Peru hat jetzt höchste Corona-Sterblichkeitsrate weltweit | Aktuell Amerika | DW | 01.06.2021
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Covid-19

Peru hat jetzt höchste Corona-Sterblichkeitsrate weltweit

Peru hat die offizielle Zahl seiner Corona-Toten um mehr als das Doppelte heraufgesetzt. Damit hat sich das südamerikanische Land an die traurige Spitze der Corona-Statistik katapultiert.

Peru Lima | Coronakrise: Sauerstoffversorgung für Patienten

Corona-Patientin in Peru - das Land ist stark von Corona betroffen

Das 33-Millionen-Einwohner-Land ist jetzt weltweit der Staat mit der höchsten Corona-Sterblichkeitsrate in Relation zur Bevölkerungszahl. Wie Ministerpräsidentin Violeta Bermúdez mitteilte, wurde die Zahl der im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion Verstorbenen auf 180.764 erhöht. Sie lag bis dahin bei rund 69.000.

Der Grund für diesen Anstieg ist eine deutliche Erweiterung der offiziellen Kriterien für Todesfälle, die auf das Coronavirus zurückgeführt werden. Eine Expertengruppe war zu dem Schluss gekommen, dass die offizielle Zahl der Corona-Toten in dem südamerikanischen Land zu niedrig veranschlagt war.

Als Todesopfer der Pandemie wurden dort bislang nur solche Verstorbene verzeichnet, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Nun sollen auch solche Todesfälle in die Corona-Statistik aufgenommen werden, in denen aufgrund der klinischen Befunde eine Infektion mit dem Coronavirus als "wahrscheinlich" anzunehmen ist.

Peru Corona-Pandemie LIma

In vielen Ländern Südamerikas -hier in Peru - fehlt unter anderem Sauerstoff zur Behandlung von Corona-Patienten

Änderung der Statistik "sehr nützlich" zur Pandemie-Bekämpfung

Durch die Änderung der Kriterien hätten die Behörden künftig umfassendere Daten zur Verfügung, was bei der Bekämpfung der Pandemie "sehr nützlich" sein werde, sagte Bermúdez. Laut einer Berechnung der Nachrichtenagentur AFP kommt Peru durch die jetzige Heraufsetzung der Corona-Totenzahl auf eine Quote von 5484 Verstorbenen pro eine Million Einwohnern.

Das Land liegt damit in der weltweiten Statistik mit deutlichem Abstand an der Spitze. Auf dem zweiten Platz folgt Ungarn mit 3077 Corona-Toten pro einer Million Einwohnern. In Peru wurden bislang mehr als 1,9 Millionen Coronavirus-Infektionsfälle registriert.

Südamerika wird immer mehr zum Corona-Hotspot

Doch auch andere Länder in Südamerika sind stark betroffen: 15 Monate nachdem das Virus zum ersten Mal auf dem Kontinent auftrat, erlebt dieser die bisher schlimmste Phase der Pandemie - trotz großer Fortschritte beim Impfen in vielen Staaten. So zählte Uruguay in den vergangenen zwei Wochen 21,62 Todesfälle pro 100.000 Einwohner, in Argentinien waren es 14,73. Auch in Paraguay, Kolumbien und Brasilien ist die Situation ähnlich dramatisch. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten, das Land mit den meisten Todesfällen weltweit, haben eine Rate von 2,45.

Uruguay I Impfung I Coronavirus

Trotz erfolgreicher Impfkamagne ist die Zahl der Corona-Toten in Uruguay sehr hoch.

Die ansteckendere brasilianische Virusvariante P.1, die in Uruguay und Argentinien grassiert, erklärt die Entwicklung dabei nur zum Teil. Entscheidend scheint das Verhalten der Menschen zu sein. In Uruguay "glauben die Leute nicht" an die Gefahr durch das Virus, sagt der Intensivmediziner Francisco Dominguez.

Auf der Straße trage kaum jemand eine Maske. Solange sie niemanden kennen, der im Krankenhaus liege, würden die Menschen nicht an das Virus glauben. Dabei seien die Intensivstationen bereits überlastet.

Menschen halten sich offenbar nicht an Verbote

Dabei ist das uruguayische Impfprogramm sogar äußerst erfolgreich: 29 Prozent der Bevölkerung sind vollständig immunisiert, 47 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten. Doch der Anstieg von Infektionen und Todesfällen wurde dadurch nicht gebremst.

Anders in Argentinien - dort kommen die Impfungen nur langsam voran: Weniger als 20 Prozent der 45 Millionen Einwohner des Landes haben bis jetzt eine Spritze bekommen. Auch durch monatelange, sehr strenge Lockdowns bekam das Land die Pandemie nicht in den Griff.

Proteste Lockdown im Provinz Formosa Argentinien

Der lange Corona-Lockdown hat in Argentinien für heftige Proteste gesorgt.

Die Menschen hätten sich trotz der Verbote getroffen, viele rebellierten gegen die Maßnahmen oder leugneten die Gefahr, sagt Elisa Estenssoro, Mitglied eines Expertengremiums, das Präsident Alberto Fernández berät. Unverantwortliches Verhalten, zu spät verhängte Maßnahmen, ein Mangel an Impfstoffen und neue, aggressivere Virusvarianten seien die Ursache für die jüngste Infektionswelle.

bru/ww (dpa, afp)

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