Rau und schmutzig: Joan Mirós Wandmalerei | Kunst | DW | 26.02.2016
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Kunst

Rau und schmutzig: Joan Mirós Wandmalerei

Joan Miró zählt zu den bekanntesten spanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist seine Vorliebe für die Wand. Damit befasst sich nun die Frankfurter Ausstellung "Joan Miró: Wandbilder, Weltenbilder".

Die Malerei ermorden – das war das erklärte Ziel des katalanischen Künstlers Joan Miró. Geboren 1893 in einem Dorf bei Barcelona, aufgewachsen auf einem Bauernhof, hegte er eine Leidenschaft für großformatige, monumentale Gemälde - auf Leinwand oder direkt auf einer Wand. Bei Miró wurde die Wand selbst zum Bild - mit all ihrer Struktur, ihrem Schmutz und ihren Schönheitsfehlern. Er hatte ein Faible für Oberflächen und sprengte damit - wortwörtlich - den Rahmen der Kunst und die Regeln der Malerei. Miró wollte seinen Bildern Struktur geben. Dies begann für ihn jedoch nicht erst bei der Bildkomposition, sondern schon mit der Oberfläche: Sie sollte auch ein haptisches Erlebnis bieten. Daher bearbeitete er seine Leinwände, bevor er Farbe auftrug, und nutzte ungewöhnliche Materialien als Untergrund - etwa Jute, Sandpapier, Sackleinen oder Teerpappe, ein Material mit dem damals Dächer abgedichtet wurden.

Wände und Mauern inspirierten den Katalanen

An der Kunstakademie Barcelona lernte Miró Anfang des 20. Jahrhunderts sein Handwerk. In seinen frühen Werken orientierte er sich an van Gogh und Matisse, später fühlte er sich zu den Surrealisten um Max Ernst und André Masson hingezogen. Schließlich entwickelte er seinen ganz eigenen, phantasievollen Stil mit immer wiederkehrenden Farben und Formen. Für die Pariser Weltausstellung im Jahr 1937 hatte Miró die Ehre, die Wände des spanischen Pavillons zu gestalten. Doch schon zuvor hatte er sich intensiv mit Wänden und Mauern beschäftigt. In den 1920er Jahren malte er auf braunem Grund, mit der Absicht, beim Betrachter den Eindruck verwitterter Mauern zu erzeugen. Unter den rund 50 Kunstwerken des spanischen Malers, die nun in der Schirn zu sehen sind, ist auch sein Triptychon "Bleu I-III" von 1961 - drei Bilder mit blauer Fläche, darauf schwarze Punkte und rote Linien. Die blaue Farbe werde oft als Himmel gedeutet, so die Ausstellungsmacher. Dabei soll es nicht das Himmelsblau gewesen sein, das Miró inspirierte habe, sondern die Mauern der Bauernhöfe in Katalonien, die von blauer Sulfitlauge verfärbt waren.

Mehr als reine Abbildung: Mirós Wandbilder

Die Ausstellung ermögliche "einen ungewohnten Blick auf Miró", sagte Schirn-Direktor Max Hollein im Vorfeld der Werkschau. Die Wand sei für Miró nicht nur ein Objekt gewesen, das er abbildete, ergänzte Kuratorin Simonetta Fraquelli. "Ihre Materialität war entscheidend für die intensive physische und taktile Qualität seiner Malerei. Es gelang ihm, die reale Materie und das Material seiner Bilder in Übereinstimmung zu bringen."

Die Ausstellung "Joan Miró: Wandbilder, Weltenbilder" ist vom 26. Februar bis zum 12. Juni in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen.

rey/nf (dpa, epd, Schirn Kunsthalle)

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