Prozess gegen Abdeslam in Belgien hat begonnen | Aktuell Europa | DW | 05.02.2018
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Justiz

Prozess gegen Abdeslam in Belgien hat begonnen

Salah Abdeslam gilt als der einzige überlebende Attentäter der Terroranschläge von Paris Ende 2015. Bevor ihm der Prozess in Frankreich gemacht wird, muss er sich jetzt vor einem Brüsseler Gericht verantworten.

Es ist der Morgen nach den grauenhaften Terroranschlägen von Paris im November 2015: Insgesamt 130 Menschen wurden getötet, ganz Frankreich steht unter Schock. Bei Cambrai kurz vor der belgischen Grenze stoppen Gendarmen ein Auto mit drei Männern. Doch die Kontrolle ergibt nichts Konkretes, der Wagen darf weiterfahren. So entkommt der wohl einzige Überlebende der Pariser Selbstmordkommandos: Salah Abdeslam.

Als Kind marokkanischer Einwanderer wuchs der inzwischen 28 Jahre alte Franzose in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek auf, die als Hochburg radikaler Islamisten gilt. Sein Bruder Brahim war einer der sieben Selbstmordattentäter der Pariser Terrorattacken auf die Musikhalle Bataclan, mehrere Cafés und das Stade de France. Abdeslam soll selbst mit einem Sprengstoffgürtel in Paris vor Ort gewesen sein, diesen dann aber weggeworfen haben und geflohen sein.

Terror in Paris (Getty Images/T. Chesnot)

13. November 2015: Der Terror erschüttert Paris

Aussage verweigert

Von diesem Montag an steht Abdeslam vor einer Kammer des Brüsseler Strafgerichts. Zum Auftakt seines Prozesses verweigerte er die Aussage. "Ich möchte nicht auf Fragen antworten", sagte der 28-jährige Franzose auf Fragen des Gerichts. Sein Schweigen bedeute nicht, dass er kriminell sei. "Das ist meine Verteidigung", sagte er. Die Richter sollten ihn nach eigenem Ermessen beurteilen, er vertraue auf Allah. "Ich habe keine Angst vor Ihnen", betonte er. Abdeslam blieb zudem bei der Verlesung der Anklage durch den Richter sitzen. Er trat mit langen Haaren und einen Bart vor das Gericht. 

Noch geht es nicht um die Pariser Anschläge 2015 oder die Brüsseler Anschläge 2016, in die er ebenfalls verwickelt sein soll. Angeklagt sind Abdeslam und sein mutmaßlicher Komplize Soufien Ayari (24) wegen Mordversuchs an mehreren Polizisten kurz vor ihrer Festnahme im März 2016.

Damals bereiten Polizisten eine Razzia im Brüsseler Viertel Forest vor. Als sie sich einem Wohnhaus nähern, werden sie von dort aus beschossen. Drei Beamte werden verletzt, ein Mann in der Wohnung von Sicherheitskräften erschossen: der algerische Dschihadist Mohamed Belkaid. Zwei weitere Verdächtige fliehen. Es sind, zumindest nach Überzeugung der Ermittler: Abdeslam und der Tunesier Ayari, der 2015 im Flüchtlingsstrom über die Türkei und Griechenland nach Westeuropa gekommen sein soll.

Salah Abdeslam nach seiner Festnahme (picture-alliance/maxpp/A. Marchi)

Nach seiner Festnahme: Salah Abdeslam

Drei Tage nach der Schießerei in Forest gehen die beiden mutmaßlichen Terroristen der belgischen Polizei in Molenbeek ins Netz. Die Erleichterung ist groß, doch sie währt nur kurz. Weitere vier Tage später, am 22. März 2016, sprengen sich in der Brüsseler U-Bahn und am Flughafen drei weitere Islamisten in die Luft und töten 32 Menschen. Wenig später scheinen den Ermittlern die Zusammenhänge klar: Hinter den Anschlägen von Paris und Brüssel steckt nach Einschätzung der Fahnder dieselbe Terrorzelle - und als eine der Schlüsselfiguren gilt Abdeslam.

Noch 2016 war er von Belgien an Frankreich ausgeliefert worden - seither saß er in Fleury-Mérogis bei Paris in Untersuchungshaft. Für die Zeit des Prozesses wird er nach Vendin-le-Vieil in Nordfrankreich verlegt und von dort täglich rund 140 Straßenkilometer zum streng bewachten Brüsseler Justizpalast gebracht.

wa/ml/kle (dpa, afp, rtr)

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