Papst will vom Zölibat nicht lassen | Aktuell Welt | DW | 12.02.2020
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Katholische Kirche

Papst will vom Zölibat nicht lassen

Für alle, die auf eine Öffnung der katholischen Kirche hoffen, ist es eine Enttäuschung: Franziskus vermeidet in seinem Lehrschreiben zur Amazonas-Synode eine klare Aussage zu verheirateten Priestern.

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Papst zu Priestermangel im Amazonasgebiet

Papst Franziskus stellt keine Öffnung der katholischen Kirche gegenüber verheirateten Priestern in Aussicht. In seinem im Vatikan veröffentlichten Lehrschreiben vermeidet der Pontifex eine klare Aussage über die Zulassung von verheirateten Männern zur Weihe in der Amazonas-Region. Dies hatte die Bischofssynode zur Amazonas-Region im vergangenen Oktober in ihrem Abschlussdokument verlangt.

Mit Blick auf die Diskussion um die Forderung, als Mittel gegen den Mangel an Geistlichen in dieser Region verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen, betont der Papst, er werde nicht auf alle Fragen des Synodendokuments eingehen. Er erteilt der Idee aber auch keine definitive Absage.

Auch beim Thema Frauen zeigt Franziskus keine Schritte in Richtung Weihe zu Diakoninnen auf. Er ruft zwar zu mehr Frauen in Führungspositionen auf - ihre Weihe für geistliche Ämter kommt für ihn aber nicht infrage. Dies würde zu einer "Klerikalisierung der Frauen" führen. In dem Schreiben heißt es wörtlich: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben."

Franziskus und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, im April 2017 im Vatikan (Foto: picture-alliance/S. Spaziani)

Franziskus und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, im April 2017 im Vatikan

Auswirkungen auf Debatte über Synodalen Weg 

Über den Zölibat ist in der katholischen Kirche ein heftiger Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt. Das eigentliche Thema der Synode - die Umweltzerstörung im Amazonasgebiet - geriet dabei in den Hintergrund. Franziskus' Schreiben wird auch Auswirkungen auf den Synodalen Weg in Deutschland haben. Denn bei dem Reformprozess soll es ebenfalls um Zölibat und Frauen gehen. Viele Gläubige erhoffen sich dabei eine Öffnung der Kirche. Erst am Dienstag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, seinen Rücktritt angekündigt. Marx gilt als Treiber der Reform. Franziskus nimmt auf die Debatte um den Zölibat keinen Bezug und erwähnt nicht einmal den Begriff.

Marx reagiert positiv, das ZdK kritisch

In einer ersten Reaktion sagte Marx, das Schreiben des Papstes beinhalte keine grundlegende Entscheidung zum Zölibat. Franziskus greife den Vorschlag der Amazonas-Synode, den Zölibat in abgelegenen Gebieten in Südamerika in Ausnahmefällen zu lockern, nicht konkret auf, er schließe aber auch nichts aus. Marx: "Ich habe nicht den Eindruck, dass der Papst das Thema vom Tisch nimmt." 

Kritischer fällt das Urteil des obersten deutschen Laiengremiums aus. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, vermisst in dem Papst-Papier den Mut zu echten Reformen. "Wir bedauern sehr, dass Papst Franziskus hier in seinem Schreiben keinen Schritt nach vorne wagt." Vielmehr befestige er sowohl in Bezug auf den Zugang zum Priesteramt, wie auch die Beteiligung von Frauen an Diensten und Ämtern der Kirche, die bestehenden römischen Positionen, betonte Sternberg in seiner Stellungnahme  

"Querida Amazonia" - "Das geliebte Amazonien"

Franziskus beschäftigt sich in seinem Schreiben mit dem Titel "Querida Amazonia" ("Das geliebte Amazonien") auch ausführlich mit den Missständen in dieser Region. Dort gebe es eine "ökologische Katastrophe", die weltweite Auswirkungen habe. Er verurteilt die systematische Unterdrückung von indigenen Völkern und die Zerstörung ihres Lebensraums mit verbrecherischen Methoden. Der Papst sieht vor allem "kolonisatorische Interessen" als Hintergrund für wachsende illegale Abholzung des Regenwalds sowie eine Ausweitung von Bergbau und Ölförderung in der Region. Internationalen Konzernen wirft das katholische Kirchenoberhaupt "Ungerechtigkeit und Verbrechen" bei der Zerstörung der Umwelt und Vertreibung des Ureinwohner vor. Sie schreckten auch vor Folter nicht zurück.

Rom Vatikan Eröffnung Amazonas-Synode (Imago Images/Independent/Catholic Press/M. Migliorato)

Der Papst zusammen mit Teilnehmern einer Veranstaltung anlässlich der Amazonas-Synode

Auch Kirche "Teil des Korruptionsnetzes"

Zu den Mitteln der Holz-, Bergbau- und Ölindustrie gehörten Sanktionen gegen Proteste und die Ermordung von Indigenen, Brandstiftung in Wäldern und die Bestechung von Politikern und Indigenen, beklagt Franziskus in seinem 50-seitigen Schreiben. Regierungen und Behörden machen sich nach den Worten des Kirchenoberhauptes mitverantwortlich, indem sie Konzernen grünes Licht für Zerstörungen geben.

Die Umweltkatastrophe in der Region ist in den Augen des Papstes weit über Lateinamerika hinaus von Bedeutung, denn das "Gleichgewicht des Planeten hängt auch von der Gesundheit Amazoniens ab". Auch Mitglieder der Kirche seien in der Vergangenheit "Teil des Korruptionsnetzes" gewesen. Im Austausch gegen finanzielle Unterstützung von kirchlichen Werken hätten diese bisweilen Stillschweigen gewahrt. 

sti/haz (afp, dpa, kna, epd)

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