Reibeisenstimme aus Großbritannien: Rod Stewart wird 75 | Kultur | DW | 09.01.2020
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75. Geburtstag

Reibeisenstimme aus Großbritannien: Rod Stewart wird 75

Mit Hits wie "Sailing" segelte Rod Stewart ein halbes Jahrhundert lang über den Ozean der Rockmusik. Zwei Krebserkrankungen besiegte der Brite. Nun wird "Rod the Mod" 75 Jahre alt - und sticht wieder in See.

Rod Stewart (Getty Images/I. MacNicol)

Rod Stewart auf dem Weg zum UEFA Champions League-Spiel in Glasgow (2019)

Rod Stewart hat in seiner 50-jährigen Karriere manches Rock'n'Roller-Klischee verkörpert und mitgeprägt. Allzu bieder ist er offenbar auch im Seniorenalter noch nicht geworden: Bei einer Silvesterparty in Florida soll er einen Wachmann geschlagen haben und muss sich nun vor Gericht verantworten.

Das juristische Nachspiel kommt zur Unzeit - denn am 10. Januar wird Roderick David Stewart 75 Jahre alt. Das nun drohende Bußgeld wird die Geburtstagsparty indes nicht gefährden: Die britische Presse schätzt sein Vermögen auf 190 Millionen Pfund - das sind mehr als 220 Millionen Euro.

Der FC Brentford wollte ihn nicht

Sänger Rod Stewart spielt Fußball (picture-alliance/dpa)

Rod Stewart 1999 bei einem Promi-Turnier

Der am 10. Januar 1945 in Highgate nördlich von London geborene Rod Stewart wuchs in einer fußballverrückten Familie auf. Klar, dass er sich auch zunächst mal an einer Fußballkarriere versuchte.

Als 15-Jähriger spielte er zur Probe beim Londoner Club FC Brentford. Doch aus einem Vertrag wurde nichts. Rückblickend ist Stewart froh darüber - und sein Konto beweist, dass er mit der Musik aufs richtige Pferd gesetzt hatte. Schon als junger Musiker hat er erkannt, dass das Leben als Rockstar einfacher ist. In seiner Biografie heißt es: "Musiker dürfen bei der Arbeit saufen, Fußballer nicht."

Statt Fußballer Charts-Stürmer 

Die Band Faces Rod Stewart (vorne in der Mitte) mit seiner Band Faces (rechts neben ihm Ronnie Wood) (picture-alliance/Photoshot)

Rod Stewart (vorne in der Mitte) mit seiner Band "Faces" (rechts neben ihm Ronnie Wood)

Nachdem also aus der Karriere als Profifußballer nichts wurde, sei er in die Musik "geplumpst", schreibt Rod Stewart in seinem Buch. Tatsächlich war dieser "Plumps" ein steiler Aufstieg. Startrampen waren zwei Institutionen des Classic Rock: Zunächst die Jeff Beck Group, dann ab 1969 die Faces an der Seite des späteren Rolling Stone Ron Wood.

Im gleichen Jahr brachte Stewart sein erstes Soloalbum "An Old Rain Coat Won't Ever Let You Down" heraus. Zwei Jahre später landete er mit seinem ersten Megahit "Maggie May" zeitgleich auf Platz eins der britischen und US-amerikanischen Charts

Stilikone "Rod the Mod"

Sänger Rod Stewart mit dem Model Deidre Harrington am Flughafen London (Getty Images/Hulton Archive/Daily Express/Dove)

Rod Stewart mit dem Model Deidre Harrington 1972 in London

Es war der Durchbruch Stewarts als Solomusiker - und als Marke. "Rod the Mod" wurde er bald liebevoll genannt als Pionier der Mod-Subkultur, die der damaligen britischen Musikszene eine sehr spezielle Eleganz beibrachte, wie sie bis heute im Brit-Pop zu beobachten ist - und an den Jacketts von Rod Stewart .

Der Erfolg bescherte Stewart sehr lebhafte 70er Jahre. Er zeigte sich gerne mit schnellen, teuren Autos und an der Seite von Supermodels oder Playboy-Häschen. Bei allen Rockstar-Posen blieb Stewart als Künstler dennoch bescheiden, blieb bewusst ein "Jedermann", wie das Rock-Magazin "Rolling Stone" schrieb.

Mit 75 an der Spitze der Charts

Die 1970er und 1980er-Jahre sind Rod Stewarts erfolgreichste Jahrzehnte. Die Superlative aber hören nicht auf: 1994 gibt er das größte Open-Air-Konzert der Musikgeschichte: An der Copacabana, dem Strand von Rio de Janeiro, tritt er vor dreieinhalb Millionen Menschen auf.

Rod Stewart auf der Bühne (picture-alliance/Gusman/Leemage)

Rod Stewart bei einem Konzert 1972

Bis heute hat Rod Stewart etwa 200 Millionen Tonträger verkauft - und auch das ebbt nicht ab: Ende November kam sein - bisher - letzter Coup: Das Royal Philharmonic Orchestra hat mit Stewart dessen größte Hits neu eingespielt. Auf dem Album "You're In My Heart" sind neben seinen größten Hits wie "Sailing" und "I Don't Want To Talk About It" auch neue Versionen von "The First Cut Is The Deepest", "Waltzing Mathilda (Tom Traubert's Blues)", "Downtown Train" und natürlich "Maggie May" zu hören. Damit schaffte er einen weiteren Rekord: Er kam als ältester männlicher Künstler aller Zeiten an die Spitze der britischen Albumcharts - und blieb dort fünf Wochen lang. Auf dem Albumcover ein Porträt von Sir Roderick - 2016 wurde Stewart zum Ritter geschlagen - als eleganter Spät-Mod mit sorgsam gestrubbeltem Haar.

Rod Stewart wird von Prince Wiiliam zum Ritter geschlagen (picture-alliance/dpa/J.Brady)

Prinz Willliam schlägt Rod Stewart 2016 zum Ritter

Im Herbst 2019 erklärte Stewart, dass er Prostata-Krebs gehabt habe und nun geheilt sei. Er machte es öffentlich, um für die recht einfachen Tests zur Früherkennung zu werben. "Männer, ihr solltet echt zum Arzt gehen", sagte er bei einer Gala. Es war die zweite überstandene Krebserkrankung: Der im Jahr 2000 bei Stewart diagnostizierte Schilddrüsen-Krebs konnte operativ besiegt werden - ohne dass Stewarts Stimme schaden nahm. 

Rod Stewart auf der Bühne (picture-alliance/dpa/P. Bergen)

Rod Stewart 2016 live in Amsterdam: "Singen und alle glücklich nach Hause schicken"

Und nun geht  Ritter Rod, Vater von acht Kindern, wieder auf Tour: ab Februar durch die USA, dann durch Australien. Eine Abschiedstournee soll es ausdrücklich nicht sein. Dafür liebe er seine Arbeit zu sehr, sagte Stewart kürzlich dem "Rolling Stone". "Ich werde dafür bezahlt, dass ich auf eine Bühne gehe, singe und alle glücklich nach Hause schicke". Im Gegensatz zu Fußballspielern: "Sie können Leute unglücklich nach Hause schicken, wenn sie verlieren, aber ich bin in einer Win-Win-Situation."

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