RB Leipzigs Frühstart: Fluch oder Segen? | Sport | DW | 24.08.2018
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Bundesliga

RB Leipzigs Frühstart: Fluch oder Segen?

Nach einer tollen Debüt-Saison in der Bundesliga litt RB Leipzig zuletzt unter dem "Zweite-Saison-Syndrom". Wegen der Europa League hat RB seine dritte Bundesliga-Saison früh begonnen. Ist das hilfreich oder hinderlich?

Während die Teams, die RB Leipzig in dieser Bundesliga-Saison gerne herausfordern möchte, in der Saisonvorbereitung unterwegs waren, um neue Märkte mit ihrer Anwesenheit zu beehren und viel Zeit hatten, ihre Fitness langsam wieder aufzubauen, musste RB Leipzig - stets begleitet von einer Handvoll Fans - die "Ochsentour" durch die Qualifikation zur Europa League absolvieren. Drei Reisen standen an, nach Schweden, nach Rumänien und in die Ukraine.

Zwischendurch, im DFB-Pokal bei Viertligist Viktoria Köln, war schon zu spüren, dass das keine ideale Saisonvorbereitung war. Die Leipziger konnten nur mit Ach und Krach einen 0:1-Halbzeit-Rückstand in ein 3:1 drehen. Und auch der 2300-Kilometer-Trip zum Auswärtsspiel gegen Sorja Luhansk drei Tage vor dem Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund ist nicht das, was sich die RB-Verantwortlichen gewünscht hätten. So ließ auch das Ergebnis zu wünschen übrig, kamen die Leipziger am Donnerstagabend im Playoff der Europa League trotz personeller Überzahl nicht über ein 0:0 bei FK Sorja Luhansk hinaus.

Ruhepausen für "Vielspieler"

Trotzdem kann Leipzigs Nationalspieler Timo Werner dem frühen Start, der sich durch den sechsten Platz in der vergangenen Bundesliga-Saison ergeben hatte, etwas Positives abgewinnen: "Die Mannschaft ist momentan sehr gut aufgestellt. Wir haben im Vergleich zu einem 'normalen August' mehr Pflichtspiele als üblich bestritten", sagte Werner vor dem 1: 1-Unentschieden gegen Universitatea Craiova, durch das man in die Playoffs einzog. "Die Spieler, die bei der WM dabei waren, holen sich so ihre Fitness für die anstehenden Spiele zurück."

RB Leipzig Ralf Rangnick (picture-alliance/dpa/J. Woitas)

Übernimmt übergangsweise das Traineramt: Ralf Rangnick

Dank der relativ deutlichen Siege in den Hinspielen der beiden ersten Qualifikationsrunden gegen Häcken (4:0) und Craiova (3:1) konnte Trainer Ralf Rangnick sein Team ein wenig rotieren lassen. "Vielspieler" wie Werner, Emil Forsberg, Yussuf Poulsen und Marcel Sabitzer bekamen Ruhepausen, dafür durften sich die Neuverpflichtungen gleich in Pflichtspielen zeigen und bewähren. Der brasilianische Stürmer Matheus Cunha, der vom Schweizer Klub FC Sion kam, ließ sein Können aufblitzen, auch die Neuzugänge Nordi Mukiele und Marcelo Saracchi lassen einiges erhoffen.

Gemischte Erfahrungen für deutsche Frühstarter

Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass frühe Spiele auf europäischer Ebene, die oft in extremer Hitze gespielt werden, den Teams helfen können, wenn sie in der Liga auf Gegner treffen, die seit Mai ohne Pflichtspiel sind. Verallgemeinern kann man das aber nicht. Nachdem Borussia Dortmund vor der Saison 2015/16 in der Europa-League-Qualifikation gespielt hatte, gewann der BVB unter Thomas Tuchel gleich die ersten fünf Ligaspiele, wurde am Ende Vizemeister und erreichte das Pokalfinale. Hertha BSC machte nach den Europa-League-Qualifikationsspielen im Jahr darauf eine ähnliche Erfahrung und gewann die ersten drei Bundesliga-Spiele. In der Saison 2014/15 blieb Mainz, ebenfalls mit Trainer Tuchel, nach dem frühen Start in den ersten acht Ligaspielen ungeschlagen.

Deutschland| RB Leipzig - BK Häcken | Matheus Cunha (picture-alliance/dpa/H. Schmidt)

Macht einen guten Eindruck: Leipzigs Matheus Cunha (2.v.l.)

Aber es geht auch anders: Der SC Freiburg verlor in der vergangenen Saison in der dritten Qualifikationsrunde und hatte anschließend einen erschreckenden Bundesligastart. In den ersten sechs Partien konnte das Team von Christian Streich nicht gewinnen, nur eines der ersten zwölf  Spiele brachte einen Dreier ein. Auch Eintracht Frankfurt, Sechster der Saison 2012/13, und Stuttgart, in der gleichen Spielzeit Verlierer des Pokalendspiels, starteten nach ihren frühen europäischen Abenteuern schlecht in die Liga und schleppten sich durch die Saison.

Nach dem Aus in Europa ging es bergab

Die Lehren aus Leipzigs ersten Auftritten in Europa sind zweigeteilt: Entgegen vieler Erwartungen glänzte Leipzig nach dem Aus in der Champions-League-Gruppenphase und holte prompt 14 von 18 möglichen Punkten in der Liga. Aber im Laufe der Saison, als sie in die K.-o-Phase der Europa-League einzogen, ging es stetig bergab. Am Ende wurde Leipzig nur Sechster, was zur Folge hatte, dass sie in dieser Saison Donnerstags abends ran müssen.

Trotzdem will Rangnick, der die Bullen für eine Saison in Doppelfunktion trainieren wird bis Julian Nagelsmann übernimmt, an allen Fronten kämpfen. "Unser Ziel ist, in dieser Europa-League-Saison weit zu kommen. Aber zunächst mal müssen wir es durch die drei Qualifikationsrunden schaffen. Wir wollen in allen drei Wettbewerben (Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League) so lange wie möglich vertreten sein." So weit, so gut. Aber wenn Leipzig an die Form herankommen will, die sie vor zwei Jahren erstmals nach Europa brachte, dann ist es ein Muss, dass sie in der Anfangsphase der Liga früh durchstarten.

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