Polen: Zehntausende bei rechtsextremem Marsch | Aktuell Europa | DW | 11.11.2019
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Unabhängigkeitstag

Polen: Zehntausende bei rechtsextremem Marsch

Am 11. November 1918 wurde Polen unabhängig - ein wichtiger Tag für das Land. Während die Regierung an offiziellen Feiern teilnahm, beteiligten sich Tausende an einem Marsch, der eine lange und umstrittene Tradition hat.

Polen Unabhängigkeitstag 2019 | Feier in Warschau (Reuters/Dawid Zuchowicz/Agencja Gazeta)

Der "Unabhängigkeitsmarsch" in Warschau ist immer wieder Schauplatz rassistischer Entgleisungen

Polen hat den 101. Jahrestag seiner Unabhängigkeit mit zahlreichen Kundgebungen und Festveranstaltungen begangen. Dabei beteiligten sich auch Zehntausende an einem traditionell von extrem rechten Gruppen organisierten "Unabhängigkeitsmarsch". Der Aufmarsch wurde diesmal, anders als im vergangenen Jahr, ohne offizielle Unterstützung der nationalkonservativen Regierung und des Präsidenten geplant. Die Staatsführung beteiligte sich nicht an dem Marsch.

Staatspräsident Andrzej Duda rief am Mittag in einer Festrede zur nationalen Einheit auf: "Wir alle sind Polen und haben gemeinsame polnische Aufgaben!" Die Teilnehmer des rechten "Unabhängigkeitsmarsches" skandierten unterdessen "Gott, Ehre und Vaterland" und sangen die polnische Nationalhymne. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Nimm die ganze Nation in Deinen Schutz" - in Anlehnung an einen Marien-Gesang. Die Polizei verhinderte Zusammenstöße mit antifaschistischen Gegendemonstranten. Der "Unabhängigkeitsmarsch" ist umstritten. Seit einigen Jahren laufen zwar immer mehr Familien bei dem Marsch mit, viele Teilnehmer fallen aber immer wieder durch Rassismus auf.

Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus

Vor zwei Jahren wurden während des "Unabhängigkeitsmarsches" rassistische Banner gehisst mit Aufschriften wie "Europa muss weiß sein oder wird aussterben". Viele Teilnehmer sehen den Marsch als Möglichkeit ihrem Patriotismus Ausdruck zu verleihen, sind sich dabei nicht bewusst oder nehmen es in Kauf, dass die Veranstaltung von der extremen Rechten initiiert wird. Der rechtsextreme Abgeordnete Krzysztof Bosak bezeichnete den Marsch im Onlinedienst Twitter als "größte patriotische, globalisierungskritische und politisch unkorrekte Kundgebung Europas".

Auch in diesem Jahr gab es antisemitische Vorfälle. Journalisten berichten auf Twitter, dass Teilnehmer "Hier ist Polen und nicht Israel" skandiert hätten.

 

Auch andere Journalisten vor Ort berichten von antisemitischen und homophoben Bannern.

Der 11. November ist polnischer Nationalfeiertag. An diesem Tag gedenkt das Land der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit am Ende des Ersten Weltkriegs 1918. Davor war Polen 123 Jahre lang unter seinen Nachbarländern Russland, Österreich-Ungarn und Preußen (später Deutsches Reich) aufgeteilt gewesen.

lh/qu (dpa, rtr. ap)

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