Proteste gegen Braunkohle fortgesetzt | Wissen & Umwelt | DW | 17.08.2015
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Wissen & Umwelt

Proteste gegen Braunkohle fortgesetzt

Umweltaktivisten blockieren eine Braunkohle-Transportbahn bei Hambach im Rheinischen Revier. Am Wochenende hatten sie im Tagebau Garzweiler II einen Bagger besetzt. Gegen 797 Demonstranten wurde Strafanzeige gestellt.

In der Nacht zum Montag (17.08.2015) haben Umweltaktivisten erneut gegen den Braunkohleabbau in der Kölner Bucht protestiert. Nach Angaben der Polizei ketteten sich acht Personen an vier Gleisabschnitte der Hambachbahn an. Mit Spezialgeräten wurden sie von den Schienen gelöst.

Die Bahn ist Privateigentum des Energiekonzerns RWE Power. Mit ihr wird die Braunkohle vom Tagebau Hambach zu den angrenzenden RWE-Kraftwerken befördert. Der Zugverkehr lag daraufhin still.

Druck auf Politik wegen Klimawandels

Die Blockierer bezeichnen die Tagebaue als größten Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) in Europa.

Protest in Garzweiler Foto: Marius Becker/dpa

"Ende Gelände": Aktivisten im Tagebau Garzweiler II

Sie wollen mit der Aktion des Bündnisses "Ende Gelände" auf die Auswirkungen der Braunkohleverstromung, die Zerstörung von Dörfern und Umwelt und die Staubbelastung durch den Tagebau in der Region aufmerksam machen. Außerdem wollen sie im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris im Dezember die Politik unter Druck setzen.

Bereits am Samstag hatten etwa 1200 Braunkohlegegner einen Bagger im Tagebau Garzweiler besetzt. RWE Power stoppte daraufhin die Förderanlagen aus Sicherheitsgründen. Wie die Polizei mitteilte, wurde gegen 797 Aktivisten Strafanzeige erstattet. Gegen sie wird wegen Hausfriedensbruchs, Landfriedensbruchs, Verstoßes gegen das Waffengesetz und Störung öffentlicher Betriebe ermittelt. Die Proteste waren lange im Voraus angekündigt worden.

Proteste in Garzweiler Foto: Marius Becker/dpa

Braunkohlegegner im Tagebau, von der Polizei eingekreist

Ein Sprecher von "Ende Gelände" hatte den Polizeieinsatz in Garzweiler als "ruppig" kritisiert. Er bezeichnete die Aktion der Demonstranten lediglich als "zivilen Ungehorsam". Die Polizei habe die Aktivisten eingekesselt und Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Das Bündnis sprach von 200 Verletzten. Die Polizei gab die Zahl der Verletzten mit 36 an, darunter 15 Einsatzkräfte.

Die Gewerkschaft der Polizei im zuständigen Bundesland Nordrhein-Westfalen verteidigte das Vorgehen der Beamten. "Der Auftrag der Polizisten war es, das Gelände zu schützen. Sie haben sich gegen die Aktivisten, die das Areal illegal betreten wollten, nur gewehrt", sagte der Landesvorsitzende Arnold Plickert der Zeitung "Rheinischen Post".

Für das kommende Wochenende sollen die Proteste fortgesetzt werden. Die Aktionsgruppe Lebenslaute gibt am Sonntag (23.08.2015) ein Konzert in Kerpen-Manheim. Den Heimatort des ehemaligen Formel-I-Weltmeisters Michael Schumacher wird es spätestens 2022 nicht mehr geben. Die Umsiedelung der Bewohner begann 2013. Die Bagger des Tagebaus Hambach rücken näher an Manheim heran, das heute schon einem Geisterdorf gleicht. Passend dazu lautet das Motto der Konzertgruppe: "Andante an der Kante".

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