Reisen trotz Corona - Was geht noch? | DW Reise | DW | 03.12.2020
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Tourismus

Reisen trotz Corona - Was geht noch?

Der erneute Lockdown in weiten Teilen Europas trifft den Tourismus hart. Es gibt nur noch wenige Möglichkeiten für jene, die nicht aufs Reisen verzichten wollen.

Deutschland verlängert seinen Teil-Lockdown bis zum 10. Januar. Das betrifft auch den Tourismus. Die Hotels in Deutschland bleiben für touristische Übernachtungen geschlossen; Urlaub im Inland ist daher nicht möglich. Auch die Alternativen in Europa werden immer geringer. 

Nur für ganz wenige Regionen spricht das Auswärtige Amt in Berlin derzeit keine Reisewarnung aus, etwa für die Kanarischen Inseln, die griechische Insel Kreta oder die zu Portugal gehörende Insel Madeira. Eine aktuelle Übersicht über die Risikogebiete gibt auch die Risikoliste des Robert-Koch-Instituts.

Neue Regeln für Rückkehrer aus Risikogebieten

Für Einreisende aus Risikogebieten gelten seit 8. November neue Quarantäne-Regeln für Deutschland: Die Pflichtquarantäne reduziert sich von 14 auf zehn Tage. Sie kann verkürzt werden, wenn der oder die Betroffene frühestens ab dem fünften Tag nach der Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen können. Allerdings kann jedes Bundesland eigene Einreiseregeln beschließen. Außerdem müssen sich Rückkehrer aus Risikogebieten online unter www.einreiseanmeldung.de anmelden. Die neue Web-Anwendung ersetzt die bisherigen Aussteigekarten in Papierform.

EU-Corona-Ampel

Um Reisenden in Europa einen besseren Überblick über das Corona-Infektionsgeschehen und mögliche Beschränkungen zu verschaffen, hat dieEU eine Corona-Ampel eingeführt. Danach wird die EU in grüne, orange und rote Zonen eingeteilt. Hinzu kommt noch die Farbe grau für Regionen, aus denen nicht genug Daten vorliegen. Auf dieser Karte ist mittlerweile fast ganz Europa rot eingefärbt. Lediglich Island, Irland, weite Teile Norwegens und Finnlands sowie die Kanarischen Inseln sind gelb markiert. Die Farbe grün sucht man vergeblich (Stand: 26. November).

Hier ein Überblick über einige der wichtigsten Reiseländer Europas:

Österreich

Österreich macht seine Grenzen über Weihnachten und Neujahr praktisch dicht. Für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten gilt vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine
zehntägige Quarantänepflicht. Davon betroffen sind alle Nachbarstaaten, auch Deutschland. 

Berge, Lifte und Skifahrer, Österreich Ischgl | Wintersportzentrum | Silvretta Arena

Derzeit wird heftig diskutiert: Wann beginnt die Saison in Ischgl und den anderen Skigebieten?

Alle Gaststätten und Hotels müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Die Lifte
in den Skigebieten dürfen ab dem 24. Dezember öffnen - und können somit im Wesentlichen von Einheimischen genutzt werden. Am 6. Dezember endet der landesweite Lockdown, Geschäfte und die Museen können wieder öffnen.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat das gesamte Nachbarland zum Risikogebiet erklärt, mit Ausnahme des Kleinwalsertals und der Gemeinde Jungholz mit zusammen gut 5000 Einwohnern. Beide Exklaven sind auf der Straße nur von Deutschland aus erreichbar. 

Spanien

Das Auswärtige Amt hat für ganz Spanien - mit Ausnahme der Kanarischen Inseln - eine Reisewarnung ausgesprochen. Eine Reise nach Teneriffa oder Gran Canaria ist also möglich. Allerdings müssen einreisenden Touristen aus Risikogebieten in ihren Hotels einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. 

Auf dem spanischen Festland bleibt die Lage sehr ernst. Der nationale Notstand wurde bis Mai 2021 verlängert. Er umfasst u.a. ein nächtliches Ausgehverbot zwischen 23 Uhr und sechs Uhr morgens. In den Regionen kann je nach Lage von diesen Zeiten leicht abgewichen werden. Die Regionen entscheiden auch, ob sie touristische Einreisen erlauben oder nicht.

Spanien Kanarische Inseln Tourismus Teneriffa

Zählt nicht als Risikogebiet: die kanarische Insel Teneriffa

Generell gilt: Vor der Einreise muss ein Online-Formular ausgefüllt werden, dann erhält man einen QR-Code, der bei der Einreise per Flugzeug vorzuweisen ist. Einreisende aus Corona-Risikogebieten - und dazu zählt aktuell auch Deutschland - müssen ab dem 23. November in ganz Spanien einen negativen PCR-Test vorweisen. Der Test darf nicht älter als 72 Stunden sein. Diese Verpflichtung gilt nicht bei Einreise auf dem Landweg.

Frankreich

Frankreich hatte einen der härtesten Lockdowns in Europa angeordnet, und das hat sich ausgezahlt. Ab 28. November wird das strenge Ausgangsverbot gelockert. Kinos, Theater und Museen sollen am 15. Dezember wieder öffnen; auch ist den Franzosen dann das Reisen innerhalb ihres Landes wieder erlaubt. Allerdings bleiben Restaurants, Bars und Sportstudios noch mindestens bis zum 20. Januar geschlossen.

Die Einreise aus Deutschland ist generell möglich, das Auswärtige Amt aber hat Frankreich als Risikogebiet eingestuft und warnt vor touristischen Reisen bzw. rät von ihnen ab. Das gilt auch für die französischen Überseegebiete. 

Griechenland

Die griechische Regierung hat einen Lockdown für das ganze Land verfügt, der vorerst bis zum 30. November gilt. Alle Läden außer Supermärkte, Apotheken und anderen lebenswichtigen Geschäften sind geschlossen. Außerdem gilt von 21 bis 5 Uhr eine allgemeine Ausgangssperre. Auch tagsüber darf man seine Wohnung nur noch mit triftigem Grund verlassen. Im ganzen Land gilt Maskenpflicht, auch im Freien.

Die Hotels allerdings dürfen geöffnet bleiben, über die tatsächliche Öffnung entscheiden die Betriebe selbst.

Das Auswärtige Amt hat für weite Teile Griechenlands eine Reisewarnung ausgesprochen, davon ausgenommen sind derzeit die Peloponnes, die Ionischen Inseln mit Korfu, Kreta sowie die südliche Ägäis (Stand: 27. November)

Griechenland Parthenon in Athen

Auch die Akropolis in Athen kann derzeit nicht besichtigt werden

Die Einreise nach Griechenland ist nur noch mit einer Bescheinigung über einen negativen PCR-Test eines anerkannten Testlabors aus dem Abreiseland mit begleitender Diagnose in englischer Sprache unter Nennung von Name, Adresse und Pass/Personalausweisnummer möglich, der nicht älter als 72 Stunden sein darf.
Für alle Einreisen auf dem See-, Luft- und Landweg gilt zudem eine Online-Anmeldepflicht.

Italien

Die Einreise aus Deutschland ist noch ohne Einschränkungen möglich, gleichwohl die Bundesregierung ganz Italien zum Corona-Risikogebiet erklärt hat.

Die Regierung in Rom hat das Land in drei Covid-19-Gefahrenzonen aufgeteilt. Vor allem Norditalien ist von besonders strengen Schutzmaßnahmen betroffen. Zu roten Zonen erklärte die Regierung unter anderem die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand, das Piemont mit der Metropole Turin, das Aostatal und das süditalienische Kalabrien.

In diesen vier Regionen wurde eine Ausgangssperre verhängt. Die Menschen dürfen ihre Wohnung nur noch verlassen, wenn sie zur Arbeit oder zum Arzt müssen oder einen anderen wichtigen Grund haben. Alle Restaurants und Bars sind geschlossen. Die Maßnahmen gelten zunächst bis 3. Dezember. 

Auch in den Städten und Regionen der gelben und orangefarbenen Zonen ist mit beträchtlichen Einschränkungen zu rechnen.

In Italien sind alle Theater, Kinos, Sportzentren und Museen geschlossen. Im ganzen Land gilt eine nächtliche Ausgangssperre, der Mund-Nasen-Schutz ist auch im Freien zu tragen. 

Schweiz

Auch in der Schweiz steigen die gemeldeten Infektionen wieder. Deshalb wurden die Einreise-Bestimmungen angepasst: Reisende aus weltweit 50 Ländern und Regionen müssen sich in eine zehntägige Quarantäne begeben. Deutsche Staatsangehörige sind davon nicht betroffen, sie können grundsätzlich uneingeschränkt in die Schweiz einreisen.

Allerdings hat das Auswärtige Amt in Berlin die Schweiz zum Risikogebiet erklärt und rät von nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Nachbarland ab.

Niederlande

Wegen dramatisch steigender Neuinfektionen warnt das Auswärtige Amt in Berlin vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Niederlande. 

Van Gogh Museum während der Corona-Krise

Wieder geöffnet: das Van Gogh Museum in Amsterdam

Die Niederlande ihrerseits haben Deutschland zum Risikogebiet erklärt. Reisende aus Deutschland müssen sich in den Niederlanden für zehn Tage in Quarantäne begeben. Die Grenzen zwischen beiden Ländern sind offen, es finden keine Grenzkontrollen statt.

Seit dem 19. November haben die Niederlande ihre harten Lockdown-Bestimmungen wieder gelockert: Kinos, Theater, Museen, Freizeitparks, Zoos, Bordelle, Schwimmbäder etc. dürfen  wieder öffnen. Restaurants, Bars, Cafés bleiben weiterhin geschlossen. Hotels sind geöffnet und dürfen in ihren eigenen Restaurants die Hotelgäste versorgen.

Zwischen 20 Uhr und 7 Uhr dürfen kein Alkohol und Softdrugs verkauft werden. Es ist nicht erlaubt, zwischen 20 Uhr und 7 Uhr Alkohol im Freien mit sich zu führen oder im öffentlichen Raum, wie auf der Straße, zu konsumieren.

Großbritannien

Das Auswärtige Amt warnt aufgrund hoher Infektionszahlen vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Großbritannien, auf die Kanalinsel Jersey und in das Überseegebiet Gibraltar. 

Für Reisende aus Deutschland gilt zwingend ein 14-tägige Quarantänepflicht.

Jeder Landesteil bestimmt zum Teil über eigene Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. 

London Coronakrise Wiedereröffnung Pubs

Ein Foto aus besseren Tagen: Auch in London sind die Pubs zur Zeit geschlossen

In England gilt bis vorläufig 2. Dezember ein Lockdown mit weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Gastronomie bis auf Take-away, Kulturstätten, Sportzentren, Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, lediglich Schulen und Universitäten sind geöffnet. Auch der Handel muss, abgesehen von Supermärkten und anderen als notwendig eingestuften Geschäften, schließen.

Während Wales den Lockdown aufgehoben hat, werden die Maßnahmen in Nordirland ab 27. November noch einmal verschärft: Private Übernachtungen sind verboten. Restaurants und Pubs werden bis auf Lieferservice und Außer-Haus-Verkauf geschlossen. Ein Mund-Nasen-Schutz ist in öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten, Geschäften vorgeschrieben.

In ganz Großbritannien drohen drastische Strafgelder für Verstöße gegen die Corona-Regeln: Das Nichteinhalten der Quarantänebestimmungen wird mit bis zu 10.000 Pfund (11.000 Euro) geahndet. 

Dänemark

Deutschland wird von den dänischen Behörden komplett als COVID-19-Hochrisikoland eingestuft. Einreisen zu rein touristischen Zwecken von Personen mit Wohnsitz in Deutschland sind nicht mehr erlaubt. Auch die Ausnahmeregelung für die Bewohner Schleswig-Holsteins wurde gekippt. An der deutsch-dänischen Grenze werden die Kontrollen wieder verschärft. Ausgenommen von dem Einreisestopp sind Deutsche, die ein Ferienhaus in Dänemark besitzen. 

Das Auswärtige Amt in Berlin hat ebenfalls eine Reisewarnung für Dänemark ausgesprochen.

Tschechien

Das Auswärtige Amt in Berlin hat eine Reisewarnung für ganz Tschechien ausgesprochen. Die Regierung in Prag ihrerseits verbietet die Einreise zu touristischen Zwecken. Geschäfts- und Dienstreisen, Familienbesuche, Reisen aus medizinischen Gründen, zur Wahrnehmung von Behördenterminen und zur Teilnahme an Hochzeiten und Bestattungen sind nur mit negativen PCR-Test und vorheriger Online-Anzeige der Einreise möglich.

Hotels sind für touristische Reisen geschlossen, bleiben aber für Dienstreisen offen.

Portugal

Das Auswärtige Amt in Berlin stuft ganz Portugal als Corona-Risikogebiet ein - mit Ausnahme der Insel Madeira. Auch für die Azoren gilt mittlerweile eine Reisewarnung.

Von portugiesischer Seite gibt es derzeit keine Einreisebeschränkungen für Deutsche. Sie müssen bei Einreise jedoch persönliche Angaben zum Zielort, Reisegrund und ihrer Erreichbarkeit, auch während des Aufenthalts in Portugal, machen. Die mehrsprachige Einreisekarte wird von den Fluggesellschaften einbehalten.

Portugal Botanischer Garten, Funchal, Madeira

Hierhin können Deutsche noch reisen: Madeira, die Insel des ewigen Frühlings

Es wird zudem bei allen Einreisenden die Körpertemperatur gemessen. Sollte die Temperatur 38°C übersteigen, ist mit weiteren Untersuchungen und Maßnahmen der Gesundheitsbehörden, wie Selbstisolation bzw. häuslicher Quarantäne, zu rechnen.

Wer auf die Azoren und nach Madeira reist, muss einen negativen PCR-Test vorgelegen, der nicht länger als 72 Stunden vor Abflug durchgeführt wurde. Davon ausgenommen sind nur Kinder, die 12 Jahre oder jünger sind. Bei einem Aufenthalt von mehr als sieben Tagen soll ein weiterer Test am sechsten Tag nach dem ersten Test erfolgen. Der Reisende muss sich dafür mit der Gesundheitsbehörde seines Aufenthaltsorts in Verbindung setzen.

Risikogebiete weltweit

Am 1. Oktober hat die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung beendet. Jedes Land wird nun vom Auswärtigen Amt wieder einzeln bewertet, es gilt ein einheitliches dreistufiges System:

Reisewarnung

Die Reisewarnung richtet sich ab sofort ganz nach den Infektionszahlen. Ab 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen gilt ein Land oder eine Region als Risikogebiet. Dann wird automatisch auch eine Reisewarnung ausgesprochen.

Die Reisewarnung ist zwar kein Verbot, soll aber eine möglichst große abschreckende Wirkung haben. Das Gute für den Urlauber: Er kann eine bereits gebuchte Reise stornieren, wenn sein Ziel zum Risikogebiet erklärt wird.

Nicht gewarnt, aber abgeraten - die abgeschwächte Reisewarnung

Allerdings gibt es Länder, für die zwar keine Reisewarnung ausgesprochen wird, in die man trotzdem nicht reisen kann. Der Grund: Es gelten dort Einreisebeschränkungen oder Einschränkungen des Flugverkehrs. Generelle Einreisesperren gibt es z.B. in Australien, den USA und China. Für all diese Länder rät das Auswärtige Amt nach den neuen Bestimmungen von Reisen ab.

Ausflugsschiff vor dem Opernahsu von Sydney, Australien

Traumziel Sydney - Deutsche können derzeit nicht nach Australien reisen

Auch die abgeschwächte Reisewarnung kann kostenlose Stornierungen ermöglichen, die Rechtslage ist hier aber nicht so eindeutig wie bei der formellen Reisewarnung. Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin aktualisiert seine Liste der Risikogebiete ständig.

Wenige Ausnahmen

Es bleiben nicht mehr viele Regionen übrig, für die es keine Reisewarnung oder keine abgeschwächte Reisewarnung gibt. Dazu zählen einige Länder Afrikas, wie Namibia, Botswana oder Uganda, auch die vor der Ostküste Afrikas gelegene Inselgruppe der Seychellen. Im Indischen Ozean ist Urlaub auf Mauritius möglich, in der Karibik auf St. Lucia oder Barbados. Auch Thailand empfängt wieder Gäste. Überall gibt es für Urlauber einiges zu beachten: In der Regel müssen bei Einreise negative Covid-19-Testergebnisse vorgelegt werden, in einigen Fällen muss zusätzlich eine Quarantänefrist eingehalten werden, mit Einschränkungen vor Ort muss gerechnet werden. 

Wer dennoch in ein Risikogebiet reist oder erst dort vor Ort von einer neu ausgesprochenen Reisewarnung überrascht wird, muss sich nach der Rückkehr nach Deutschland zehn Tage lang in Quarantäne begeben, kann sich aber ab dem fünften Tag frei testen lassen. Für notwendige Reisen und Berufspendler gibt es Ausnahmen.


dpa/afp/reuters (at/ey/ks)

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