Prozess gegen mutmaßliche Rizin-Bombenbauer | Aktuell Deutschland | DW | 07.06.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Biologische Kampfstoffe

Prozess gegen mutmaßliche Rizin-Bombenbauer

Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht hat der Prozess gegen zwei mutmaßliche Bombenbauer begonnen. Der Tunesier und seine deutsche Ehefrau sollen einen Anschlag mit dem hochgiftigen Wirkstoff Rizin vorbereitet haben.

Laut Anklage der Bundesanwaltschaft hatte die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) das Paar dazu ermuntert. Der Mann war im Juni 2018 festgenommen worden, seine Ehefrau Ende Juli. Ein ausländischer Geheimdienst hatte der Polizei Hinweise gegeben. Der Anschlag mit dem hochgiftigen Rizin hätte laut Gutachten bis zu 100 Todesopfer gefordert. Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts in Düsseldorf statt. Den Angeklagten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Prozess gegen mutmaßlichen Rizin-Bombenbauer von Köln (picture-alliance/dpa/F. Gambarini)

Staatsanwältin Verena Bauer: Die Beschuldigten standen mit dem IS in Kontakt

Zum Auftakt des so genannten Staatsschutzverfahrens warf die Bundesanwaltschaft dem 30-jährigen Sief Allah H. und seiner 43 Jahre alten Ehefrau Yasmin H. vor, eine hochgefährliche Biowaffe für einen islamistischen Anschlag hergestellt zu haben. Es handelt sich um den ersten Fall dieser Art in Deutschland.

Deutschland | Durchsuchung nach Fund von Rizin in Köln (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Sicherheitskräfte hatten in der Wohnung des Paares in Köln-Chorweiler hochtoxisches Rizin sichergestellt

Oberstaatsanwältin Verena Bauer sagte, das Ehepaar habe eine mit Rizin und Stahlkugeln gefüllte Streubombe herstellen und in einem unbekannten geschlossenen Raum zünden wollen, womöglich in einem Restaurant oder Einkaufszentrum. Das Paar habe unter anderem 250 Stahlkugeln und tausende Rizinussamen über das Internet bestellt.

Deutschland Durchsuchung in Köln-Chorweiler (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Vor der Festnahme im Sommer 2018 hatte die Polizei einen Tipp von einem ausländischen Geheimdienstes erhalten

Sprengstoff hätten sie sich über in Deutschland nicht zugelassene Feuerwerkskörper beschafft. Sief Allah H. sei dazu nach Polen gereist. Das Gift hätten sie testweise einem eigens dazu gekauften Zwerghamster aufgetragen. Das Tier habe aber überlebt. Auf einer Wiese habe der Angeklagte zudem eine Testsprengung vorgenommen. "Beide Angeklagte identifizierten sich seit längerer Zeit mit den Zielen des IS. Sie wollten sich dem Dschihad anschließen", sagte Bauer.

Angeklagte schweigen

Die Beschuldigten kündigten über ihre Anwälte an, dass die sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern werden. Der Anwalt des Tunesiers stellte zudem einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Jan van Lessen. Die Hauptverhandlung wurde dennoch fortgesetzt. Über den Antrag will das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

uh/gri (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt