Pro: Ein Militäreinsatz ist alternativlos | Nahost | DW | 03.09.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Pro: Ein Militäreinsatz ist alternativlos

Mit dem Chemiewaffeneinsatz gegen die Zivilbevölkerung ist Obamas rote Linie überschritten. Daher wird der Westen militärisch gegen das Assad-Regime vorgehen müssen, meint Loay Mudhoon.

Befürwortet ein Eingreifen: Loay Mudhoon, Islamexperte der DW (Foto: Per Hendriksen / DW)

Befürwortet ein Eingreifen: Loay Mudhoon, Islamexperte der DW

Am Einsatz von international geächteten Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg bestehen inzwischen keine Zweifel mehr. Die schrecklichen Bilder und Videos von toten Kindern und Frauen sowie verletzten Zivilisten mit neurotoxischen Symptomen belegen den Einsatz von Giftgas eindeutig.

Vor allem die Berichte der angesehenen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", die seit Jahren in Syrien arbeitet und in engem Kontakt mit geheimen Krankenhäusern steht, bestätigen den bestialischen Massenmord in Syrien.

"Die rote Linie" ist überschritten

Mit dem Einsatz dieser international verbotenen Massenvernichtungswaffen gegen die Zivilbevölkerung ist die von Barack Obama definierte rote Linie eindeutig überschritten. Zur Erinnerung: Im August des vergangenen Jahres machte der US-Präsident vor der Weltöffentlichkeit klar, dass er den Einsatz von chemischen oder biologischen Waffen im syrischen Bürgerkrieg nicht dulden werde. Nach nun Hunderten Toten und Tausenden Verletzten wird der mächtigste Mann der Welt an seinen eigenen Worten gemessen.

Aus diesem Grund wird - mit großer Wahrscheinlichkeit - in den nächsten Tagen eine US-geführte Koalition gegen militärische Einrichtungen des Assad-Regimes vorgehen müssen. Nicht nur aus moralischen Gründen bleibt dem amerikanischen Präsidenten keine andere Wahl. Vielmehr darf der Westen keinen Präzedenzfall für den Einsatz von Chemiewaffen in diesem Pulverfass zulassen, wenn man künftige Angriffe mit Massenvernichtungswaffen verhindern will.

Konfliktkonstellation bleibt unverändert

Auch wenn ein US-Militärschlag gegen den Machthaber in Damaskus nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bleiben viele Fragen offen. Vor allem Fragen nach den konkreten politischen Zielen dieser begrenzten Intervention.

Schon jetzt steht fest, dass eine mögliche Bombardierung syrischer Militäreinrichtungen lediglich eine abschreckende Strafaktion darstellen wird. Sie wird das Blutvergießen nicht beenden, auch die Machtverhältnisse und das Verhalten der Kriegsparteien in diesem hochkomplexen Konflikt dürfte sie kaum verändern. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass eine mögliche Schwächung Assads ihn zu mehr Verhandlungsbereitschaft bewegen könnte.

Daher muss die internationale Diplomatie gezielt alles daran setzen, alle Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zu bringen, selbstverständlich auch Assads Freunde und Unterstützer China, Russland und Iran.

Paradoxerweise bietet ausgerechnet die bevorstehende Militäraktion der USA eine neue, unerwartete Chance für multinationales Vorgehen in diesem Konflikt. Denn weder Russland noch China sind an einer Aufweichung des internationalen Chemiewaffenverbots interessiert. Und bedenkt man, dass der syrische Bürgerkrieg auch nach einem Sturz des Assad-Regimes nicht zu Ende gehen dürfte, bleibt ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft der einzig gangbare Weg zur Beendigung der syrischen Tragödie.

Die Redaktion empfiehlt