Paul Put - in Europa verschmäht, in Afrika gefeiert | Sport | DW | 28.06.2019
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Afrika Cup

Paul Put - in Europa verschmäht, in Afrika gefeiert

Guinea hat bisher beim Afrika Cup enttäuscht. Am Sonntag muss gegen Burundi ein Sieg her, sonst ist das Turnier für den Geheimfavoriten schon vorbei. Trainer Paul Put hat eine ganz besondere Geschichte.

Paul Put wirkt ganz ruhig. Nichts ist zu spüren von Nervosität beim Nationaltrainer Guineas. Dabei hat der 63-Jährige mit seinem Team beim Afrika Cup ein ganz entscheidendes Spiel vor der Brust: Am Sonntag geht es für die Westafrikaner im letzten Vorrundenspiel gegen Newcomer Burundi. Bei bisher erst einem erzielten Punkt aus zwei Spielen muss Puts Team zwingend gewinnen - sonst ist das Turnier für das als Geheimfavorit gehandelte Guinea schon vorbei.

"Klar, wir haben ein Endspiel vor uns, aber damit muss das Team zurechtkommen. Unsere Qualität reicht, um das Spiel zu gewinnen", sagt der Belgier. Put bleibt ganz cool und das kommt nicht von ungefähr. Der stämmige Blondschopf, der mittlerweile ergraut ist, hat im Fußball schon weitaus dramatischere Momente als diesen erlebt.

Mittäter in einem Wettskandal

Im Februar 2006 wurde der Ex-Profi, der jahrelang in Belgiens zweiter Liga gespielt hatte, als Mittäter in einem Wettskandal überführt. Als Trainer des Erstligisten Lierse SK hatte er in der Saison 2004/05 mitgeholfen, mindestens zwei Spiele zu manipulieren. Put hatte sich auf den chinesischen Geschäftsmann Ye Zheyun eingelassen, der Lierse 2004 als Investor übernommen hatte. Doch anstatt den finanziell angeschlagenen Verein aufzupäppeln, benutzte Zheyun ihn als Werkzeug für sein Wettsyndikat. Er bestach Spieler und Offizielle, um Millionengewinne auf dem asiatischen Wettmarkt einzustreichen. Put hatte mitgemacht. In einem Fall hatte er seinen Stammtorhüter ausgewechselt, weil der sich geweigert hatte, eine zuvor abgesprochene Niederlage einzuspielen.

Africa Cup 2019 | Guinea v Nigeria (Getty Images/AFP/G. Cacace)

Guinea enttäuschte bisher beim Afrika Cup: 2:2 gegen Madagaskar, 0:1 gegen Nigeria (Bild)

Drei Jahre Sperre

Put gab damals seine Mittäterschaft zu, wurde zunächst für drei Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball gesperrt. Allerdings forderte er damals mildernde Umstände ein: "Der belgische Fußball war damals total verseucht. Jeder wusste von diesen Machenschaften, es waren mindestens 40 Leute beteiligt. Aber nur mich hat man rausgezogen, angeklagt und gesperrt. Aber ich akzeptiere meine Sperre und hoffe, dass ich später einmal wieder in Belgien arbeiten kann."

Als Nationaltrainer Burkina Fasos fast ganz oben

Puts Wunsch sollte sich nicht erfüllen. In Belgien gilt er seit der Affäre als gebrandmarkt. In ganz Europa erhielt er keinen Job mehr. Sein einziger Ausweg war Afrika. Dort nahm man den zweifelsohne als Fachmann ausgewiesenen Taktiker gern als Coach auf. Und man hatte Erfolg mit ihm. Vor allem in Burkina Faso. Dort machte man ihn im Frühjahr 2012 zum Nationaltrainer.

Knapp ein Jahr später feierten die "Stallions" ihren größten Erfolg in der Fußball-Geschichte Burkina Fasos: Beim Afrika Cup in Südafrika 2013 wurde das Put-Team Zweiter. Erst im Finale in Johannesburg musste sich die Mannschaft Nigeria mit 0:1 geschlagen geben. Dennoch wurde das Nationalteam in Burkina Faso tagelang gefeiert. Put wurde als Afrikas "Trainer des Jahres", der Staatspräsident überschüttete ihn mit Lobeshymnen. Aber auch in Afrika verblasst der Ruhm schnell. Im Februar 2015,wurde Put wegen Erfolglosigkeit entlassen.

"Jeder hat eine zweite Chance verdient"

Es folgte eine Trainerstation bei USM Algier in Algerien, dann wurde Put Nationaltrainer in Jordanien und für ein paar Monate in Kenia. Bis ihn im März 2018 Guinea aus dem Vertrag in Kenia herauskaufte, Man wollte ihn unbedingt als Nationalcoach. Und tatsächlich führte Put das Team souverän durch die Qualifikation für den Afrika Cup 2019 - wo er jetzt vor einem ersten "Endspiel" steht. Sollte Guinea es nicht für sich entscheiden, würde für Put keine Welt zusammenbrechen. "Fehler können beim Fußball passieren. Wie im ganz normalen Leben auch. Und trotzdem geht es weiter", sagt er. Zu seinen Fehlern von damals steht er, möchte aber nicht mehr darüber sprechen. "Lasst die alten Geschichten sein, das ist lange her. Und jeder hat eigentlich eine zweite Chance verdient." In seiner Heimat Belgien hat Put sie nicht bekommen.

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