Reina-Anschlag: Mehr als 1000 Jahre Haft für Attentäter | Aktuell Europa | DW | 08.09.2020
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Türkei

Reina-Anschlag: Mehr als 1000 Jahre Haft für Attentäter

39 Menschen starben im Kugelhagel in der Silvesternacht. Rund dreieinhalb Jahre nach dem Anschlag auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" ist jetzt in der Türkei das Urteil gefallen. Das Strafmaß ist drakonisch.

Kerzen vor dem Reina in Istanbul, Türkei (01.01.2017) (Getty Images/AFP/Y. Akgul)

Trauerbekundungen vor dem "Reina" am Neujahrstag

40-mal lebenslange Haft - so lautet das Urteil im Fall des Anschlags auf den Nachtclub Reina. Das Gericht in Istanbul befand den Mann aus Usbekistan für schuldig, vorsätzlich 39 Menschen getötet zu haben. Wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldet, erhielt Abdulkadir Mascharipow für jedes Opfer eine lebenslange Haftstrafe sowie eine für den gesamten Anschlag. Zudem wurde er unter anderem wegen Mordversuchs an 79 Menschen verurteilt. Dafür verhängten die Richter zusätzliche 1368 Jahre Gefängnis.

Der Attentäter hatte in der Silvesternacht 2016/2017 das "Reina" gestürmt. Er eröffnete das Feuer im Nachtklub mit einem automatischen Gewehr, warf Betäubungsgranaten, um nachladen zu können, und schoss auf die Verletzten am Boden.

Abgesperrter Eingang zum Reina in Istanbul (01.01.2017) (Getty Images/AFP/Y. Akgul)

Abgesperrter Eingang zum "Reina" (am 1. Januar 2017)

Mehrere Feiernde sprangen in den nahen Bosporus, um dem Angriff zu entgehen. Unter den Opfern waren Türken, Araber, Kanadier und Inder. Die meisten der Toten waren Ausländer.

Bekenntnis des IS

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) reklamierte das Attentat für sich - als Racheakt für die militärische Verwicklung der Türkei in Syrien. Mascharipow wurde zwei Wochen nach dem Anschlag festgenommen und gestand zunächst die Tat. Während eines Verhörs im Februar 2019 widerrief er jedoch sein Geständnis und beteuerte seine Unschuld. Er sei nicht die Person gewesen, die mit einem Sturmgewehr im Club fotografiert wurde.

Foto des Reina-Attentäters aus der Silvesternacht 2016/2017 (picture-alliance/ZUMAPRESS)

Foto des Attentäters aus der Silvesternacht 2016/17

In seinem Schlusswort vor Gericht plädierte Mascharipow deshalb auch auf Freispruch. Seine ersten Aussagen habe er unter "Folter und Druck" gemacht und es gebe keine ausreichenden Beweise gegen ihn. Es wird erwartet, dass er gegen seine Verurteilung Berufung einlegen wird.

Insgesamt 60 Angeklagte

Sehr lange ins Gefängnis muss auch ein zweiter Mann: Iljas Mamasaripow. Das Gericht hält es für erwiesen, dass er bei der Planung des Angriffs geholfen hat. Mamasaripow wurde zu mehr als 1400 Jahren Gefängnis verurteilt - wegen Beihilfe zum Mord und Mordversuch und wegen Beihilfe zur Verletzung der Verfassung, meldet Anadolu.

Vor Gericht standen laut Anadolu insgesamt 60 Angeklagte. Elf von ihnen wurden in allen Anklagepunkten freigesprochen. Die anderen wurden laut Anadolu wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt. Der Angriff auf das "Reina" war der erste in der Türkei, der direkt vom IS beansprucht wurde. Die Diskothek wurde im Mai 2017 auf Anordnung der Stadtverwaltung von Istanbul wegen Verstoßes gegen die Stadtplanungsvorschriften teilweise abgerissen.

AR/AL (afp, dpa, rtr, ap)

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