Peking, ein Wintermärchen? | Asien | DW | 31.07.2015
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Asien

Peking, ein Wintermärchen?

Nach den Olympischen Sommerspielen 2008 wird die chinesische Hauptstadt die Winterspiele 2022 ausrichten. Doch Menschenrechtsgruppen kritisieren die Entscheidung.

Peking anstatt Almaty - die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gilt als Tabubruch. Denn ein ungeschriebenes Gesetz des IOC lautet: die Olympischen Spiele sollen nicht zweimal in Folge auf einem Kontinent stattfinden. 2018 veranstaltet die südkoreanische Stadt Pyeongchang die Olympischen Winterspiele, 2020 findet die Sommer-Ausgabe in Tokio statt. Zwei Jahre später brennt das Olympische Feuer wieder in Asien, in Chinas "nördlicher Hauptstadt", wie Peking wörtlich übersetzt heißt.

IOC hat sich für Peking und Zhangjiakou als Austragungsort für die Olympischen und Paraolymischen Winterspiele 2022 entschieden. (Foto: Getty Images)

IOC hat sich für Peking und Zhangjiakou als Austragungsort für die Olympischen und Paraolymischen Winterspiele 2022 entschieden

Hervorragende Infrastruktur und großes Potential

Das IOC begründet seine Entscheidung mit der hervorragenden Infrastruktur. Aus den Bewerbungsunterlagen ist ersichtlich, dass Peking für das Großevent nur ein einziges Stadion neu bauen muss. Die vorhandenen Sportstätten, die für die Spiele von 2008 errichtet wurden, können leicht zu Eis-Sporthallen umfunktioniert werden. Sämtliche Hallenwettbewerbe könnten dann in der Stadt stattfinden.

Allerdings fehlt es in Peking an Bergen und Schnee. Deswegen sollen die Spiele nicht nur in Peking, sondern auch in Zhangjiakou und Yanqing stattfinden. Die Stadt Zhangjiakou liegt circa 220 Kilometer vom Pekinger Stadtzentrum entfernt, Yanqing 90 Kilometer. Dort sollen alle Outdoor-Wettbewerbe ausgetragen werden. Hier besteht erheblicher Bedarf an neuen Anlagen für den Skisport. China verspricht zur Anbindung der Städte, bis 2019 Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Die Reisezeit soll 50 Minuten betragen.

Sportarten wie Biathlon und Rodeln waren bisher in China nicht sehr populär. Das IOC sieht mit der Entscheidung für Peking eine gute Chance, das 1,3-Milliarden-Volk für den Wintersport zu begeistern. In einer Videobotschaft vor der Abstimmung unterstrich der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, wie sehr China den Olympischen Geist und die Werte der Olympischen Spielen schätze.

IOC-Präsident Thomas Bach. (Foto: dpa)

IOC-Präsident Thomas Bach

Große Herausforderungen

China war in den vergangenen Jahren schon oft Gastgeber von internationalen Großevents. Die Weltausstellung 2010 fand zum Beispiel in Shanghai statt. Politisch erhofft sich China internationales Ansehen und mehr Akzeptanz als aufsteigende Großmacht.

Die größten Sorgen - wie auch schon bei den Sommerspiele 2008 - sind und bleiben die Luft- und Umweltverschmutzung. Die 16 Millionen Metropole Peking wird im Winter mit Kohle beheizt. Das führt immer wieder zu starkem, tagelang anhaltenden Smog. Pekings Oberbürgermeister Wang Anshun warb in Kuala Lumpur sichtlich bemüht für seine Maßnahmen, um die Verschmutzung zu reduzieren. "Wir geben alle Garantien, die erforderlich sind", flankiert Liu Yandong, Vize-Ministerpräsidentin Chinas, der ebenfalls bei der Abstimmung anwesend ist.

Nicht zuletzt sind in China Pressefreiheit und Menschenrechte eingeschränkt. Diese beiden Themen dürften "die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Konzepte sein", meinte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Vor der IOC-Entscheidung hatten fünf chinesische Gruppen der Zivilgesellscahft das IOC aufgefordert, die Winterspiele nicht an China zu vergeben. Eine Entscheidung für Peking würde "ein falsches Signal an die ganze Welt senden, und ein autoritärs Regime ermutigen, die Menschenrechte in noch größerem Stil zu unterdrücken", so die Wortführerin Rose Tang.

Auch die Menschenrechtsorganisationen fordern das IOC nach der Bekanntgabe auf, dafür zu sorgen, keine Menschenrechtsverletzungen bei der Vorbereitung und Austragung der Spiele in China zu verursachen oder zu verstärken, hieß es in einer gemeinschaftlichen Erklärung von Amnesty International, Human Rights Watch und anderen Aktivistengruppen.

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