Prominente Baumpaten im Hambacher Wald | Kultur | DW | 24.10.2018
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Künstleraktion

Prominente Baumpaten im Hambacher Wald

Persönlichkeiten aus Musik, Film und Fernsehen haben Patenschaften für die Bäume im Hambacher Forst übernommen. Zwar wird in der Bergbauregion zur Zeit nicht weiter gerodet, doch ist der Wald noch längst nicht gerettet.

Wer jetzt im Hambacher Forst einen Baum fällt, der bringt unter Umständen einen Prominenten zu Fall: Über 60 Bilder alternativer Nobelpreisträger und prominenter Persönlichkeiten aus der Kultur hängen seit dem 23. Oktober an den Stämmen der Buchen im Hambacher Forst. Die bekannten Gesichter haben Baumpatenschaften übernommen - eine Aktion der Klima-Allianz Deutschland gegen die weitere Braunkohleförderung im Revier.

Der jetzige Hambacher Forst ist das letzte Stück eines riesigen Waldgebietes, das den Baggern im Rheinischen Braunkohletagebau zum Opfer gefallen ist. Seit Jahren besetzen Umweltschützer und Aktivisten den Wald, bauen Baumhäuser und errichten Straßensperren, um gegen Stromkonzerne wie RWE und die Klimapolitik der Bundesregierung zu protestieren.

Der Wald ist noch nicht gerettet

Eine Mitarbeiterin der Klima-Alianz Deutschland hängt dein Portrait der RV-Moderatiorin Enie von de Meiklokjes an einen Baum.| Enie van de Meiklokjes (picture-alliance/dpa/Klima-Allianz/T. Rodriguez)

Die Baumpaten, hier Moderatorin Enie von de Meiklokjes, werden an den Stämmen befestigt.

Erst vor Kurzem erreichten die Umweltschützer per Gerichtsbeschluss einen Rodungsstopp. "Nachdem es im Oktober breite Proteste aus der Bevölkerung gab und dann der Gerichtsbeschluss kam, dachten viele, der Wald sei gerettet - aber der Rodungsstopp hat uns nur eine Atempause verschafft", sagt Julia Dittman, Mitorganisatorin der Prominenten-Aktion. Jetzt gelte es, den Hambacher Wald durch einen baldigen Kohleausstieg endgültig zu schützen. 

Die Klima-Allianz Deutschland hat bekannte Kulturschaffende aus Film, Kunst und Musik angefragt und sofort viele Zusagen erhalten. Unter den Prominenten finden sich etwa der Schauspieler Benno Führmann, die Fernsehköchin Sarah Wiener (unser Bild oben), die Regisseurin Doris Dörrie, die Popband Revolverheld, der Kabarettist Winfried Schmickler sowie der Künstler Ólafur Elíasson.

"Die Prominenten wollten sich einsetzen und Gesicht zeigen", sagt Dittmann. Dabei gehe es längst nicht nur um den Wald. "Zahlreiche Dörfer sollen noch für Braunkohle-Tagebaue zerstört werden und tausende Menschen sollen ihr Zuhause verlieren“, fürchtet die Klimaschützerin.

Portraitfotos an Bäumen | Abdel Karim (Imago/epd/G. Schiefer)

Die Baumpaten im Hambacher Forst: Mit Promis ein Zeichen setzen

Der Hambacher Forst, ein internationales Thema

Die Klima-Allianz ist ein Bündnis für den Klimaschutz. Der Allianz gehören 115 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Kirche, Bildung, Kultur und Gewerkschaften an, die sich für eine ambitionierte Klimapolitik und eine erfolgreiche Energiewende auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene einsetzen.

Die Abholzung im Hambacher Forst ist längst über die Grenzen Deutschlands hinweg ein internationales Gesprächsthema, besonders in den sozialen Netzwerken. Deshalb haben sich auch viele Trägerinnen und Träger des Alternativen Nobelpreises aus aller Welt der Aktion angeschlossen, darunter auch Monika Hauser, Ärztin und Gründerin der Frauenrechtsorganisation "medica mondiale". "Wir wollen mit den Bildern zeigen, dass ganz viele hinter unserer Aktion stehen und es eine breite Zustimmung gibt", sagt Julia Dittmann von der Klima-Allianz Deutschland.

Klimakommission prüft vor Ort

Portraits an Buchenstämmen Deutschland Hambacher Forst Baumpaten | Monika Hauser (Tomas Rodriguez)

Auch Monika Hauser, Trägerin des alternativen Nobelpreises, ist Baumpatin.

Die Prominenten-Aktion wurde bewusst einen Tag vor dem Besuch der Kohlekommission im Rheinischen Revier gestartet. Die Kommission soll den Übergang zum Kohleausstieg  sozialverträglich gestalten und somit dazu beitragen, die Ziele des Pariser Klimaabkommens so schnell wie möglich zu erfüllen.

Der Rodungsstopp gilt erst einmal nur für diese Rodungssaison und noch nicht dauerhaft. Zunächst müssen die Gerichte entscheiden, ob der Hambacher Forst nach europäischen Richtlinien als Naturschutzgebiet anerkannt wird. Das Urteil steht allerdings noch aus.

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