Polizeichef wegen Studentenentführung in Mexiko gefasst | Aktuell Amerika | DW | 21.10.2016
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Mexiko

Polizeichef wegen Studentenentführung in Mexiko gefasst

Der frühere Sicherheitschef von Iguala gilt als Schlüsselfigur in dem grausamen Verbrechen. Zwei Jahre nach der Verschleppung von 43 Studenten kommt mit seiner Festnahme nun Bewegung in den Fall.

Felipe Flores Velazquez Mexiko (Foto: Getty Images/Y.Cortez )

Er gilt als Hauptverdächtiger in dem Fall: Felipe Flores Velazquez

Nach einer gemeinsamen Fahndung von Polizei, Streitkräften und dem Geheimdienst sei der frühere Sicherheitschef von Iguala, Felipe Flores, den Einsatzkräften am Freitagmorgen in Iguala ins Netz gegangen, teilte die Nationale Sicherheitskommission mit. Der Polizeichef gilt als einer der Hauptverdächtigen in dem noch immer nicht restlos aufgeklärten Fall. Er soll die Studenten auf Befehl des damaligen Bürgermeisters entführt und die Rolle der örtlichen Polizei in dem Fall dann verdeckt haben. Vor einem Jahr setzte die Generalstaatsanwaltschaft ein Kopfgeld von 2,5 Millionen Pesos (133.000 Euro) auf ihn aus.

Generalstaatsanwältin Arely Gómez schrieb auf Twitter, Flores Aussage sei fundamental für die Aufklärung des Falls. Ihr Vorgänger Jesús Murillo Karam und der Chef der Ermittlungsgruppe mussten bereits ihre Posten räumen.

Zweifel an offiziellen Ermittlungsergebnissen

Örtliche Polizisten hatten im September 2014 in Iguala im Bundesstaat Guerrero 43 junge Männer aus dem linken Lehrerseminar Ayotzinapa verschleppt und sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben. Bandenmitglieder räumten ein, die Studenten getötet und ihre Leichen verbrannt zu haben. Experten äußerten zuletzt allerdings erhebliche Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen. Laut mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen ist es physikalisch unmöglich, so viele Leichen in so kurzer Zeit vollständig zu verbrennen. Bislang wurden erst zwei Opfer eindeutig anhand von Knochenresten identifiziert.

Mehr als ein Jahr untersuchte eine unabhängige Expertengruppe im Auftrag der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) den Fall. Die Fachleute zeichneten ein erschreckendes Bild von der Zusammenarbeit zwischen Sicherheitskräften und organisiertem Verbrechen. Der Angriff auf die Studenten sei "perfekt koordiniert" gewesen, hieß es in ihrem Abschlussbericht.   

Mehr Fragen als Antworten

Immer wieder tauchen neue Verdächtige und Ermittlungsansätze auf. Zunächst hieß es, die Guerreros Unidos hätten die Studenten für Mitglieder einer verfeindeten Bande gehalten. Dann stand die Hypothese im Raum, die jungen Männer hätten unwissentlich einen mit Drogen beladenen Bus gekapert.

Die Angehörigen der Opfer haben das Vertrauen in die Behörden längst verloren. Für die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto ist der Fall Ayotzinapa ein PR-Desaster. Er will sein Land als attraktiven Wirtschaftsstandort und ernsthaften Partner auf der internationalen Bühne etablieren. Dass es über zwei Jahre nach der Tat noch immer mehr Fragen als Antworten gibt, wirft kein gutes Licht auf Sicherheitskräfte und Justiz.

rk/djo (ap, dpa)