Queen-Vertreterin in Kanada tritt wegen Vorwürfen der Schikane zurück | NRS-Import | DW | 22.01.2021
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Mobbing am Arbeitsplatz

Queen-Vertreterin in Kanada tritt wegen Vorwürfen der Schikane zurück

Immer wieder soll Generalgouverneurin Julie Payette Mitarbeiter angeschrien oder zu Tränenausbrüchen getrieben haben. Nun tritt die frühere Astronautin ab.

Kanadas Generalgouverneurin Julie Payette (Artikelbild) ist wegen Vorwürfen der Schikane von Mitarbeitern zurückgetreten. "Aus Respekt vor der Integrität meines Amtes und unserer demokratischen Institutionen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein neuer Generalgouverneur ernannt werden sollte", erklärte Payette in Ottawa.

Payette trat wegen eines Berichts über Demütigungen am Arbeitsplatz zurück, der kurz vor der Veröffentlichung stand. Die unabhängige Untersuchung war von der kanadischen Regierung im Juli vergangenen Jahres angeordnet worden, als Vorwürfe über ein "giftiges" Klima in der Rideau Hall - der offiziellen Residenz der Generalgouverneurin - aufkamen. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter hatten der heute 57-jährigen Payette vorgeworfen, sie seien von ihr schikaniert, angeschrien und öffentlich gedemütigt worden. Einige hätten Payettes Büro in Tränen aufgelöst verlassen.

Trudeau hielt lange an Payette fest 

Neben diesen Vorwürfen sah sich Payette außerdem mit öffentlicher Kritik konfrontiert, weil sie auf teure Renovierungsarbeiten an der Rideau Hall bestanden hatte und sich dann weigerte, dort einzuziehen. Der Rücktritt eines Generalgouverneurs ist beispiellos in der Geschichte Kanadas. Der Generalgouverneur ist der offizielle Repräsentant der britischen Königin Elizabeth II. in dem Commonwealth-Staat. 

Julie Payette und Kanadas Premier Justin Trudeau (hier bei einer Veranstaltung 2019) hatten lange ein gutes Verhältnis

Julie Payette und Kanadas Premier Justin Trudeau (hier bei einer Veranstaltung 2019) hatten lange ein gutes Verhältnis

Vorübergehend wird nun der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes von Kanada, Richard Wagner, die Aufgaben des Gouverneurs übernehmen.

Payette hatte ihr Amt im Oktober 2017 auf Empfehlung des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau angetreten. Dieser hielt lange an der früheren kanadischen Astronautin fest und nannte sie noch im September eine "eine ausgezeichnete Generalgouverneurin".

Julie Payette als Astronautin mit Kollegen 2009. Sie nahm auch an einer Mission zur Internationalen Raumstation ISS teil

Julie Payette als Astronautin mit Kollegen 2009. Sie nahm auch an einer Mission zur Internationalen Raumstation ISS teil

Nun erklärte der liberale Politiker und bekennende Feminist, nach dem Rücktritt könnten die Probleme im Büro des Generalgouverneurs offen angesprochen werden. Trudeau dankte Payette ausdrücklich nicht.

Der Rücktritt hat allerdings keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Regierung der Liberalen. Der Generalgouverneur hat weitgehend zeremonielle Aufgaben wie die Vereidigung von Regierungen und die formelle Unterzeichnung von Gesetzen. Nur in seltenen Fällen kann er gebeten werden, Verfassungsfragen zu klären.

sti/uh (afp, dpa)