Paris dreckiger als Tokio? Neuer Streit vor Touristensaison | DW Reise | DW | 08.06.2018
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Reise

Paris dreckiger als Tokio? Neuer Streit vor Touristensaison

Paris ist nach London die meist besuchte europäische Stadt. Ein spöttischer "Reisetipp" des Ex-Kulturministers Jack Lang an die Bürgermeisterin von Paris heizt die Debatte um die Sauberkeit der Metropole erneut an.

Jack Lang kam aus Japan zurück. Der in Frankreich immer noch bekannte ehemalige Kulturminister richtete an die "liebe Anne Hidalgo", die ebenso mächtige wie umstrittene Bürgermeisterin von Paris, die freundliche Empfehlung, auch einmal in Richtung Tokio abzuheben: "Du solltest dort einige Tage verbringen. Die Stadt ist vorbildlich sauber." Paris könne sich davon inspirieren lassen, lautete die via Twitter verbreitete Botschaft.  

Dreckiges Paris - das ist ein Thema, über das seit langem gestritten wird. "Die Kapitale - eine Müllkippe unter freiem Himmel?", fragte beispielsweise die Tageszeitung 'Le Monde' bereits 2017 mit Blick auf herumliegenden Sperrmüll, Ratten oder Berge von Zigarettenkippen. Das Schmuddel-Image ist wenig schmeichelhaft für die Millionenmetropole, die sich so gerne im Glitzergewand zeigt und 2024 die Olympischen Spiele ausrichten wird. Die Stadt gibt für Sauberkeit bereits rund 550 Millionen Euro im Jahr aus und versprach zu Jahresbeginn, noch mehr zu tun. 

Müll in Paris (picture-alliance/dpa/C. Böhmer)

Am Boulevard de la Madeleine liegen zahllose Zigarettenstummel um einen Straßenbaum

Hidalgo verwies als Reaktion auf den Tweet knochentrocken auf den jährlichen Tag des großen Reinemachens. Dabei werden Bürger an diesem Samstag (9.6.) wieder zu Handschuhen und Müllsack greifen, um ihr Stadtviertel zu säubern.

Wer nun angesichts der neu aufgeflammten Polemik meint, in der Touristenmetropole würden sich die Müllberge stapeln, sieht sich
getäuscht. So stehen im Parc du Champs du Mars im Schatten des Eiffelturms in regelmäßigen Abständen große grüne Müllcontainer. Auf dem Rasen und den Wegen des Parks liegt sehr wenig Abfall herum. Auch sonst wird einiges getan: Bis zum späten Abend sind Reinigungskräfte unterwegs, um Bürgersteige der Hauptstadt abzuspritzen. 

Die zum Eindruck der Unsauberkeit beitragende Rattenplage ist an der Seine noch längst nicht gelöst. Die Stadt lässt sich den Kampf gegen die Nager eine Million Euro kosten. Der Experte Pierre Falgayrac schätzte vor einigen Monaten, dass es ungefähr 3,8 Millionen Ratten in der Hauptstadt gibt - diese Zahl schwanke aber.

Christian Böhmer (dpa)

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