1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Armee erobert Kleinstadt Kusair

5. Juni 2013

Die syrische Armee hat mit Unterstützung von Hisbollah-Kämpfern die strategisch wichtige Rebellenhochburg Kusair unter ihre Kontrolle gebracht. Um die Kleinstadt hatte es seit gut zwei Wochen erbitterte Gefechte gegeben.

https://p.dw.com/p/18jnE
Syrische Soldaten stehen vor dem beschädigten Uhrturm in der Stadt Kusair (Foto: afp/Getty Images)
Syrische Soldaten stehen vor dem beschädigten Uhrturm in der Stadt KusairBild: AFP/Getty Images

Bei der Einnahme der Stadt Kusair an der Grenze zum Libanon seien zahlreiche Rebellen getötet oder festgenommen worden, berichtet das Staatsfernsehen. Die Rebellen gaben an, Regierungstruppen und Hisbollah-Kämpfer hätten Hunderte Menschen getötet. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte die Einnahme der Stadt. Nach einem "intensiven Bombardement" sei es der Armee und der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah in der Nacht gelungen, die Stadt zu erobern. Die Rebellen hätten sich mangels Munition in andere Gebiete zurückgezogen. Demnach dauerten die Kämpfe in den Ortschaften Dabaa und Buweida al-Scharkija an.

Der Iran hat schon gratuliert

Die Stadt hat strategische Bedeutung, weil sie auf einer wichtigen Handels- und Nachschubroute zwischen Syrien und dem Libanon liegt. Zudem befindet sie sich auf dem Weg von Damaskus zu den Küstengebieten, die von den mehrheitlich regierungstreuen Alawiten bewohnt sind. Kusair war rund ein Jahr von den Rebellen kontrolliert worden. Einheiten der Armee und Hisbollah hatten die Stadt seit mehr als zwei Wochen belagert und den Ring um sie immer enger gezogen.

"Wer auch immer Kusair kontrolliert, kontrolliert das Zentrum des Landes; und wer auch immer das Zentrum des Landes kontrolliert, hat die Kontrolle über ganz Syrien", sagte Brigade-General Yahya Suleiman in einem Fernsehbericht. Der Sender zeigte Bilder, wie Soldaten syrische Flaggen mit Fotos von Assad in Schutthaufen rammten.

Die iranische Regierung, die eine enge Verbündete Assads und der Hisbollah ist, gratulierte "der syrischen Armee und dem syrischen Volk" zu dem Sieg über die "Terroristen".

Die Aufständischen hatten zuletzt nach militärischer Unterstützung gerufen und um medizinische Hilfe für Hunderte Verwundete gebeten. Erst am Dienstag hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) erklärt, für die eingeschlossenen Zivilisten werde die Flucht immer schwieriger. Es gebe keinen sicheren Weg nach außerhalb, sagte die UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming in Genf. Die wenigen Einwohner, die aus der westsyrischen Stadt in den vergangenen Tagen in den Libanon gelangt seien, hätten den 100 Kilometer entfernten Zufluchtsort Arsal zu Fuß erreicht. Hauptsächlich seien es Frauen und Kinder, die die Stadt verließen.

Symbol des Siegs: Ein Soldat befestigt eine syrische Fahne auf dem Dach eines Tors in Kusair (Foto: Reuters)
Symbol des Siegs: Ein Soldat befestigt eine syrische Fahne auf dem Dach eines Tors in KusairBild: Reuters

Ausreise für Zivilisten verlangt

Nach unbestätigten Berichten aus Kusair befanden sich dort zuletzt zwischen 700 und 1.500 verletzte Zivilisten. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad verweigert dem Internationalen Roten Kreuz den Zugang in die Rebellenhochburg. Am Montag hatte die für humanitäre Belange zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva eine sichere Ausreise für Zivilisten aus Kusair gefordert. Bereits am Samstag hatte das Internationale Rote Kreuz die Konfliktparteien aufgerufen, Helfer nach Kusair zu lassen und Zivilisten zu schonen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Kriegsparteien auf, die Zivilbevölkerung abziehen zu lassen.

Experten der Europäischen Union berieten in Brüssel über die Einstufung des militärischen Arms der schiitischen Hisbollah-Miliz als terroristische Vereinigung. Das Treffen wurde aus EU-Kreisen bestätigt. Von den 27 EU-Staaten hat laut Diplomaten ein Land - die Niederlande - die Hisbollah komplett als terroristische Vereinigung eingestuft. In Großbritannien steht deren militärischer Arm auf der Terrorliste.

USA schicken Raketen nach Jordanien

Derweil kündigten die USA an, Patriot-Abwehrraketen und Kampfflugzeuge vom Typ F-16 nach Jordanien zu schicken. Die Waffen sollen während einer Militärübung vom 9. bis 20. Juni zum Einsatz kommen, wie US-Regierungsvertreter erklärten. Sie könnten aber auch noch länger in Jordanien bleiben. Die Pläne stießen umgehend auf Kritik aus Russland. Die Regierung in Moskau warf den USA vor, mit den Waffenlieferungen den Bürgerkrieg im benachbarten Syrien anzuheizen. Russland ist ein Verbündeter des syrischen Präsidenten Assad und beliefert dessen Armee mit Rüstungsgütern.

Syrische Armee erobert Kusair

Russland vermutet, dass die USA mit der jüngsten Entscheidung die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien vorbereiten könnten. In dem Bürgerkrieg sind nach UN-Schätzungen mehr als 80.000 Menschen getötet worden.

kle/sti (afp, rtr, kna, dpa)