Peter Handke erhält Literaturnobelpreis 2019 | Deutschlehrer-Info | DW | 10.10.2019
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Peter Handke erhält Literaturnobelpreis 2019

2014 hatte er noch die Abschaffung des Preises gefordert, nun ist er selbst der Preisträger: Der Literaturnobelpreis 2019 geht an Peter Handke. Für das Jahr 2018 wird die polnische Autorin Olga Tokarczuk ausgezeichnet.

„Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen." Noch 2014 ließ Peter Handke kein gutes Haar am Literaturnobelpreis. Die Auszeichnung bringe mit ihrer „falschen Kanonisierung" der Literatur nicht viel Gutes. Sie verschaffe „einen Moment der Aufmerksamkeit, sechs Seiten in der Zeitung", aber für das Lesen bringe sie nichts.

Jetzt kommt der österreichische Autor, der schon mehrfach bei den Buchmachern hoch gehandelt wurde, selbst in den Genuss des ungeliebten Preises. Am 10. Oktober sprach ihm die Akademie in Stockholm die begehrteste literarische Auszeichnung für das Jahr 2019 zu. Handke erhalte die Auszeichnung für sein „einflussreiches Werk", das mit „sprachlicher Genialität die Peripherie und die Besonderheit der menschlichen Erfahrung untersucht", erklärte die Schwedische Akademie am Donnerstag zur Begründung. Der 76-Jährige veröffentlichte mehr als 80 Werke und ist einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.

Handke gilt als zorniger Rebell, er polarisiert. „Ich bin ein friedlicher Mensch, glaube ich, aber das Friedliche geht bei mir ab und zu mit dem Streit zusammen", sagte er zu seinem 75. Geburtstag. Als junger Mann brüskierte er 1966 die deutschsprachige Schriftstellerelite der Gruppe 47 und attestierte Böll, Grass und Co eine „Beschreibungsimpotenz": „Die Sprache bleibt tot, ohne Bewegung, dient nur als Namensschild für die Dinge", lautete sein Vorwurf.

Handke wurde am 6. Dezember 1942 als uneheliches Kind in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Griffen geboren. 1961 begann er ein Jurastudium, das er jedoch nicht beendete. Seine Rettung fand er im Schreiben. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Erzählungen „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", mit der eine ganze Generation Gymnasiasten und Studenten groß wurde, aber auch „Wunschloses Unglück" und „Der kurze Brief zum langen Abschied" sowie die Theaterstücke „Publikumsbeschimpfung" und „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten".

Insgesamt hat Handke mehr als siebzig Erzählungen und Prosawerke sowie knapp zwei Dutzend Theaterstücke verfasst. Darüber hinaus hat er viele Werke ins Deutsche übertragen. Für seine Arbeiten erhielt der Österreicher zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1973 den Georg-Büchner-Preis und 1987 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur.

Wegen seiner proserbischen Haltung während der Balkan-Kriege hatte Handke in den 90er Jahren heftige Kontroversen ausgelöst. Kritik provozierte er zudem 2006 mit einer Rede bei der Beerdigung des wegen Kriegsverbrechen und Völkermords angeklagten einstigen serbischen Staatschefs Slobodan Milosevic. In der Folge entzündete sich eine Debatte um die Vergabe des Heinrich-Heine-Preises der Stadt Düsseldorf an Handke, auf den er schließlich verzichtete.

Für das Jahr 2018 erhielt die polnische Autorin Olga Tokarczuk den Literaturnobelpreis. 2018  Im Vorjahr hatte sich die Akademie wegen eines Skandals um einen sexuellen Übergriff gegen eine Preisvergabe entschieden. Die 57-jährige Tokarczuk gilt als wichtigste polnische Autorin ihrer Generation und veröffentlichte bislang rund ein Dutzend Bücher, die in mehr als 25 Sprachen übersetzt wurden.

rh/ip (mit kna, afp, reuters)