Premierministerin May bleibt Schlappe bei Kommunalwahlen in England erspart | Aktuell Europa | DW | 04.05.2018
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Großbritannien

Premierministerin May bleibt Schlappe bei Kommunalwahlen in England erspart

Die nicht gerade fest im Sattel sitzende Regierungschefin in London kann aufatmen: Trotz allen Hickhacks um den Brexit ließen Englands Wähler ihren Unmut nicht an Theresa Mays Konservativer Partei aus.

Premierministerin Theresa May und ihr Ehemann Philip nach der Stimmabgabe (Foto: piicture-alliance/dpa/PA Wire/S. Rousseau)

Es gibt sicherlich ansehnlichere Abstimmungsorte, doch dies dürfte das Ehepaar May wohl nicht allzu sehr gestört haben

Bei den Kommunalwahlen in England ist der konservativen Partei von Premierministerin Theresa May die befürchtete schwere Niederlage ersten Ergebnissen zufolge erspart geblieben. Bislang sind zwei Drittel der 150 Wahlkreise ausgezählt. Demnach sicherten sich die Tories 811 Sitze in den Gemeinderäten und verteidigten ihre traditionellen Hochburgen in London. Die oppositionelle Labour-Partei holte 1302 Sitze, auch die proeuropäischen Liberaldemokraten legten zu.

Schwere Niederlage für Ukip

Schwere Verluste gab es demnach für die europafeindliche Ukip: Sie gewann den Teilergebnissen zufolge nur zwei Sitze in den Kommunalparlamenten - und verlor 86. Die übrigen Wahlergebnisse werden bis zum Abend erwartet. Insgesamt waren mehr als 4300 Mandate zu vergeben und die Zusammensetzung von 150 Lokalregierungen zu bestimmen, unter anderem in London, Manchester, Leeds und Newcastle.

Vor allem in den 32 Gemeinderäten in London, einer traditionellen Hochburg der Labour-Partei, hatten die Tories eine schwere Schlappe befürchtet. In konservativen Hochburgen wie Westminster und Wandsworth bleiben die Tories trotz Zugewinnen von Labour stärkste Kraft. Auch die Stadtteile Kensington und Chelsea, wo beim verheerenden Brand im Grenfell Tower im Juni mindestens 71 Menschen ums Leben gekommen waren, konnten die Tories verteidigen.

Kommunalwahlen in England (picture-alliance/dpa/PA Wire/V. Jones)

Trotz der demutsvollen Haltung ihres Chefs Corbyn fiel das Ergebnis für Labour nicht so überzeugend aus wie erhofft

Ihre Mehrheit in Trafford bei Manchester im Nordosten Englands und in Plymouth im Südwesten haben die Tories allerdings verloren. Im Londoner Stadtteil Richmond sicherten sich die Liberaldemokraten die Mehrheit. "Wir haben besser abgeschnitten als erwartet", sagte Tories-Parteichef Brandon Lewis dem Sender Sky News. Die Labour-Partei, die in London mit einem haushohen Sieg gerechnet habe, habe in der Hauptstadt bisher keinen einzigen Gemeinderat hinzugewonnen. Labour-Wahlleiter Andrew Gwynne räumte ein, dass die Wahl ein "gemischtes Bild" ergeben habe. Die Konservativen hätten vom Ukip-Absturz profitiert.

Der Urnengang war der erste wichtige Stimmungstest für May seit der vorgezogenen Parlamentswahl vom vergangenen Juni, aus der sie deutlich geschwächt hervorgegangen war. Obwohl es im Wahlkampf vorrangig um lokale Themen ging, rechneten Beobachter damit, dass die Wahl die politische Spaltung zwischen Stadt und Land sowie Brexit-Befürwortern und -Gegnern noch stärker zeigen würde.

Beteiligung bei Kommunalwahl traditionell niedrig

Bei einer klaren Niederlage der Tories wäre der Druck auf May weiter gestiegen. Wegen der zähen Brexit-Verhandlungen ist die Premierministerin um den Zusammenhalt ihrer Partei bemüht. Zudem erlitt sie vor wenigen Tagen mit dem Rücktritt von Innenministerin Amber Rudd, einer engen Verbündeten, einen weiteren Rückschlag.

Die Wahlbeteiligung ist bei Kommunalwahlen in Großbritannien allerdings meistens niedrig: Bei einem Urnengang im vergangenen Jahr ging nur rund ein Drittel der Stimmberechtigten zur Urne. Bei der Parlamentswahl im Juni lag die Wahlbeteiligung dagegen bei 69 Prozent.

sti/as (afp, ap, rtr)