Proteste gegen rechten Präsidentschaftskandidaten in Brasilien | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 29.09.2018
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Wahlkampf

Proteste gegen rechten Präsidentschaftskandidaten in Brasilien

Gut eine Woche vor der Präsidentschaftswahl brodelt es in Brasilien. Tausende demonstrieren gegen den rechtsextremen Kandidaten Bolsonaro. Aber auch seine Unterstützer gingen auf die Straße.

Die Proteste gegen den Präsidentschaftskandidaten Jair Bolsonaro fanden in mehreren brasilianischen Städten statt. Unter dem Titel "Ele nao" ("Der nicht") hatten vor allem Frauenverbände gegen den Ex-Militär aufgerufen. Auch in den sozialen Netzwerken machten die Verbände gegen Bolsonaros rassistische und frauenverachtende Aussagen mobil.

"Ich denke, nicht nur Frauen, sondern wir alle sollten nicht für Bolsonaro stimmen, denn er ist ein Rassist und Sexist, er ist homophob und spaltet, und er versteht nicht, dass Brasilien ein multikulturelles Land ist", sagte eine 17-jährige Teilnehmerin der Proteste in Sao Paulo. Er sei nicht die Lösung, so die junge Frau.

Immer wieder verbale Entgleisungen

Bolsonaro ist dafür bekannt, dass er gegen Homosexuelle und Schwarze hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Immer wieder schockt er mit verbalen Entgleisungen. So hält er etwa ungleiche Bezahlungen von Männern und Frauen für gerechtfertigt. Über die Anhänger der linken Arbeiterpartei des prominenten Ex-Präsidenten Inacio Lula da Silva sagte er, sie sollten erschossen werden.

Brasilien Präsidentschaftswahlen Kandidat Jair Bolsonaro (Reuters/A. Machado)

Der "Trump Brasiliens", Jair Bolsonaro, mischt schon lange im Politikbetrieb mit, gibt sich aber jetzt als Anti-Systemkandidat

Dennoch liegt Bolsonaro in den Umfragen vorne. Auch seine Unterstützer gingen am Samstag auf die Straße. "Ich habe niemals gehört, dass er etwas Schlechtes über Frauen gesagt hat", so eine Anhängerin bei einer Kundgebung in Rio de Janeiro. "Er ist gegen Vergewaltigung und Drogen und setzt sich für die Familien ein. Ich habe zwei Töchter und will für sie das Beste", so die 39-jährige Frau.

Stichwahl erwartet

Die Präsidentenwahl ist am 7. Oktober. Auf Platz zwei der Umfragen liegt derzeit der Kandidat der linken Arbeiterpartei, Fernando Haddad. Er ist als Spitzenkandidat nachgerückt, nachdem Ex-Präsident Lula zu einer zwölfjährigen Haftstrafe wegen Korruption verurteilt wurde und deshalb nicht antreten durfte. Beobachter gehen davon aus, dass keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht und es daher zu einer Stichwahl zwischen Bolsonaro und Haddad kommen wird. Der Rechtspopulist zeigte sich am Freitag in einem TV-Interview mehr als siegesgewiss und erklärte, dass er eine Niederlage nicht akzeptieren werde.

Dass die politische Stimmung in Brasilien aufgeheizt wie nie seit dem Ende der Diktatur ist, zeigt ein Attentat auf Bolsonaro während einer Wahlkampfveranstaltung in Südbrasilien. Dabei wurde der Politiker mit einem Messer schwer verletzt. Erst am Samstag hat er das Krankenhaus verlassen können. Noch ist unklar, ob er in der letzten Woche vor der Wahl öffentliche Auftritte wahrnehmen wird.

fab/haz (dpa, rtre)

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