersonal und weitere Berufsgruppen mit viel Kontakt zu anderen Menschen.

Die 2G-Regel, wonach nur geimpfte oder genesene Menschen Zutritt zu Veranstaltungen bekommen, solle "eine größere Geltungsreichweite" erhalten, forderten Haug und die Leopoldina-Forscherinnen und -forscher weiter. In der Arbeitsschutzverordnung solle zudem "eine angemessene Regelung zur Offenlegung des Impfstatus" von Beschäftigten festgeschrieben werden. Bislang dürfen Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Beschäftigten nicht erfragen.

Die Forderungen der Leopoldina gehen deutlich über die Pläne der Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP hinaus, über die am Donnerstag im Bundestag beraten werden soll. Darin ist etwa eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen nicht vorgesehen, die Ausweitung von 2G-Regeln soll weitgehend den Ländern überlassen werden.

Nur noch BioNTech-Impfstoff für unter 30-Jährige

Unterdessen hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Impfempfehlungen aktualisiert. Danach sollten unter 30-Jährige nur noch mit dem Vakzin der Partner BioNTech und Pfizer geimpft werden.

Kinder Jugendliche Impfung Corona

Stiko: Unter 30-Jährige sollten sich BioNTech-Impfstoff verabreichen lassen

Aktuelle Daten zeigten, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei jungen Menschen unter 30 Jahren nach der Impfung mit dem Impfstoff von Moderna häufiger beobachtet wurden als mit dem Wirkstoff von BioNTech, begründete die beim Robert-Koch-Institut angesiedelte Stiko ihre aktualisierte Empfehlung.

Für über 30-Jährige bestehe nach der Impfung mit dem Moderna-Vakzin hingegen kein erhöhtes Risiko für eine Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung. Schwangeren solle unabhängig vom Alter bei einer Impfung der BioNTech-Wirkstoff angeboten werden. 

bri/pg (dpa, ndr, afp, rtr)

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