Prozessauftakt: Madsen bestreitet Mord an Kim Wall | Aktuell Europa | DW | 08.03.2018
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War es Mord?

Prozessauftakt: Madsen bestreitet Mord an Kim Wall

Nein, er habe die schwedische Journalistin Kim Wall nicht ermordet, sagte der dänische U-Boot-Tüftler vor Gericht. Ihre zerstückelte Leiche, sein gesunkenes U-Boot "Nautilus" und verdächtige Videos aber belasten Madsen.

Der dänische Erfinder Peter Madsen hat zu Beginn des spektakulären U-Boot-Prozesses in Kopenhagen bestritten, die Schwedin Kim Wall ermordet zu haben. Auch zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs plädiere er auf unschuldig, sagte seine Anwältin vor Gericht in Kopenhagen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, die Journalistin in seinem selbstgebauten U-Boot "Nautilus" gefoltert, mehrfach auf ihren Unterleib eingestochen und sie dann getötet zu haben, bevor er die Leiche der 30-Jährigen zerstückelte und in Plastiksäcken im Meer versenkte. Sie fordert lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung.

Keine DNA von Madson an Walls Körper

An der Leiche von Kim Wall seien keine DNA-Spuren von Madsen gefunden worden, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen am ersten Prozesstag. Weder auf noch in dem Körper der Journalistin gebe es Spuren, die vom Angeklagten stammten. In Madsens Unterhose sei Sperma gefunden worden, führte der Staatsanwalt weiter aus. Der Angeklagte nahm die Erklärungen vor Gericht äußerlich unbewegt hin. Madsen hatte bislang nur zugegeben, die Leiche der jungen Frau zerteilt und über Bord geworfen zu haben.

Kopenhagen Prozessauftakt Peter Madsen (picture-alliance/AP/Ritzau/M. Rasmussen)

Großer Andrang beim Prozessauftakt gegen Peter Madsen in Kopenhagen

Rekonstruiert haben die Ermittler bisher dies: Am Abend des 10. August 2017 fahren Madsen und Wall mit der "Nautilus" hinaus auf den Øresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden. Die junge Frau will den Erfinder interviewen. Die 30-Jährige ist investigative Journalistin, hat bereits aus Uganda und Sri Lanka berichtet, schrieb für den "Guardian", die "New York Times" und das renommierte Magazin "Time".

Verschiedene Versionen über den Tathergang

Für das Interview habe Wall extra ihre eigene Abschiedsparty verlassen, erzählte ihr Freund einem dänischen Fernsehsender. Die beiden wollten nach China ziehen. Wall habe ihm noch vom Turm des U-Bootes zugewinkt. Stunden später meldete ihr Freund sie als vermisst. Die "Nautilus" wurde am nächsten Vormittag entdeckt, kurz bevor sie sank.

Madsen wurde aus dem Wasser gefischt, Wall dagegen finden die Ermittler erst Tage und Wochen später. Erst den Torso und den Kopf, dann die Beine, einen Arm zuletzt. Der Körper der Journalistin wies Schnitt- und Stichverletzungen auf. 

Über den Ablauf der Nacht erzählte der Däne der Polizei mehrere Versionen. Zuerst behauptet er, er habe die junge Frau noch am Abend an Land abgesetzt. Dann gibt er zu, dass sie an Bord starb. Ein schweres Luk sei ihr auf den Kopf gefallen. Doch die Rechtsmediziner finden am Schädel keine Spuren.

Kopenhagen Prozessauftakt Peter Madsen UC3 Nautilus (picture-alliance/AP/D. Thiesing)

Die "Nautilus" - Beweismittel in einem der rätselhaftesten Mordfälle der vergangenen Jahre

Madsen hat prompt die nächste Version parat: Möglicherweise, sagt er, sei die junge Frau im Boot erstickt. Er habe das nicht mitbekommen, da er an Deck gewesen sei. Inzwischen hat der 47-Jährige zugegeben, dass er Walls Leichnam zerstückelte und über Bord warf. Doch er bleibt dabei: Umgebracht habe er sie nicht.

Foltervideos auf Madsons Festplatte

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Dass der Erfinder Werkzeug wie eine Säge und spitze Schraubenzieher an Bord brachte, zeige, dass er einen Mord geplant habe. Darauf könnte auch hindeuten, dass er noch am Abend Verabredungen für den nächsten Tag absagte. Über das Motiv sagt die Anklageschrift nichts. Experten gehen davon aus, dass es um Sex-Fantasien ging. Eine Ex-Geliebte Madsens erzählte dem US-Magazin "Wired", Madsen habe ihr detaillierte SMS mit seinen Mordplänen geschickt. In der Werkstatt des Erfinders fand die Polizei eine Festplatte mit Videos, in denen Frauen gehängt, verbrannt, hingerichtet werden. 

In dem nun laufenden Prozess sollen 37 Zeugen gehört werden, das Urteil wird für den 25. April erwartet.

 

cw/stu (dpa,