Philippinen-Insel Boracay für Touristen geschlossen | Aktuell Asien | DW | 26.04.2018
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Rauswurf aus dem Paradies

Philippinen-Insel Boracay für Touristen geschlossen

Sie galt als "schönste Insel der Welt", als Top-Reiseziel. Jetzt ist Boracay aus Umweltgründen für ein halbes Jahr für Touristen gesperrt worden - angeordnet vom philippinischen Präsidenten Duterte höchstpersönlich.

Baden in türkisblauem Wasser, entspannen am weißen Sandstrand und abends ein Essen unter Palmen: Für viele ist ein Aufenthalt auf der Philippinen-Insel Boracay der Inbegriff eines Traumurlaubs. Als Top-Reiseziel unter den mehr als 17.500 Inseln der Philippinen zog Boracay zuletzt immer mehr Party-Touristen an. Doch nun ist die Party vorbei: Wegen massiver Umweltprobleme bleibt Urlaubern der Zugang zu Boracay verwehrt, mindestens ein halbes Jahr lang.

Nur noch die rund 40.000 Bewohner von Boracay dürfen die Insel betreten. "Wir schließen keine Betriebe, aber Touristen dürfen die Insel nicht betreten, Boracay ist offiziell für Urlauber geschlossen", sagte der regionale Polizeichef Cesar Binag der Nachrichtenagentur AFP.

Philippinen - Insel Boracay Polizisten am White Beach (picture-alliance/dpa/G. Linao)

Polizisten statt Touristen am White Beach von Boracay

Statt der Touristen haben nun Hundertschaften Polizei und Armee das Kommando auf der Insel übernommen und setzen das Verbot durch. Die Soldaten tragen Maschinengewehre im Anschlag, Schiffe der Küstenwache patrouillieren, schwerbewaffnete Sicherheitskräfte kontrollieren die Zugänge zur Insel. An den Anlegestellen der Fähren darf nur noch an Land, wer nachweisen kann, dass er hier seinen Wohnsitz hat. Die Regierung wolle "für das Schlimmste vorbereitet" sein - auch wenn keine wirkliche Gefahr herrsche, sagte ein Regierungssprecher.

Duterte ärgert sich über die "Kloake" Boracay

Die Schließung der Insel wurde vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte persönlich angeordnet, der international bislang eher durch einen brutalen Anti-Drogen-Krieg als durch Umweltschutz bekannt wurde. Duterte empörte sich über ein Video vom Bolabog Beach, einem der drei wichtigsten Strände. Darauf war zu sehen, wie schwarze Brühe aus einem Abwasserrohr direkt ins Meer geleitet wurde. Eine "Kloake" sei die Insel geworden, ärgerte sich Duterte und kündigte Anfang des Monats die vorübergehende Sperrung der Insel an.

Philippinen Schließung Insel Boracay (Reuters/E. De Castro)

Von der Touilette an den Strand: Nachhaltige Abwasserklärung sieht anders aus

Duterte wirft den rund 500 Hotels, Restaurants und anderen Tourismusunternehmen auf Boracay vor, ihre Abwässer ungeklärt ins Meer zu leiten. Der ungezügelte Massentourismus hat dem Naturparadies auch anderweitig geschadet: Die Insel ist mit Müll übersät, mitten in die Natur hinein wurden illegal Häuser gebaut.

Tourismusmagnet und Milliardenbringer

Während der sechsmonatigen Schließung soll die Infrastruktur von Boracay auf Vordermann gebracht werden, unter anderem sollen neue Abwasser- und Entwässerungssysteme gebaut werden. Außerdem wollen die Behörden ohne Genehmigung errichtete Gebäude abreißen und das Müllproblem in den Griff bekommen.

Philippinen Schließung Insel Boracay (Getty Images/AFP/N. Celis)

Mit dem Tourismus wuchsen auch die Müllberge

Boracay zieht Millionen von Touristen an, die Jahr für Jahr rund eine Milliarde Dollar in die Wirtschaft des Landes pumpen. Laut philippinischem Fremdenverkehrsamt kommen jährlich 1,5 Millionen internationale und nationale Touristen nach Boracay, darunter immer mehr Deutsche.

Einheimische genießen den Platz und die Ruhe

Für die Tourismusbranche und ihre rund 30.000 Mitarbeiter ist die vorübergehende Schließung von Boracay ein schwerer Schlag. Die Regierung hat zwar Millionenhilfen versprochen - davon ist nach Angaben der Beschäftigten aber noch nichts bei ihnen angekommen.

Philippinen Schließung Insel Boracay (Reuters/E. De Castro)

Touristeninsel ohne Touristen - zumindest bis November

Ungeachtet der wirtschaftlichen Sorgen genossen einige Inselbewohner bereits die neue Ruhe. "So sieht eine Insel, ein Paradies aus", sagte Koch John Reymar am beinahe leeren Strand. 

cw/fab (afp, dpa)