Philipp Lahm: ″Bei uns steht für die EM eigentlich alles″ | Sport | DW | 25.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

EM 2024

Philipp Lahm: "Bei uns steht für die EM eigentlich alles"

Deutschland und die Türkei sind die einzigen Bewerber für die EM 2024. Als EM-Botschafter spielt Philipp Lahm eine entscheidende Rolle. Im DW-Interview spricht er über die Vorzüge der deutschen Bewerbung.

DW: Sie sind der Botschafter der deutschen Bewerbung für die EM 2024. Was macht diese Rolle so besonders?

Philipp Lahm: EM-Botschafter zu sein, ist großartig für mich. Es wäre toll, dieses Turnier im eigenen Land auszurichten. Es verbindet die Leute - in Europa, aber vor allem in Deutschland. Ich habe erlebt, wie es bei der WM 2006 war, deswegen war ich sofort dabei.

Was ist das Besondere an Deutschlands Bewerbung?

Wir können große Fußballturniere organisieren, das haben wir schon bewiesen. Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Stadien. Bei uns steht eigentlich alles. Und wir sind gastfreundlich, auch das haben wir 2006 bewiesen. Wir können mit all den Gästen ein großes Fest feiern. Das wollen wir 2024 wieder zeigen.

Hätte die Nationalmannschaft als Gastgeber in Ihren Augen einen Heimvorteil?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Heimmannschaft schon einen gewissen Vorteil hat. Auch bei der letzten WM in Russland haben wir das gesehen. Ich glaube aber, ein anderer Punkt ist wichtiger: Wir haben als Nationalmannschaft, und noch viel mehr als Gesellschaft, wieder die Chance zusammenzurücken. Das Turnier würde uns diese Möglichkeit erneut geben.

Philipp Lahm 2006 (picture-alliance/ dpa/epa)

Bei der WM 2006 erzielte Philipp Lahm im Eröffnungsspiel in München das 1:0 gegen Costa Rica

Für Deutschland wäre eine Austragung nach der EM 1988 und den beiden Weltmeisterschaften 1974 und 2006 das vierte große Turnier. Die Türkei ist Deutschlands einziger Konkurrent als Gastgeber und hat noch nie ein großes Fußballturnier ausgetragen. Wäre es da nicht fair, das Turnier der Türkei zu überlassen?

Wir haben die EM letztmals 1988 ausgerichtet, das ist auch schon langer her. Ich glaube heutzutage ist es auch wichtig, eine stabile Wirtschaft und eine stabile Politik zu haben. Das können wir alles bieten. Die Entscheidung liegt beim Exekutivkomitee [der UEFA - Anm. d. Red]. Wir finden gut, was wir bieten können. Aber sicher kann man sich nie sein.

Im vergangenen Jahr haben Sie die Rolle des Sportdirektors beim FC Bayern abgelehnt. Können Sie sich nach der Rolle als EM-Botschafter eine Zukunft bei den Bayern vorstellen?

Mein Augenmerk liegt jetzt auf dem 27. September, dem Tag der Vergabe der EM 2024. Das ist das Entscheidende. Was danach passiert, wird man sehen. Wenn wir den Zuschlag bekommen, werde ich OK-Chef [Chef des Organisationskomitees] sein. Das ist sicher auch eine tolle Aufgabe. Was dann irgendwann kommen wird, das wird man sehen.

Sie haben in der Vergangenheit gesagt, Sie wollten kein Trainer werden. Ist das noch so?

Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, wieder täglich auf dem Platz zu stehen. Ich habe Pep Guardiola erlebt, wie er tagtäglich gearbeitet hat. Er hat sich rund um die Uhr Gedanken gemacht: "Wie spielt der Gegner? Wie will ich meine Mannschaft, wie will ich jede Position begleiten?" Das kann ich mir aktuell nicht vorstellen. Aber ich bin 34 Jahre alt. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird.

Was machen Sie, wenn Sie nicht als EM-Botschafter unterwegs sind?

Seit über zehn Jahren habe ich eine eigene Stiftung. Ich bin Unternehmer, habe zwei Firmen und eine Familie mit zwei Kindern zu Hause, was das Wichtigste ist. Und natürlich bleibt Bewegung für mich wichtig. Ich sitze ja viel im Büro. Dazwischen muss es immer wieder Sport sein, deswegen spiele ich Golf und Tennis.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem erstem Klub FT Gern, bei dem Sie als Fünfjähriger angefangen haben, Fußball zu spielen?

Selbstverständlich. Mein Sohn spielt da, meine Mutter ist Jugendleiterin und kümmert sich um den Nachwuchs. Ich bin regelmäßig am Platz.

Philipp Lahm, geboren 1983 in München, führte Deutschland 2014 in Brasilien als Kapitän zum vierten WM-Titel der Geschichte. Als langjähriger Kapitän des deutschen Rekordmeisters Bayern München sammelte Lahm auch auf Vereinsebene viele Titel: achtmal deutscher Meister, sechsmal DFB-Pokalsieger, Champions-League-Gewinner 2013, Sieg bei der FIFA-Klub-WM-Titel 2014. Nach der Saison 2016/17 beendete Lahm seine Karriere. Seit Ende 2017 ist der 34-Jährige Botschafter der DFB-Bewerbung um die EM 2024. Sollte Deutschland den Zuschlag erhalten, würde Lahm Chef des Organisationskomitees. 

Das Interview führte Mark Lovell.

Die Redaktion empfiehlt