Präsidentschaftswahl in Nigeria um eine Woche verschoben | Aktuell Afrika | DW | 16.02.2019
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Afrika

Präsidentschaftswahl in Nigeria um eine Woche verschoben

Nur wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale hat die Wahlkommission in Nigeria die Präsidentschafts- und Parlamentswahl gestoppt. Der Urnengang soll nun am 23. Februar stattfinden.

Es sei nicht möglich, an diesem Samstag wie geplant einen freien, fairen und glaubwürdigen Urnengang zu garantieren, sagte der Präsident der Wahlkommission, Mahmood Yakubu, nach einer nächtlichen Krisensitzung. Als Grund nannte er logistische Probleme. Die Pressekonferenz verbreitete die Wahlkommission per Twitter: 

Zuvor hatte es gegen die Regierungspartei APC und die oppositionelle PDP Wahlbetrugsvorwürfe gegeben. Beide Parteien sollen versucht haben, massenweise Wahlbenachrichtigungen und Ausweise aufzukaufen. 

In der vergangenen Nacht gab es die ersten Meldungen über Schwierigkeiten in einigen Teilen des Landes. Zwei Diplomaten und eine Quelle aus der Regierung hatten berichtet, es gebe Probleme, die Wahlunterlagen in einige Gebiete zu bringen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

In einer ersten Reaktion kam massive Kritik aus den Wahlkampflagern der stärksten Kandidaten. Präsident Muhammadu Buhari (76) schrieb auf Twitter, er sei tief enttäuscht. Die Wahlkommission habe immer wieder versichert, bereit zu sein. "Wir und alle Bürger haben ihr geglaubt." Buhari erklärte, die Wahlkommission müsse sicherstellen, dass die bereits ausgelieferten Wahlunterlagen nun nicht in falsche Hände gelängten. Er rief die Bürger auf, Ruhe zu bewahren.

Wie aus einer in der Nacht verbreiteten Erklärung hervorging, wird dem Lager des schärfsten Herausforderers Atiku Abubakar die Schuld an der Verzögerung unterstellt. Abubakar zeigte sich überrascht von der Verschiebung. "Das haben wir nicht erwartet. Man verschiebt doch eine Wahl nicht wenige Stunden vor deren Beginn! Wenn man eine Wahl verschieben will, dann macht man das eine Woche vorher oder so, aber doch nicht wenige Stunde davor", sagte Abubakar im DW-Gespräch. Der 72-Jährige rief die Wähler zur Geduld auf. Man habe die Misswirtschaft der Regierung die vergangenen vier Jahre ausgehalten und müsse nur noch ein paar Tage durchhalten. Abubakar sah in der Verschiebung einen Versuch, die Wahlbeteiligung zu beeinflussen und einen möglichen Sieg der Opposition zu verhindern. 

Die letzten Wahlen 2015 in Nigeria waren ebenfalls verschoben worden, aber mit etwas größerem Vorlauf. Zudem war der Schritt damals erwartet worden.

Nigeria ist Afrikas bevölkerungsreichstes Land. 84 Millionen Nigerianer sind wahlberechtigt. Bei der Wahl tritt Staatschef Buhari wieder an. Beobachter erwarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem Herausforderer Abubakar. Erstmals sind die Kandidaten beider großen Parteien Muslime. Es bewerben sich 72 Kandidaten. Der neue Wahltermin ist der 23. Februar. An diesem Tag wird auch die Parlamentswahl stattfinden. Die Abstimmungen zu Gouverneuren und Parlamenten der Bundesstaaten sind jetzt für 9. März geplant.

fab/qu (rtre, afp, APE)

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