Proteste gegen Abschiebung eines Roma-Mädchens aus Frankreich | Aktuell Europa | DW | 18.10.2013
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Aktuell Europa

Proteste gegen Abschiebung eines Roma-Mädchens aus Frankreich

Die Abschiebung eines Roma-Mädchens sorgt in Frankreich für Empörung. Landesweit haben tausende Jugendliche gegen die umstrittene Abschiebung der 15-jährigen Schülerin in das Kosovo protestiert.

An der Demonstration in der französischen Hauptstadt nahmen laut Polizei 4000 Menschen teil, eine Schülervertretung sprach von 12.000 Teilnehmern. Der Protestmarsch legte zeitweise den Verkehr im Osten der französischen Hauptstadt lahm. Die Schüler demonstrierten gegen die Zwangsabschiebung ausländischer Klassenkameraden und forderten den Rücktritt von Innenminister Manuel Valls.

In der französischen Hauptstadt und deren Umgebung wurden nach Polizeiangaben 45 Schulen bestreikt. Landesweit wurden den Angaben der Schülervertretung zufolge mindestens 170 Schulen blockiert oder zur Schließung gezwungen. Außer in Paris gab es auch in Marseille, Grenoble, Angers, La Rochelle oder Avignon Aktionen von Jugendlichen. Vereinzelt kam es dabei zu kleineren Übergriffen. In Paris wurden vier Personen festgenommen.

Vom Schulausflug in das Kosovo

Polizisten hatten die 15-jährige Leonarda während eines Schulausflugs abgeholt, um sie mit ihrer Familie außer Landes zu bringen. Kurz darauf wurde die Ausweisung eines weiteren Schülers bekannt.

Innenminister Manuel Valls gilt als verantwortlich für die Abschiebung des Mädchens. Er ist wegen seines harten Kurses gegen illegal im Land lebende Ausländer innerparteilich stark umstritten. Valls verteidigt die Abschiebung der 15-Jährigen.

Der Fall Leonarda bekam eine neue Wendung, als deren Vater einräumte, die französischen Behörden bezüglich der Herkunft seiner Familie belogen zu haben. Demnach wurde nur er im Kosovo geboren. Noch als Kind sei er nach Italien gezogen, wo er seine Frau kennenlernte und wo auch fünf seiner sechs Kinder geboren wurden, unter ihnen Leonarda. Indem er in Frankreich angab, seine gesamte Familie stamme aus dem Kosovo, wollte er nach eigenen Angaben die Chancen auf Asyl verbessern.

Sozialisten kritisieren die Abschiebung

Leonarda lebt seit mehreren Jahren in Ostfrankreich. Bevor die 15-Jährige zusammen mit ihrer Familie abgeschoben wurde, hatten Behörden den Asylantrag der Roma-Familie abgelehnt. Der Vorfall ereignete sich schon am 9. Oktober, wurde aber erst diese Woche bekannt.

Sozialistische Spitzenpolitiker kritisierten das Vorgehen gegen das Mädchen harsch, die Linkspartei forderte einen Rücktritt Valls'. Der Innenminister hatte bereits vor wenigen Wochen für Empörung gesorgt, als er den Integrationswillen der meisten in Frankreich lebenden Roma anzweifelte.

Präsident Hollande schaltet sich ein

Zudem forderten mehrere Sozialisten, Leonarda solle nach Frankreich zurückkehren. Anne Hidalgo, die im kommenden Jahr ihren Parteifreund Bertrand Delanoë im Pariser Rathaus beerben will, forderte, dass von der Abschiebung bedrohte ausländische Familien mit einem eingeschulten Kind "geschützt" werden sollten. Präsident François Hollande erwägt nach Angaben des Élyséepalastes ein Entgegenkommen bei der Abschiebung von Schülern.

Leonarda, die kein Albanisch spricht, hat gegenüber französischen Medien wiederholt gesagt, sie wolle nach Frankreich zurückkehren.

nem/gri (dpa, afp)