Peter Lindbergh ist tot | Kunst | DW | 04.09.2019
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Nachruf

Peter Lindbergh ist tot

Mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen revolutionierte der deutsche Fotograf Peter Lindbergh die Modefotografie - und verhalf zahlreichen Talenten wie Claudia Schiffer oder Kate Moss zum Aufstieg in die Liga der Supermodels.

Peter Lindbergh kam vergleichsweise spät zur Fotografie. Mit 27 Jahren kaufte er sich eine Kamera, um die Kinder seines Bruders zu fotografieren. Lindbergh beschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen und absolvierte eine zweijährige Ausbildung bei Hans Lux, einem Düsseldorfer Werbefotografen. Nachdem er sich als Berufseinsteiger zunächst für den Kontrast zwischen Industriearchitektur und Naturidylle im Ruhrgebiet begeisterte, wandte sich Lindbergh in den späten 1970er Jahren der Modefotografie zu. Am Dienstag ist Peter Lindbergh im Alter von 74 Jahren gestorben. "Er hinterlässt eine große Leere", heißt es auf seinem offiziellen Instagram-Account. 

Auf Umwegen in den Modezirkus

Kurz nach seiner Geburt, am 23. November 1944 in Polen, wurde seine Familie vertrieben. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Lindbergh in Duisburg. Er wurde Schaufensterdekorateur, lernte an der Berliner Hochschule für Bildende Kunst das Zeichnen und trampte durch Europa. Schließlich konnte er 1987 eine Modefotoserie im Magazin "Stern" platzieren. Zu dieser Zeit legte er auch seinen bürgerlichen Nachnamen, Brodbeck, ab und nahm seinen Künstlernamen an. Lindbergh bekam nun Aufträge von renommierten internationalen Modemagazinen, darunter "Vogue", "Vanity Fair", und "Rolling Stone", und avancierte innerhalb weniger Jahre zu einem der gefragtesten Modefotografen der Weit. Giorgio Armani, Jil Sander, Calvin Klein, Karl Lagerfeld - sie alle ließen ihre Kreationen von Lindbergh ablichten.

Cover Vogue 1990 von Peter Lindbergh

Lindberghs Durchbruch: Ein Coverbild für die britische "Vogue"

Vor Lindberghs Linse: Campbell, Schiffer und Moss

Kein Wunder, denn mit seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen revolutionierte Lindbergh die Modefotografie wie kein Zweiter. 1989 fotografierte er die Models Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Christy Turlington und Tatjana Patitz für das Cover der britischen "Vogue" - und schrieb mit dem Titelbild Fotografiegeschichte. "Mich hat immer gestört, dass Frauen in der Modefotografie damals nichts anderes waren als Kleiderständer, das wollte ich ändern", sagte Lindbergh 2014 in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Dass ihm das gelungen ist, zeigen die Fotos, die Lindbergh seit Ende der 1980er Jahre von zahlreichen Models schoss und ihnen damit zum Durchbruch verhalf. Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Kate Moss - sie alle stiegen durch Lindberghs Arbeiten in die Liga der Supermodels auf. Zu seinen bekanntesten Bildern zählt eine Aufnahme der sechs Models Estelle Léfebure, Karen Alexander, Rachel Williams, Linda Evangelista, Tatjana Patitz und Christy Turlington in schlichten weißen Männerhemden am Strand von Malibu.

Peter Lindbergh 2017 bei der Eröffnung seiner Ausstellung From Fashion to Reality in der Kunsthalle München ( BrauerPhotos / G.Nitschke fuer die Kunsthalle Muenchen)

Peter Lindbergh 2017 bei der Eröffnung seiner Ausstellung "From Fashion to Reality" in der Kunsthalle München

Vom Modemagazin ins Museum 

Das niederländische Museum Kunsthal in Rotterdam widmete Lindbergh im Jahr 2016 eine große Retrospektive unter dem Titel "A Different History of Fashion"  (dt. Eine andere Geschichte der Mode). Ein Jahr später waren die über 200 Werke auch in der Kunsthalle München zu sehen.

Im Sommer 2019 hat Lindbergh noch einen Auftrag der britischen "Vogue" abgeschlossen: Das Cover der September-Ausgabe zeigt 15 Porträts von mutigen, engagierten Frauen - darunter die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg und die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall.Und so endet Lindberghs Ausnahme-Karriere, wie sie vor vier Jahrzehnten begann, mit einem Cover für die britische "Vogue".

 

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