Pulitzer-Preise für Trump-Recherchen und Berichte über Massaker | Aktuell Welt | DW | 15.04.2019
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Journalismus

Pulitzer-Preise für Trump-Recherchen und Berichte über Massaker

Gleich zwei investigative Recherchen über US-Präsident Donald Trump sind in diesem Jahr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. In weiteren drei der 21 Kategorien gewannen Berichte über Massaker in den USA.

Einer der renommierten Pulitzer-Preise ging an drei Reporter der "New York Times". Für ihre 18-monatige Recherche und anschließende Artikelserie zum Geschäftsimperium der Trumps erhielten David Barstow, Susanne Craig und Russ Buettner die Auszeichnung in der Kategorie "Erklärende Berichterstattung". Sie hätten unter anderem Trumps Behauptung widerlegt, er habe seinen Wohlstand aus eigener Kraft erworben, würdigte das Pulitzer-Preiskomitee die Leistung der Journalisten. Auch hätten sie gezeigt, dass das Trump-Unternehmensimperium "mit Steuervermeidungstricks gespickt" sei.

"New York Times" und "Wall Street Journal" decken auf

Die "New York Times"-Journalisten hatten in ihren Artikeln vom vergangenen Oktober unter anderem enthüllt, dass Trump über die Jahre von seinem Vater Zahlungen in Höhe von 413 Millionen Dollar erhalten hatte. Die Gelder sollen demnach teilweise über eine Scheinfirma geflossen sein, um Steuern zu vermeiden. Trump soll seinen 1999 und 2000 verstorbenen Eltern demnach auch einst geholfen haben, ihren Immobilienbesitz kleinzurechnen und so Steuern zu sparen.

Der Pulitzer-Preis in der Kategorie "Nationale Berichterstattung" ging an die Redaktion des "Wall Street Journal" für Enthüllungen darüber, dass Trump im Vorfeld der US-Wahl im Jahr 2016 Schweigegeld an zwei Frauen zahlen ließ. In mehrere Artikel berichtete die Zeitung über die Hintergründe und die Abwicklung der Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels und das frühere "Playboy"-Model Karen McDougal. Beide Frauen geben an, vor Jahren sexuelle Beziehungen zu Trump gehabt zu haben.

Preis für Berichte nach Parkland-Massaker

Für ihre Berichterstattung nach dem Schulmassaker von Parkland wurde die Zeitung "Sun-Sentinel" aus dem US-Bundesstaat Florida ausgezeichnet. Das Blatt habe Versagen an Schulen und bei Strafverfolgern vor und nach der Bluttat im Februar 2018aufgedeckt, sagte Dana Canedy (Artikelbild) im Auftrag der Jury bei der Verkündung der Pulitzer-Preisträger. An der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland hatte im Februar 2018 ein 19-Jähriger 14 Jugendliche und 3 Erwachsene erschossen.

USA: Mitarbeiter des South Florida Sun Sentinel feiern Pulitzerpreis (Reuters/C. Jean)

Mitarbeiter des "South Florida Sun Sentine" nach der Bekanntgabe der Pulitzer-Preis-Auszeichnung

Die "Pittsburgh Post-Gazette" gewann einen Pulitzer-Preis für ihre Berichterstattung über den Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh mit elf Toten im vergangenen Oktober. Ein Sonderpreis ging an die "Capital Gazette" für die Berichterstattung und den Mut angesichts eines Massakers in der eigenen Redaktion in Annapolis in Maryland. Bei dem Attentat starben fünf Journalisten, trotzdem erschien die "Capital Gazette" am nächsten Tag. Das Blatt sei seinem Auftrag, die Leser zu informieren, auch "in einer Zeit unsäglicher Trauer" treu geblieben, hieß es in der Begründung der Jury. Der mit umgerechnet 88.000 Euro dotierte Sonderpreis soll der Zeitung helfen, ihr
journalistisches Geschäft voranzutreiben.

Zwei inhaftierte Journalisten aus Myanmar ausgezeichnet

Auch zwei in Myanmar inhaftierte Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters zählen zu den diesjährigen Preisträgern. Die beiden jungen Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo erhielten die Auszeichnung für ihren investigativen Bericht über ein Massaker an zehn Männern der muslimischen Rohingya-Minderheit in Myanmar. Die beiden Journalisten wurden im Dezember 2017 noch vor der Veröffentlichung ihres Textes festgenommen und im September vergangenen Jahres zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts haben sie gegen ein Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen verstoßen.

Außerdem zeichnete die Pulitzer-Jury die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) für ihre Berichterstattung über den Bürgerkrieg im Jemen aus. 

Der Pulitzer-Preis wird seit 1917 vergeben. Er ist nach seinem Stifter, dem in Ungarn geborenen amerikanischen Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) benannt. Im vergangenen Jahr wurden unter anderem die drei Journalisten ausgezeichnet, die mit Berichten in der "New York Times" und im Magazin "New Yorker" die Affäre um sexuelle Übergriffe von Filmproduzent Harvey Weinstein aufgedeckt hatten. Die meiste Aufmerksamkeit gilt bei den Pulitzern den ausgezeichneten
Medien und Journalisten. Begehrt sind aber auch Preise in den weiteren Kategorien etwa zu Musik, Literatur, Geschichte und Poesie. 

Aretha Franklin posthum geehrt

Einer dieser Preis ging in diesem Jahr posthum an die vor knapp einem halben Jahr verstorbene Soulsängerin Aretha Franklin. Franklin habe "über mehr als fünf Jahrzehnte unauslöschliche Beiträge zur amerikanischen Musik und Kultur" geleistet, begründete Canedy die Auszeichnung im Auftrag der Jury. Franklin wurde mit Titeln wie "Respect" und "Chain of Fools" zu einer der erfolgreichsten Soulsängerinnen ihrer Generation. Sie starb im August 2018 im Alter von 76 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Aretha Franklin (picture-alliance/dpa/J. Kowalsky)

Posthum mit dem Pulitzer-Preis geehrt: Die Soul-Sängerin Aretha Franklin

Ausgezeichnet wurde auch die kanadische Musikerin Ellen Reid für ihre Oper "Prism", die sich mit Folgen sexuellen und emotionalen Missbrauchs befasst. Neben ihrer Karriere mit der Band "Crash Test Dummies" ist Reid zunehmend als Solo-Künstlerin aktiv. Die Preise in den Kategorien Literatur, Biografie und Poesie gingen an Richard Powers für "Die Wurzeln des Lebens", an Jeffrey Stewart für "The New Negro" über den New Yorker Philosophen Alain Locke und an Forrest Gander für seine Elegien-Sammlung "Be With".

ww/qu (dpa, ap, afp, rtr)

 

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