Pink Floyd im Kino: ″Roger Waters The Wall″ | Musik | DW | 28.09.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Pink Floyd im Kino: "Roger Waters The Wall"

Am 29. September war "Roger Waters The Wall" weltweit im Kino zu sehen. Waters, Gründungsmitglied von Pink Floyd, verbindet in dem Film Konzert-Dokumentation und die persönliche Reise in seine düstere Familiengeschichte.

Mit mehr als vier Millionen Fans weltweit war Roger Waters' "The Wall Tour" (2010 bis 2013) die größte Tournee eines Solo-Künstlers aller Zeiten. Über mehrere Jahre wurde das Mega-Event von einem Kamerateam begleitet. Unter der Regie von Roger Waters entstand daraus ein Film, der – wie der Titel schon nahelegt – stark autobiografische Züge trägt. Bereits "The Wall" offenbarte Roger Waters als Mastermind der Band. Es war das meistverkaufte Doppelalbum der Welt und gilt als das letzte große Werk von Pink Floyd. Das Konzeptalbum, das am 30. November 1979 in Großbritannien veröffentlicht wurde, erzählt von der Vereinsamung des Rocksängers Pink, der den Verlust des Vaters nicht verkraftet und der durch seine Mutter vereinnahmt wird.

Die Handlung von "The Wall"

Seine Reaktion: Pink stellt sich eine Mauer vor und zieht sie in Gedanken um sich herum hoch, um sich zu schützen. Wie es weiter geht, kann man Lied für Lied nachverfolgen: Pink verzweifelt an seiner Abschirmung (Goodbye, Cruel World), greift zu Drogen und verbringt die Tage regungslos vor dem Fernseher (Nobody Home). Die Beruhigungspillen eines Arztes (das Gitarrensolo in Comfortably Numb ist einer der Höhepunkte bei jeder "The Wall"-Performance) machen seinen Verfolgungswahn nur schlimmer (Run Like Hell). Am Ende steht er vor Gericht für seine Taten (The Trial) und wird verurteilt. Seine Strafe: Die Mauer wird eingerissen (Outside The Wall). Ob sein Leidensweg tatsächlich vorbei ist, lässt Waters am Ende des Konzeptalbums offen: Der letzte Song bricht genau da ab, wo der erste Track In The Flesh? beginnt.

Autobiografischer Bezug zu Vater und Großvater

Another Brick in The Wall Part I nimmt Bezug auf Waters' Vater, der im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht starb – da war Waters ein Baby. Als sein Großvater starb – 1916, ebenfalls im Kampf gegen die Deutschen – war sein Vater gerade einmal zwei Jahre alt. Im Film besucht der Regisseur gemeinsam mit seinen Kindern beide Gräber: das des Vaters, Eric Fletcher Waters, in Italien und das des Großvaters, George Henry Waters, in Frankreich.

Er sei erschrocken, als er sich einmal nicht mehr an den Namen seines Großvaters erinnern konnte, erzählte Waters in einem Interview mit dem Tagesspiegel im Juni 2015. "Die Vergangenheit rückt weg von uns. Dieses Abschlachten an der Somme, bei der mein Großvater starb. Anzio, wo mein Vater bei der Verteidigung eines Brückenkopfes der britischen Armee gegen die Deutschen fiel."

Waters hat in den USA kürzlich Soldaten besucht, die im Irak und Afghanistan waren und dort schwere Verletzungen erlitten haben. Für ihn sind diese Soldaten "die unschuldigen Opfer einer unverantwortlichen Politik", sagte er dem Tagesspiegel. Die Begegnung habe ihn "erschüttert" und "motiviert", die Reise zu den Gräbern zu einem Erzählstrang in seinem Film zu machen.

Mauern auch zwischen den Bandmitgliedern

Während der Arbeit an "The Wall" traten unüberbrückbare Differenzen zwischen den Bandmitgliedern zu Tage, in welche Richtung man sich weiterentwickeln solle. Richard Wright verließ Pink Floyd nach "The Wall", Waters, der bereits 1984 sein erstes Soloalbum "The Pros and Cons of Hitchhiking" veröffentlicht hatte, folgte 1985. Der Streit zwischen ihm und David Gilmour war eskaliert. Waters erklärte Pink Floyd für aufgelöst. Gilmour, Mason und später auch wieder Wright wollten aber unter diesem Bandnamen weitermachen – und setzten sich nach einer langjährigen juristischen Schlammschlacht letztendlich gegen Waters durch. Der behielt jedoch die alleinigen Rechte am Konzeptalbum "The Wall".

Auch die spektakuläre Bühnenshow zu "The Wall" geht zu großen Teilen auf Ideen von Waters zurück: In der ersten Hälfte wurde aus Papp-Bausteinen eine riesige Mauer errichtet, in der zweiten spielte Pink Floyd hinter dieser Mauer. Davor agierte eine Ersatzband, die faschistoide Züge aufwies und teilweise das Publikum wüst beschimpfte. Auf die Mauer wurden auch Trickfilmszenen projiziert und es kamen riesige Marionetten zum Einsatz. Am Ende wurde die Mauer mit einem gewaltigen Explosionsgeräusch eingerissen und Pink Floyd spielten den letzten Song Outside the Wall ohne elektronische Verstärkung.

Historisches Konzert in zwei Staaten

Am 21. Juli 1990 sorgte "The Wall – Live in Berlin" für weltweites Aufsehen: Die Geschichte des Musikers Pink, in der es um Unterdrückung und Diktatur geht, wurde auf dem ehemaligen Todesstreifen an der Berliner Mauer aufgeführt. Ein gigantisches Rockkonzert vor mehr als 200.000 Menschen vor Ort und Millionen an den Fernsehgeräten. Waters konnte unter anderem Van Morrison, Bryan Adams, The Hooters, Cyndi Lauper, Sinéad O'Connor und die Scorpions für Gast-Auftritte gewinnen. Die Musik von "The Wall" wurde zu einem "Wende-Phänomen" umgedeutet, obwohl die Songs eigentlich gar nichts mit der Berliner Mauer und dem Mauerfall zu tun hatten.

Ursprünglich habe er zusammen mit Leonard Cheshire und dessen Wohltätigkeitsorganisation "World War Memorial Fund for Disaster Relief" einen Auftritt auf dem Roten Platz in Moskau geplant, erzählte Waters dem Tagesspiegel. Die Planungen seien bereits in vollem Gange gewesen. "Und dann fiel im November 1989 die Mauer. Er rief mich an und sagte: 'Wir müssen nach Berlin - jetzt!' Ich stimmte sofort zu."

Auch in Berlin war "Roger Waters The Wall" am 29. September auf der Leinwand zu sehen. Weltweit wurde der Film in Kinos rund um den Globus an diesem Tag präsentiert. In einzelnen Kinos wird er jedoch auch danach noch gespielt. Die DVD zum Film soll im November erscheinen.

Die Redaktion empfiehlt