PISA-Studie: Schüler mit Migrationshintergrund oft leistungsschwächer | Deutschlehrer-Info | DW | 29.03.2018
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PISA-Studie: Schüler mit Migrationshintergrund oft leistungsschwächer

Geringere Vorbildung und Probleme mit der Unterrichtssprache: Knapp die Hälfte aller Schüler mit Migrationshintergrund zeigt in Deutschland nach der PISA-Studie schwache Leistungen. An der Motivation liegt es nicht.

Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund erreichen in Deutschland seltener die schulischen Grundkenntnisse als ihre inländischen Mitschüler. Das geht aus einer Teilauswertung des PISA-Tests 2015 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht hervor, die am 19. März 2018 in Berlin veröffentlich wurde. An der PISA-Studie nahmen im Jahr 2015 in insgesamt 72 Ländern etwa 540.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren teil.

Laut der Studie erbringt fast jeder zweite Jugendliche mit Migrationshintergrund „sehr schwache Leistungen" in der Schule. Mit 43 Prozent ist der Anteil in dieser Gruppe fast zweieinhalbmal so hoch wie bei Schülern und Schülerinnen ohne Migrationshintergrund. Auch im Vergleich zum Durchschnitt der OECD-Länder ist er deutlich höher.

Sprachkenntnisse sind ein wichtiger Faktor
Obwohl laut Bericht Kinder aus Migrantenfamilien in der Schule oft motivierter sind als ihre Altersgenossen, schneiden sie schlechter ab. Gründe dafür sind unter anderem die geringe formale Bildung und ein niedriger beruflicher Status der Eltern. Hinzu kommen Probleme mit der Unterrichtssprache. Schüler und Schülerinnen, die auch zu Hause in der Unterrichtssprache kommunizieren, schnitten im PISA-Test um etwa acht Prozentpunkte besser ab als die Jugendlichen, die mit ihrer Familie eine andere Sprache sprechen, so das Ergebnis der Auswertung.

80 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die nicht in Deutschland geboren sind, sprechen zu Hause eine andere Sprache als Deutsch. Der Anteil liegt damit deutlich höher als im OECD-Schnitt (60 Prozent). Auch bei Jugendlichen, die in Deutschland geborenen und aufgewachsenen sind, gilt dies noch für mehr als 50 Prozent.

Schulen und Politik sind gefragt
Margit Stumpp, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, glaubt nicht, dass mehr Deutsch in den Familien die richtige Lösung ist, und fordert stattdessen einen massiven Ausbau der Ganztagsausbildung. Sie sagt: „Dann sind die Kinder in einem Umfeld, in dem sie mit ihren deutschen Klassenkameraden länger Deutsch reden." Dass Kinder mit Migrationshintergrund trotz höherer Motivation nicht die gleichen Chancen haben, bezeichnet Stumpp als Skandal. Sie fordert deshalb: „Wir dürfen den Schulerfolg nicht von der sozialen Herkunft abhängig machen."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nimmt angesichts der Ergebnisse die Bildungsstätten in die Pflicht. „Es ist die Aufgabe von Schulen, soziale Ungleichheiten und Diskriminierung abzubauen. Dieser Herausforderung wird das Bildungswesen in Deutschland nicht ausreichend gerecht", sagt die Vorsitzende Marlis Tepe. Sie fordert, das Schulsystem stärker auf Mehrsprachigkeit einzustellen. „Deshalb müssen Sprachbildung und mehrsprachiges Lernen von Beginn an mehr ins Zentrum gerückt und systematisch in allen Bildungsbereichen verankert werden."

dpa/KNA/sts/rh