Paris verliert die Geduld im Fall Ghosn | Aktuell Welt | DW | 17.01.2019
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Renault-Chef

Paris verliert die Geduld im Fall Ghosn

Bislang galt für die französische Regierung im Fall des in Japan inhaftierten Renault-Chefs die Unschuldsvermutung. Jetzt fordert Wirtschaftsminister Le Maire Entscheidungen über eine Nachfolge.

"Wir möchten, dass der Aufsichtsrat eine neue nachhaltige Unternehmensführung für Renault bestimmt", sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire dem Sender LCI. Es müsse eine neue Etappe beschritten werden, wenn der Renault-Konzernchef Carlos Ghosn dauerhaft verhindert sei. Die französische Regierung wolle die Einberufung des Verwaltungsrates in dieser Sache in den nächsten Tagen, so Le Maire.

Der französische Staat ist beim Autobauer Renault ein wichtiger Player - er hält 15 Prozent der Anteile. Auch wenn Ghosn bei Renault offiziell immer noch Konzernchef ist - sein französischer Titel lautet Président-directeur général - führt sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré das operative Geschäft schon seit längerem.

Paris schickt eine Delegation nach Tokio

Am Mittwoch hatte Regierungssprecher Benjamin Griveaux erklärt, dass die französische Regierung eine Delegation nach Tokio geschickt habe. Es gehe dort um die Zukunft der Allianz zwischen Renault und Nissan. Von der Stabilität dieser Allianz hingen allein in Frankreich Tausende Arbeitsplätze ab, sagte Griveaux. Ergänzend hieß es aus Kreisen des Élyséepalastes, diese Allianz müsse zur Zukunftssicherung der Hersteller unbedingt bewahrt werden.

Bruno Le Maire (picture-alliance/AA/M. Yalcin)

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire will eine nachhaltige Lösung für Renault

Der 64-jährige Auto-Manager Ghosn geriet zuletzt weiter unter Druck. Die Staatsanwaltschaft in Tokio erhob vergangene Woche zwei weitere Anklagen wegen Finanzverstößen. Demnach soll nicht nur in den fünf Jahren bis 2015, sondern auch in den vergangenen drei Geschäftsjahren seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben. Der Renault-Chef sitzt bereits seit dem 19. November in japanischer Untersuchungshaft. Der Staatsanwaltschaft zufolge drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis. Ghosn beteuert seine Unschuld. Er sagt, er sei "unrechtmäßig angeklagt".

Ghosn Ehefrau beklagt Haftbedingungen

Ghosn ist Architekt der internationalen Kooperation von Renault mit den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi. Schon seit längerem wird in Paris darüber spekuliert, dass der bisherige Chef des Zulieferers Michelin, Dominique Senard, den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat übernehmen könnte, während Bolloré weiter das operative Geschäft leiten werde.

Frankriech Nizza Renault-Nissan Boss Ghosn und seine Frau Carole Ghosn (picture-alliance/ZUMA Wire/F. Injimbert)

Ghosns Ehefrau Carole beklagt die Haftbedingungen ihres Mannes

Unterdessen wandte sich Ghosns Ehefrau mit einem Schreiben an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und beklagte die Haftbedingungen ihres Mannes. Darin heißt es, dass der Auto-Manager in einer ständig beleuchteten Zelle untergebracht sei und keinen Zugang zu täglicher medizinischer Behandlung habe, wie mehrere französische Medien berichten, denen der Brief vorliegt. Carole Ghosn behauptet außerdem, dass die Ermittler Druck auf ihren Mann ausüben würden.

nob/rb (dpa, afp, rtr)

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