Prozess wegen Misshandlung von Flüchtlingen in Siegen eröffnet | Aktuell Deutschland | DW | 08.11.2018
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Kriminalität

Prozess wegen Misshandlung von Flüchtlingen in Siegen eröffnet

Vor vier Jahren wurde der Skandal um geschlagene und gequälte Migranten in einem Heim im Siegerland bekannt. Nun müssen sich 30 Angeklagte in einem Mammutprozess vor dem Landgericht Siegen verantworten.

Wachleute, Betreuer und Mitarbeiter des Heimbetreibers European Homecare werden beschuldigt, in einem Flüchtlingsheim in der Gemeinde Burbach in Nordrhein-Westfalen systematisch und über Monate hinweg Asylbewerber eingesperrt, geschlagen und gequält haben. Zu Beginn des Mammutverfahrens in Siegen nahmen die Angeklagten in acht Reihen in einem Tagungszentrum Platz, wo das Landgericht wegen des großen Andrangs verhandelt.

Die Beschuldigten sind unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, und Diebstahls angeklagt. Unter anderem sollen sie Bewohner bei Verstößen gegen die Hausordnung teilweise für mehrere Tage in sogenannte "Problemzimmer" gesperrt haben. Insgesamt geht es um 54 Fälle in einem Zeitraum von Ende 2013 bis September 2014. Drastische Fotos und ein Video von gedemütigten Flüchtlingen - teilweise mit posierenden, grinsenden Wachmännern - hatten bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Deutschland Siegen | Prozess Misshandlung von Flüchtlingen in Burbach (picture-alliance/dpa/H. Kaiser)

Ein Angeklagter will im Gerichtssaal nicht erkannt werden

Auch die stellvertretende Heimleiterin steht vor Gericht. Zudem wird zwei Mitarbeitern der Bezirksregierung Arnsberg Freiheitsberaubung durch Unterlassen vorgeworfen. Sie sollen von den Zuständen in der Notaufnahme-Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen gewusst haben, aber nicht eingeschritten sein.

Politische Debatte über Standards

Der Skandal hatte auch eine politische Diskussion um Qualität und Standards in der Flüchtlingsunterbringung ausgelöst und die damalige rot-grüne NRW-Regierung von Hannelore Kraft (SPD) stark unter Druck gesetzt. Der private Heimbetreiber war sofort abgelöst worden. Zudem wurden Teams zur Kontrolle in den Unterkünften eingesetzt.

kle/sti (dpa, epd, afp)

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