PEN-Studie: Sorge um das freie Wort in Deutschland | Bücher | DW | 10.10.2018
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Meinungsfreiheit

PEN-Studie: Sorge um das freie Wort in Deutschland

Hate Speech, tätliche Übergriffe, Einschüchterungsversuche: Laut einer PEN-Studie fürchten deutsche Schriftsteller um die Meinungsfreiheit. Doch sie wollen sich nicht unterkriegen lassen.

526 Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben sich an der Umfrage beteiligt, drei Viertel von ihnen sind demnach in Sorge um die freie Meinungsäußerung in Deutschland.

Die meisten Angriffe erfolgten laut der Studie des PEN-Zentrums Deutschland und dem Institut für Medienforschung der Universität Rostock im Internet. Jeder zweite der Befragten hat selber Übergriffe erlebt oder kennt eine Kollegin oder einen Kollegen, der bedroht, eingeschüchtert oder mit hasserfüllten Reaktionen konfrontiert wurde. 37 Prozent davon seien dabei im Netz von anonymen Nutzern erfolgt, 31 Prozent persönlich. Die Sozialen Medien sehen über die Hälfte der Befragten als Ursache für die Gefährdung der künstlerischen bzw. schriftstellerischen Freiheit. Das hat auch dazu geführt, dass einige ihre Einträge eingestellt haben.

Soziale Medien als Gefahrenquelle

"Das sind erschütternde Ergebnisse, die man für eine freiheitlich-demokratisch verfasste Gesellschaft nicht vermutet hätte", so Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, in einer Mitteilung. "Es ist nicht nur offensichtlich, dass das freie Wort und Toleranz gegenüber den Meinungen anderer, höchste Güter unserer Grundordnung, unter Druck stehen. Ein weiterer Erosionsprozess bedroht Pluralität und Meinungsvielfalt und damit den Kernbestand unserer Gesellschaft."

Facebook Symbolbild (picture-alliance/dpa/F. Sommer)

Viele Autoren werden auf Facebook angegriffen

Die Online-Angriffe erfolgen bei Facebook oder als Kommentar unter Artikeln im Internet. Als Grund für diese Anfeindungen sehen die Autorinnen und Autoren Vorbehalte gegen die politische Orientierung, Unzufriedenheit mit der Darstellung von Sachverhalten, Aversion gegen Personengruppen, über die berichtet wurde, oder Vorbehalte gegen Religion und Weltanschauung sowie Vorbehalte aufgrund des Geschlechts.

"Alarmsignal muss ernst genommen werden"

„Mit dieser Studie haben wir ganz offensichtlich einen Nerv getroffen“, so Prof. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock. „Wir waren völlig überrascht über die hohe Beteiligung und vor allem über das außerordentliche persönliche Mitteilungsbedürfnis. Das Thema treibt Schriftstellerinnen und Schriftsteller stark um. Dieses Alarmsignal muss ernst genommen werden.“

Trotz dieser Angriffe lassen sich die wenigsten der Befragten einschüchtern. Mehr als die Hälfte aller Befragten, die Angriffe erlebt haben, positionieren sich nach eigenen Angaben noch selbstbewusster als zuvor mit ihrer Arbeit.

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